Kirchenhistoriker Hubert Wolf zu Gast beim ökumenischen Arbeitskreis
„Ohne Reform keine katholische Kirche“

Münster-Wolbeck -

Über Traditionen in der katholischen Kirche sprach am Dienstagabend im Pfarrheim von St. Bernhard der Kirchenhistoriker Hubert Wolf. Der Saal war voll, als Dirk Wilke als Vertreter des einladenden Arbeitskreises Ökumene Münster-Südost den Professor für mittlere und neuere Kirchengeschichte begrüßte.

Mittwoch, 09.10.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 10.10.2019, 17:40 Uhr
Dirk Wilke begrüßte für den Arbeitskreis Ökumene Münster-Südost Prof. Dr. Hubert Wolf im Pfarrheim St. Bernhard.
Dirk Wilke begrüßte für den Arbeitskreis Ökumene Münster-Südost Prof. Dr. Hubert Wolf im Pfarrheim St. Bernhard. Foto: anh

Mit einem Rückgriff auf vergessene Traditionen andere Wege in die Zukunft zu bahnen – so ließe sich Wolfs Anliegen beschreiben. Und dass der christliche Glaube noch Gutes bringen und eine Aufgabe habe, diese Auffassung unterstrich Wolf , der selbst Priester seit 1985 ist, nachdrücklich.

Reform, wörtlich genommen, greife auf früher Vorhandenes zurück, und „dann hat der Historiker etwas zu sagen“. Und Tradition sei ein gutes Argument gegenüber änderungsskeptischen „Traditionalisten“.

„Wir müssen die gesamte Tradition auf den Tisch legen – und die Schrift natürlich“, fordert Wolf. Die Geschichte sei „ein theologischer Erkenntnisort“. In Frage stellen solle man jene Strukturen, die der Verkündigung im Wege stünden. „Strukturen, die den Blick auf Christus verhindern, stehen auf dem Prüfstand.“ Nur Evangelisierung zu forcieren greife zu kurz. So rückten Themen auf die Tagesordnung wie die Rolle der Frau und der Laien sowie des Pflichtzölibats. Reform sei das Strukturprinzip der katholischen Kirche ; sie sei ohne Reform eine Sekte.

So wechselten päpstliche Bewertungen. Was einmal „pestilentium error“ war, war einem späteren Papst „immer schon Aufgabe“. Gab es einmal eine Art gemeinsame Beratung von Papst und Kardinäle, galt später wieder und bis heute die vereinzelnde Privataudienz.

Unterschiedliche Praktiken in verschiedenartigen Regionen des Katholizismus zu praktizieren, sei nicht unbedingt eine Gefahr für die Einheit der Kirche – dagegen spräche die Erfahrung mit solchen Unterschieden beim Sakrament der Buße. Die Anerkennung eines Diakon Phoebe ist nur ein Hinweis auf eine andere Rolle von Frauen. Laien seien sich ihrer Bedeutung zu wenig bewusst, so Wolf, dabei laufe „ohne sie nichts“.

Dem lebhaften Vortrag folgten viele Fragen. Ob die Kirche reformfähig sei, beim letzten Abendmahl wirklich nur Männer anwesend waren, und: „Warum passiert denn da nichts?“ Oder anders gesagt: Wie sei der Wandel in der Kirche überhaupt und ganz praktisch zu schaffen?

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6989745?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F134%2F
Rund 75 Autos brennen im Parkhaus
Großbrand am FMO: Rund 75 Autos brennen im Parkhaus
Nachrichten-Ticker