Garteneinblicke im Kleingartenverein Angelmodde
Die beste Gemüsesuppe der Welt

Münster-Angelmodde -

Im Kleingartenverein Angelmodde freuen sie sich schon jetzt auf das Erntedankfest im Oktober. Dann schwingt der ehemalige Vorsitzende Ludger Kintrup wieder den Kochlöffel und zaubert aus allem, was die Gärten so hergeben, die „leckerste Gemüsesuppe der Welt“.

Donnerstag, 23.08.2018, 09:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 23.08.2018, 09:00 Uhr
„Da ist doch Kartoffeldoping im Spiel!“, frotzelt Gertrudis Sieg (l.) neidisch beim Anblick der dicken großen Kartoffeln aus Reiner Westphals (r.) Schrebergartenparzelle.
„Da ist doch Kartoffeldoping im Spiel!“, frotzelt Gertrudis Sieg (l.) neidisch beim Anblick der dicken großen Kartoffeln aus Reiner Westphals (r.) Schrebergartenparzelle. Foto: mlü

Von der Bohne bis zur Zucchini, alles darf rein, was die Beete hergeben. Ein wildes Potpourri, das jedes Jahr ein bisschen anders schmeckt.

Und die Ernte in diesem Jahr kann sich sehen lassen. Aufgrund der Dürre haben die Mitglieder zwar schlappe Arme vom vielen Wasserholen an den fünf Schwengelpumpen der Kleingartenanlage. Weil aber die Grundwasser-Brunnen im Jahr 1962 besonders tief gegegraben wurden, saßen die Gärtner immerhin auch noch nie auf dem Trockenen.

Die Kleingartenanlage Angelmodde ist mit 23 Gärten eine der kleinsten in ganz Münster. Außerdem ist sie die einzige in ganz Angelmodde und Wolbeck zusammen. Ihren Spitznamen trägt die Anlage nicht ohne Grund: „Unverzagt“ steht auf großen Lettern unter dem Vereinsschild. Zweimal seit der Gründung im Jahr 1947 wurden die Gärtner bereits von ihren Anlagen vertrieben, bevor sie vor 56 Jahren eine feste Heimat an der Homannstraße fanden.

Die beiden Umzüge dokumentieren auch ein Stück Zeitgeschichte von Angelmodde-West. Kurz nach dem Krieg wurde der Verein nämlich aus der Not gegründet. Die Familien wollten ihren kargen Speiseplan um frisches Gemüse erweitern. An der Heidestraße wurde ihnen „Grabeland“ zugewiesen, berichtet Ludger Kintrup . Als dort Britenwohnungen gebaut wurden, mussten die Gärtner auf das heutige Gelände der Sauerstoffwerke umziehen – bis auch dort gebaut wurde. Beide Bauprojekte, die Britenwohnungen und die Anlagen der Westfalen AG, prägen den Ort bis in die Gegenwart. Die heutige Kleingartenanlage ist zum Glück fest im Bebauungsplan verankert. Vertreibung muss niemand mehr fürchten.

Die Angelmodder Kleingärtner beteiligen sich 2017 an einem Projekt des britischen Künstlers Jeremy Deller für die Ausstellung Skulptur-Projekte. 54 Kleingartenvereine wurden gebeten, zehn Jahre lang ein Gartentagebuch zu führen.

Das Gartenbuch aus Angelmodde wog am Ende sieben Kilogramm und ist mit vielen Erinnerungen an vergangene Schneckenplagen und Sommerfeste, Fotos von den dicksten Kürbissen und Anekdoten gespickt. Gertrudis Sieg hat das Gartenbuch geführt. Das war viel Arbeit. „Aber ein bisschen fehlt mir das Tagebuchschreiben mir mittlerweile schon.“

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