Bezirksvertretung Südost
Diskussion um WLE-Reaktivierung hält an

Münster-Südost -

Die Diskussionen über die Reaktivierung der WLE halten weiter an. In der Bezirksregierung Südost wurde erneut das Gutachten und die darin genannten Zahlen scharf kritisiert.

Donnerstag, 21.02.2019, 07:18 Uhr aktualisiert: 21.02.2019, 09:06 Uhr
Über die Reaktivierung des Personenverkehrs bei der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) wurde in der Sitzung der Bezirksvertretung Südost diskutiert. Seit 1975 verkehrt auf den Schienen nur noch Güterverkehr. Foto: isa
Über die Reaktivierung des Personenverkehrs bei der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) wurde in der Sitzung der Bezirksvertretung Südost diskutiert. Seit 1975 verkehrt auf den Schienen nur noch Güterverkehr. Foto: isa Foto: isa

Es gab viel Diskussion, doch ein Ergebnis ist noch immer nicht in Sicht: In der Bezirksvertretung (BV) Südost wurde am Dienstagabend erneut rege über die Reaktivierung der WLE (Westfälische Landeseisenbahn) diskutiert. Das Gremium hatte Michael Geuckler als Berichterstatter eingeladen. Der Geschäftsführer des Zweckverbands Schienenpersonal-Nahverkehr (SPNV) Münsterland sollte den Stand des Verfahrens wiedergeben.

Und er wurde gebeten, Stellung zu den „erstaunlichen Zahlen“ (Bezirksvertreter Willi Schriek , FDP) zu nehmen, die im Zusammenhang mit einem Gutachten zur Reaktivierung der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) immer wieder genannt werden und die seit Wochen für Verwirrung und Kritik in der Bevölkerung sorgen.

Gutachten wird methodisch geprüft

Geuckler zeigte sich etwas überrascht: „Ich bin hier, um das Verfahren vorzustellen“, erläuterte er. Zu den Zahlen könne er „heute noch nichts sagen“, stellte er klar: „Wir sind dabei, das Gutachten methodisch durchzuprüfen.“

Zum Hintergrund: Im Dezember war bekannt geworden, dass die Reaktivierung des 1975 für den Personenverkehr stillgelegten Schienenstrangs der WLE von Münster nach Sendenhorst als volkswirtschaftlich positiv und daher förderfähig beurteilt wird. Zu diesem Ergebnis waren Gutachter bei ihren „Standardisierten Bewertungen“ des Reaktivierungsprojekts gekommen. In dem Zusammenhang war von der CDU-Ratsfraktion die Zahl von 85 000 Bewohnern genannt worden, die von einer Streckennutzung profitieren könnten, sowie von 43 000 Arbeitsplätzen. Gerechnet werde ferner mit 10 000 Fahrgästen werktäglich, hieß es.

Die Fahrgäste pro Tag würden damit um 60 Prozent höher liegen, als bei einem einige Jahre vorher erstellten Gutachten.

Willi Schriek

Diese Zahlen werden von Kritikern der WLE immer wieder in Zweifel gezogen. „Die Fahrgäste pro Tag würden damit um 60 Prozent höher liegen, als bei einem einige Jahre vorher erstellten Gutachten“, erklärte auch Willi Schriek bei der Sitzung am Dienstag ungläubig. Der FDP-Vertreter wendet sich als einziger in der BV Südost gegen die Reaktivierung, während sich die Vertreter aller anderen Fraktionen und politischen Richtungen dafür aussprechen.

Er könne zurzeit zu der Frage keine Stellung nehmen, erklärte Geuckler und wies darauf hin, dass die Zahlen nicht von ihm stammten, sondern von Politikern und der Presse ins Spiel gebracht worden seien.

Endgültig Klarheit bis zum 1. April

Man sei in seinem Hause mit Hochdruck dabei, das Gutachten durchzurechnen, fügte Geuckler hinzu. Das Bewertungsverfahren sei nämlich vom Bund verändert worden. Ziel sei, endgültige Klarheit bis zum 1. April zu schaffen. Dann sollen dem Regionalrat, der an diesem Tag zusammenkomme, „valide Zahlen“ vorgelegt werden. Diese könnten dann auch veröffentlicht werden.

Wenn der bei der Bezirksregierung angesiedelte Regionalrat dem Gutachten zustimme, könne das Projekt Fahrt aufnehmen, erklärte Geuckler zum weiteren Verfahren. Sprich, das Land NRW könnte das Projekt in den Bedarfsplan des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) aufnehmen.

Kritik: Fehlende Transparenz

„Ich halte es für einen großen Fehler, das Gutachten erst zum 1. April zu veröffentlichen“, setzte Ratsherr Mathias Kersting (SPD) dem entgegen. „Wir brauchen die Informationen möglichst schell, um in Dialog mit den Bürgern zu treten. Und zwar, bevor Fakten geschaffen werden.“ In dieselbe Kerbe schlug CDU-Ratsherr Andreas Nicklas: „Es fehlt an Transparenz, und in der Bevölkerung mehren sich die Zweifel am volkswirtschaftlichen Nutzen des Projekts.“

Ratsherr Heinz Georg Buddenbäumer ( CDU ) unterstützte zwar „den Druck, schnell zu sein“. Er erklärte jedoch unter Hinweis auf neue Baugebiete und damit verbundene Verkehrsströme in Münster-Südost, eine Reaktivierung der WLE bringe „wahnsinnig viele Vorteile“ mit sich.

Bezirksvertreter Franz-Josef Ruwe beharrte darauf, dass sich die Bedingungen im öffentlichen Nahverkehr durch eine mögliche WLE-Reaktivierung nicht verschlechtern dürften.

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