Ahmad Dimassi spielt Hauptrolle im neuen Boulevard-Theaterstück
„Manchmal öffnet das Leben Türen“

Münster-Angelmodde -

Vor knapp dreieinhalb Jahren ist der Angelmodder Ahmad Dimassi als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Auf der Theaterbühne hat er seine teils belastenden Erfahrungen verarbeitet. Jetzt bekommt der 22-Jährige seine erste Hauptrolle.

Mittwoch, 06.06.2018, 18:00 Uhr
Ahmad Dimassi lebt in der Angelmodder Waldsiedlung und hat die Flüchtlingskrise damals aus nächster Nähe erlebt. Jetzt spielt er in der Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“ die Hauptrolle – einen Flüchtling der in einer deutschen Familie unterkommt.
Ahmad Dimassi lebt in der Angelmodder Waldsiedlung und hat die Flüchtlingskrise damals aus nächster Nähe erlebt. Jetzt spielt er in der Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“ die Hauptrolle – einen Flüchtling der in einer deutschen Familie unterkommt. Foto: mlü

„Ich hatte die Hoffnung auf eine Bühnenkarriere beinahe auf­gegeben, da kam der Anruf vom Boulevard-Theater.“ Ahmad Dimassi schüttelt ungläubig den Kopf: „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet das Leben neue Türen. Es gibt immer eine Tür. Immer.“ Klingt wie eine Plattitüde, doch jede Faser seines Körpers ist angespannt, als diese Sätze sagt. Er meint es so und hat seine Gründe. Die Rolle, die ihm jetzt angeboten wurde, ist ihm wie auf den Leib geschneidert – er wird einen muslimischen Flüchtling spielen. Mit dieser Ankündigung ist dem Boulevard-Theater ein Coup gelungen. Denn als zweites Theater in Deutschland überhaupt darf das Theater in der Königspassage in Münster den Kinohit „Willkommen bei den Hartmanns“ auf die Bühne bringen (siehe Themenkasten). Genau wie im Kinofilm von 2016 soll auch in der Theaterfassung ein neues Talent die Rolle des Flüchtlings spielen.

„Ich bin ganz aufgeregt, im positiven Sinn.“ Dimassi übt sich in Demut. „Ich muss noch viel lernen. Aber ich liebe das Theater genug, um erfolgreich zu sein.“ Geboren wurde er im Libanon und ausgewandert sind er und seine Familie nicht ganz freiwillig. „Mein Vater hat in einer Bank gearbeitet“ und sei überfallen worden. Doch die Polizei wollte nichts unternehmen gegen die einflussreiche kriminelle Bande aus dem Nachbarort. „Die Polizei hat nur mit den Achseln gezuckt und gesagt, wir sollten uns auch eine Pistole kaufen.“ Die Familie war auf sich alleine gestellt, lebte in Angst, floh.

Nach Stationen in Karlsruhe und Dortmund wurde seine Familie dann in Hiltrup in einer Flüchtlingsunterkunft an der Meesen­stiege untergebracht. „Jetzt mache ich dort die Kinderbetreuung.“ Als Dolmetscher hat er auch schon gejobbt. Aber seine Leidenschaft gilt den Brettern, die die Welt bedeuten. Er sagt, im Libanon wäre er vermutlich zum Fernsehen gegangen.

„Der Mann, der mich zum Theater geführt hat, heißt Andrej Lazarev und kommt aus Kasachstan.“ In seiner Gruppe, dem A-Theater, haben fast alle einen Migrationshintergrund. Jetzt wollen sie gemeinsam eine Theaterakademie gründen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5797745?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F134%2F
Genehmigung ja – aber viele offene Fragen
Das Windrad in Loevelingloh, hier ein Foto aus der Zeit der Abschaltung, ist am 4. Oktober wieder ans Netz gegangen. Seitdem flammt auch wieder die Lärmschutzdebatte in der Nachbarschaft auf.
Nachrichten-Ticker