Neu aufgestellte Container können nicht genutzt werden
Kita Heidestraße: Wie konnte es dazu kommen?

Münster-Angelmodde -

Eine Kita, die nicht eröffnet werden darf – und das ausgerechnet in einem Stadtbezirk von Münster, in dem besonders viele Betreuungsplätze fehlen. Die ungenutzten Container an der Heidestraße sind längst zum Aufregerthema geworden.

Freitag, 29.03.2019, 08:00 Uhr
Die Container der Flüchtlingsunterkunft Brandhoveweg wurden von der Stadt Münster gekauft. Nachdem alle Flüchtlinge eine neue Bleibe gefunden hatten, wurden die Anlage im Sommer 2018 abgebaut. Eine Hälfte der Container wurde an den Standort Heidestraße verlagert und zu einer Kita umgebaut.
Die Container der Flüchtlingsunterkunft Brandhoveweg wurden von der Stadt Münster gekauft. Nachdem alle Flüchtlinge eine neue Bleibe gefunden hatten, wurde die Anlage im Sommer 2018 abgebaut. Eine Hälfte der Container wurde an den Standort Heidestraße verlagert und zu einer Kita umgebaut. Foto: mlü

In einem Schreiben an die Fraktionsspitzen im Rat der Stadt Münster erläutert die Stadtverwaltung nun, wie es überhaupt so weit kommen konnte: Wie berichtet, war der geplanten Interims-Kita die Nähe zum Betriebsgelände der Westfalen AG zum Verhängnis geworden. Ausschlaggebend ist der fehlende Abstand zu einer Tankwagen-Befüllstation. Obwohl die Container bereits standen, war die Kita deswegen nicht genehmigungsfähig. Doch das hatte offenbar niemand kommen sehen.

„Sowohl in der Vorprüfung als auch in der Prüfung zum Bauantrag erfolgte verwaltungsintern eine positive Einschätzung für den Bau der Kita am Standort Heidestraße“, heißt es entsprechend in einem Schreiben des Amtes für Immobilienmanagements. Auch der Rat der Stadt Münster und die Bezirksvertretung Südost hatten sich für die Kita Heidestraße ausgesprochen. Der Konsens lautete: Die Container-Anlage sei zwar teuer, aber notwendig. Am Standort gab es zu keinem Zeitpunkt Kritik.

Probleme erst später entdeckt

Auf die falsche Fährte geführt hat die Verwaltung offenbar ein Gebäude der Zeugen Jehovas. Die Religionsgemeinschaft hat vor vielen Jahren einen Versammlungsraum, ihren so genannten „Königssaal“, in der Nachbarschaft errichtet. „Vor diesem Hintergrund war von einer grundsätzlichen Genehmigungsfähigkeit unseres Vorhabens auszugehen“, argumentiert Stadtrat Matthias Peck in seinem Schreiben an die Parteispitzen.

Erst im Genehmigungsverfahren seien die Probleme offenbar geworden. Daraufhin wurde im vergangenen September ein Baustopp verhängt und ein externes Gutachten beauftragt. Ergebnis: Ein angemessener Sicherheitsabstand für eine Kita zur Gasabfüllstation wären rund 200 Meter. Die Container stehen aber lediglich 100 Meter von der Abfüllstation entfernt.

Peck äußert sich auch zur Zukunft der Pavillionanlage: „Andere Nutzungen, die nicht zu den schutzbedürftigen Nutzungen im Sinne des Störfallrechtes zählen, sind voraussichtlich genehmigungsfähig.“ Ein neuer Vorschlag lautet daher, die Container verwaltungsintern als Bürofläche und Lagerräume zwischenzunutzen, bis die Westfalen AG ihren Betriebsstandort in wenigen Jahren nach Gelmer verlagert.

180. 000 Euro wurden investiert

Die neue Kita Heidestraße sollte alles in allem rund 300.000 Euro kosten. Als sich jedoch im vergangenen September abzeichnete, dass es Probleme mit der Betriebsgenehmigung geben könnte, wurden die Bauarbeiten eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt Münster bereits 180.000 Euro investiert. Davon wurden, laut einer schriftlichen Stellungnahme der Verwaltung, 80.000 Euro für den Umbau als Kindertageseinrichtung und Sanierungsmaßnahmen ausgegeben.

Anders als die Kosten für den Ab- und Aufbau der Container, den Transport, die Erschließung des Grundstückes sowie die Errichtung der Fundamente würden diese Umbauten auch einem neuen Standort zugute kommen – wären also nicht verschwendet.

Die Zeit läuft: Solange die stadteigene Pavillonanlage an der Heidestraße nicht an einen Kita-Träger vermietet werden kann, entgehen dem Stadtsäckel jährliche Mieteinnahmen in Höhe von mindestens 23.700 Euro.

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