Gelungenes musikalisches Experiment von Guido A. Neumann und Arne Tigges
Hochzeit von Saxofon und Barock

Barock, auf einem Instrument gespielt, dass die barocke Welt nicht kannte: Geht das? „Wir machen ein Experiment“, sagte Guido A. Neumann am Sonntag zu Beginn des Konzerts für Sopransaxofon und Orgel in der Kirche St. Bernhard

Montag, 30.01.2017, 00:01 Uhr

Orgel und Sopransaxofon harmonierten im „Experiment“ von Arne Tigges (r.) und Guido Neumann.
Orgel und Sopransaxofon harmonierten im „Experiment“ von Arne Tigges (r.) und Guido Neumann. Foto: anh

Satt und kraftvoll präsentiert sich Neumanns Sopransaxofon , sonor und nicht zu hart füllt es den Kirchraum. „Genießen Sie den Raumklang“ hatte Neumann eingeladen – das Publikum saß mit dem Rücken zu den Künstlern. Arne Tigges spielte die Orgel.

Was an Dynamik in dem geraden, kurzen Saxofon steckt, ließ Neumann schon im Andante der Sonata No. 6 in B-Dur von Benedetto Marcello spüren. Es folgten, ebenfalls aus dem Hochbarock, fünf Märsche aus Georg Philipp Telemanns „12 Marches Héroiques“.

Orgel-Soli waren ein weiteres Element des an Abwechslung reichen Programms. Tigges bot zwei Werke von Louis Marchand, einem Zeitgenossen Bachs, der diesem in einem Wettbewerb einmal unterlegen gewesen sein soll. Anders ist sein Stil, geprägt von Gefühl, Größe und Licht. Tigges spielte das „Grand jeu“ und das „Basse de Trompette“ in „markanter Registrierung“, leider etwas kurz.

Beide gehören zu „Marches Pièces d’Orgue“. Dem ließ Neumann keck ein Opus von Bach folgen, die „Air“ aus der Suite in D-Dur. Hier war das Saxofon der Anstrengung nicht gewachsen und gehorchte nicht mehr richtig, vor allem in den mittleren Lagen. Neumann ließ aber noch die auf volkstümlichen Tänze zurückgehende Tambourin-Chaconne von Michel Corrette hören. Und nach so viel selten oder nie so gehörten Werken boten die beiden Musiker das aus zahllosen Hochzeiten bekannte „Trumpet Voluntary“ von Jeremiah Clarke.

Die Hochzeit von Saxofon und Barock, sie war gelungen. Als Zugabe gab es n die „Sortie“ von Louis James Alfred Lefébure-Wély, gedacht als Musik beim Herausgehen. Man blieb.

Ein so langes Konzert mit Werken dieses Schwierigkeitsgrades habe er noch nicht bestritten, sagte Neumann, sichtlich angestrengt. Verständlich um so mehr, als er noch die informativen Einführungen in Zeit und Werk vom Ambo vorgetragen hatte. Das Publikum, knapp drei Dutzend Gäste, wusste es zu schätzen und spendete Arne Tigges und Neumann kräftigen Applaus. Zu einem späteren Termin soll das Konzert auch in der Hiltruper Christuskirche zu hören sein.

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