Nagelneue Kita nicht genehmigungsfähig
„Das war doch abzusehen“

Münster-Angelmodde/Gremmendorf -

Die nagelneue Kita Heidestraße kann nicht in Betrieb gehen. Die Nachricht sorgt für Frust – Politik und Verwaltung sind um Schadensbegrenzung bemüht.

Mittwoch, 13.03.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 13.03.2019, 18:36 Uhr
Die neue Kita Heidestraße kann nicht in Betrieb gehen.
Die neue Kita Heidestraße kann nicht in Betrieb gehen. Foto: mlü

Die für viel Geld aufgestellte Container-Kita an der Heidestraße soll ungenutzt wieder abgebaut werden. Der Schaden für den Steuerzahler geht in die Hunderttausende. In den sozialen Netzwerken ist von einem „Schildbürgerstreich“ die Rede.

Zum Verhängnis geworden ist der geplanten Kita die Nachbarschaft zur Abfüllstation der Westfalen AG. Die Kita erhält aus Sicherheitsgründen keine Betriebserlaubnis. Warum wurde dann nicht vorab geprüft, ob der Standort in der Nähe eines Industriebetriebs problematisch ist? „Das Problem zeichnete sich erst im Zuge des Genehmigungsverfahrens ab“, sagt Jörg A. Michel vom Amt für Immobilienmanagement der Stadt Münster.

Teurer Transport

Die Container stammen von der abgebauten Flüchtlingseinrichtung am Brandhoveweg bei Wolbeck. Die Stadt Münster hatte die Container gekauft und aufgeteilt: Eine Hälfte wurde an die Heidestraße versetzt. Alleine dieser Transport und das neue Fundament schlagen mit rund 110.000 Euro zu Buche. Dazu kommen Renovierungskosten.

„Als klar wurde, dass es Probleme beim Genehmigungsverfahren gibt, wurde ein Baustopp verhängt“, so Michel. So seien weitere unnötige Ausgaben verhindert worden. „Wir prüfen jetzt eine andere Nutzung, oder ob wir die Container versetzen“, so Michel. Denkbar sei, die Container auf mehrere Kita-Standorte in der Nachbarschaft zu verteilen.

Von Anfang an in der Kritik

Kritik gibt es vom CDU-Fraktionsvorsitzenden in der Bezirksvertretung Südost, Franz-Josef Ruwe: „Das war doch abzusehen. Man sieht doch, dass die Bebauung an der Heidestraße aus einer Zeit stammt, als noch ein ganz anderes Baurecht galt.“

Die provisorische Kita an der Heidestraße stand von Anfang an in der Kritik. So viel Geld für ein dreijähriges Intermezzo? Dabei bieten die Container lediglich Platz für die Betreuung von gerade einmal 20 Kindern. In der Bezirksvertretung Südost sorgte der Baubeschluss vor fast genau einem Jahr nicht nur für Begeisterung – trotz der angespannten Kita-Versorgungslage in Angelmodde. Und jetzt das: Die neue Containeranlage erhält keine Betriebserlaubnis als Kita.

Dringender Bedarf

Wie geht es jetzt weiter? Drei Optionen stehen im Raum: Abbauen und auf einem neuem Grundstück wieder aufbauen, die Container aufteilen oder sie an Ort und Stelle für etwas anderes zu nutzen. Das städtische Jugendamt bevorzugt eine Nutzung der Container als Kita, egal wie oder wo, und verweist auf den dringenden Bedarf in Angelmodde.

Plötzlich bekommt jedoch ein Vorschlag, der bisher eher unter ferner liefen rangierte, neuen Aufwind. Der Schützenverein Hubertus Angelmodde hatte in einer Anregung nach §24 der Gemeindeordnung darum gebeten, die Containeranlage an der Heidestraße als Vereinsheim benutzen zu dürfen. „Wir haben 350 Mitglieder“, sagt Hubert Meyer von den Hubertus-Schützen. „Wir würden alle Reparaturen selber machen und hätten jede Woche Aktivitäten in dem Gebäude.“

„Das Kind ist in den Brunnen gefallen“

Meyer betont: „Kinder gehen vor“ – wenn die Container an der Heidestraße doch noch als Kita genutzt werden dürfte, würden sie ihren Antrag zurückziehen. Aber die Container abbauen? „Wir reden da von unserem Steuergeld!“

Unterstützung gibt es von der CDU Angelmodde: „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, so der Fraktionsvorsitzenden in der Bezirksvertretung Südost, Franz-Josef Ruwe. Jetzt gelte es den Schaden zu begrenzen. Der Vorschlag der Hubertus-Schützen komme da sehr gelegen. „Die Stadt Münster würde mit einem blauen Auge davon kommen.“ Sie könnte die Containeranlage dem Verein mietzinsfrei überlassen. Vorbild wäre das Gallitzin-Haus in Angelmodde-Dorf.

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