„Webers Kotten“ steht heute im Mühlenhof
Aus Angelmodde ins Museum

Münster-Angelmodde -

„Webers Kotten“ ist eines von über 30 Fachwerkhäusern aus dem ganzen Münsterland, die im Freilichtmuseum Mühlenhof wieder aufgebaut wurden. Ursprünglich stand er an der Homannstraße in Angelmodde-West. Erst 1991 wurde das baufällige Gebäude dort abgerissen.

Donnerstag, 30.08.2018, 17:16 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 29.08.2018, 11:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 30.08.2018, 17:16 Uhr
Der Webers Kotten im Freilichtmuseum Mühlenhof in Münster: Erst in den 1990er Jahren wurde die kleine Hofstelle an seinem ursprünglichen Standort an der Homannstraße in Angelmodde ab- und im Freilichtmuseum Mühlenhof wieder aufgebaut und restauriert.
Der Webers Kotten im Freilichtmuseum Mühlenhof in Münster: Erst in den 1990er Jahren wurde die kleine Hofstelle an seinem ursprünglichen Standort an der Homannstraße in Angelmodde ab- und im Freilichtmuseum Mühlenhof wieder aufgebaut und restauriert. Foto: mlü

Heute steht an derselben Stelle eine Wohnsiedlung, ein Investment der Apothekerkammer. Doch so mancher Annetteschüler aus den Wendejahren erinnert sich vielleicht noch an Klassenausflüge und Wandertage zur nahe gelegenen Hofstelle der Familie Theodor und Luise Brocks , den letzten Eigentümern des Fachwerkhauses. Die Hauptattraktion waren die Rentenpferde, von denen immer mal eines aus der lehmgestampfte Deele herausschaute.

Die Museumspädagogin Elke Berner kann jedoch aus dem Mühlenhof berichten, dass dann und wann immer noch Schulklassen aus Angelmodde das Haus besuchen. „Die sind immer sehr stolz zu hören, dass hier auch ein Haus aus Angelmodde auf dem Gelände steht.“

Der „Webers Kotten“ ist ein Vierständerhaus, das um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Es war damals ein Haus der armen Leute am Stadtrand. Die kleinbäuerlichen Bewohner waren wohl zusätzlich zur Landwirtschaft auf Einkünfte aus handwerklichen Nebenerwerbstätigkeiten angewiesen. Daher auch der Name. Im Torbogen über der Tennentür ist die Jahreszahl 1753 zu finden. Am Herdfeuer die Jahreszahl 1759.

Die Geschichte des Kottens hat der Heimatforscher Wolf Lammers in seinem Buch „Gutsherrschaft und Bauernbefreiung in Angelmodde“ untersucht. Alles begann im 16. Jahrhundert. Die Landbevölkerung war gewachsen, die vielen Bauernsöhne und -töchter, Knechte, Heuerlinge und Tagelöhner zogen an den Stadtrand. Ihre Kotten standen meist auf weniger fruchtbaren Böden, bei Webers Kotten war das nicht anders. Hinter ihm begann die „Sandwüste der Loddenheide“. Im 30-jährigen Krieg zogen marodierende Landsknechte über das Land: Zusammen mit anderen Bauernhöfen brannte der Angelmodder Kotten im März 1633 ab.

Auf dem Grundstück entstand eine Wohnanlage.

Auf dem Grundstück entstand eine Wohnanlage. Foto: mlü

Die Geschichte des späteren Neubaus aus dem 18. Jahrhundert zeigt, dass es damals mit der Bauernbefreiung mitunter nicht weit her war. Eigentlich sollte das napoleonische Dekret von 1808 alle Bauern und Kötter zu freien Bürgern machen. In der Realität musste der Weberkötter einen Vertrag unterschreiben, der seine Kinder dazu verpflichtete, auf dem Gutshof des Pächters zu arbeiten. Ein Vertrag, der wohl nicht ganz rechtens war, wie Lammers in seiner Heimatgeschichte darlegt. Oder zu gut deutsch: Der Weberkötter wurde über den Tisch gezogen.

Beim Wiederaufbau in den Jahren 1992 bis 1994 wurde der Kotten gewissermaßen mit einem zweiten Fachwerkhaus vermählt, verrät die Volkskundlerin Elke Berner. Der Zustand der alten Gewerke machte es nötig, Teile des Angelmodder Gebäudes mit den Hölzern eines Heuerlingshauses aus Borghorst zu ergänzen. Heute dient das Gebäude im Mühlenhof als Textilmuseum. Der Garten an Webers Kotten ist als Lehrgarten angelegt. Überwiegend wachsen dort Pflanzen und Sträucher, die für die Veredelung und Pflege von Textilien genutzt werden.

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