Die Reaktivierung ist förderfähig – Was sagen die Politiker?
Die Mehrheit ist für die WLE

Münster-Südost -

Ein weiterer Schritt in Sachen „Reaktivierung der WLE (Westfälische Landes-Eisenbahn)“ ist getan. Wie berichtet, hat ein Fachgutachten die Wirtschaftlichkeit des Projekts bejaht, das bereits seit vielen Jahren diskutiert wird. Die Maßnahme soll nun Aufnahme in den Landes-Bedarfsplan des öffentlichen Nahverkehrs finden. Wenn alles läuft wie geplant, könnten 2013 wieder Personenzüge durch den Südosten Münsters bis nach Sendenhorst rollen. Die Strecke war 1975 für den Personenverkehr stillgelegt worden. Wie bewerten die Politiker die Entwicklung?

Montag, 10.12.2018, 00:00 Uhr aktualisiert: 12.12.2018, 17:50 Uhr
Die WLE-Schienenverbindung zwischen Münster und Sendenhorst soll für den Personenverkehr reaktiviert werden. Die BV-Mehrheit ist dafür.
Die WLE-Schienenverbindung zwischen Münster und Sendenhorst soll für den Personenverkehr reaktiviert werden. Die BV-Mehrheit ist dafür. Foto: isa

► „Die Mehrheit in der Bezirksvertretung (BV) Südost befürwortet die Reaktivierung der WLE“, erklärt Bezirksbürgermeister Rolf Schönlau (SPD). „Ich persönlich halte sie auch für notwendig.“ Münster sei eine wachsende Stadt. Auf dem Gelände der York-Kaserne, im Baugebiet Petersheide und auf weiteren Flächen entstünden tausende neuer Wohnungen. Ebenso in Albersloh und Sendenhorst. Der Pendelverkehr werde weiter zunehmen. „Und jeder Autofahrer weiß, dass sich der Verkehr auf dem Albersloher Weg bereits jetzt oft kilometerlang staut.“ Ein vernünftiges Verkehrskonzept sei dringend vonnöten, so Schönlau.

Zum Thema „Wartezeiten an Bahnübergängen“ gibt er zu bedenken, dass diese „bei modernen Anlagen etwa 25 bis 35 Sekunden“ dauerten. Dies sei mit einer Ampelphase vergleichbar. Schließlich würden die für den Einsatz geplanten Dieselloks „schon jetzt den modernsten Werten entsprechen“. Und für die Zukunft seien neue Antriebsformen, etwa mit Brennstoffzellen, im Test.

►  Franz-Josef Ruwe (CDU) hofft sehr, „dass die Reaktivierung Wirklichkeit wird“, und „wäre schier begeistert, wenn man auch noch im Zeitplan bliebe“. Und das, obwohl der Fraktionsvorsitzende persönliche Nachteile einstecken müsste: „Ich wohne dort, wo in der Nähe ein Pendlerparkplatz für den Haltepunkt Angelmodde entstehen wird“, so Ruwe. Der Politiker ist aber überzeugt, dass die WLE für das Allgemeinwohl notwendig ist. „Nur so kann der Verkehr im Ort zurückgehen.“

Man brauche leistungsfähige Transportmittel aber auch, „um den münsterischen Wohnungsmarkt zu entlasten“, so Ruwe. Wer schnell mit der Bahn ins Zentrum komme, entscheide sich leichter, etwas außerhalb im Umland zu wohnen.

► Reiner Borchert (GAL/Grüne) begrüßt das WLE-Projekt „außerordentlich“. Schade sei nur, dass alles so lange gedauert habe: „Die Wirtschaftlichkeitsprüfung wurde erst im Frühjahr in Auftrag gegeben.“ Borchert weist darauf hin, „dass der Wirtschaftlichkeitsfaktor im Gutachten deutlich höher ausfällt, als erwartet“. Er hofft, dass das Projekt „in den nächsten fünf Jahren tatsächlich realisiert“ wird.

►Piratin Birgit Hemecker freut sich über die Neuigkeit. „Wir brauchen Entlastung auf den Straßen“, betont sie. Schon heute seien die Busse auf dem Albersloher Weg überfüllt. Eine zusätzliche Schienenlösung werde die Situation entzerren. „Münster ist die einzige deutsche Großstadt mit über 300 000 Einwohnern, die keine Straßen- oder Stadtbahn hat“, gibt sie zu bedenken.

► „Skeptisch“ bleibt Willi Schriek (FDP). „Das Gutachten muss noch bewertet werden“, ist er überzeugt. Dass tatsächlich 85 000 Bewohner von der Streckennutzung profitieren sollen, erscheint ihm „sehr hoch“. Auch vermutet er, dass ein hoher Kosten-Nutzen-Faktor nur dann erreichbar ist, „wenn die Buslinie 8 stark zusammengestrichen wird“. Dies dürfe nicht passieren.

► Auch die Bürgerinitiative (BI) „Pro Bus und Rad - Gegen die Bahn“ zweifelt die Zahlen des Gutachtens an. Die Fahrgastzahlen seien „um 60 Prozent gestiegen, obwohl die Bevölkerung seit dem 2010er Gutachten nur um zwölf Prozent gewachsen ist“, so Lars Ostermeyer von der BI. Zweifel gibt es auch an der Vergabe des Gutachtens. Die Gutachterfirma werde vom Zweckverband NWL bezahlt. „Können wir da auf ein neutrales Gutachten hoffen?“ fragt Olaf Schramm von der BI.

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