Infizierte Großfamilie in der Waldsiedlung
Angelmodder fühlt sich stigmatisiert: „Mein Problem ist der Nachname“

Münster-Angelmodde -

Eigentlich ein ganz normaler Vorgang: Jemand verkauft sein Auto und will es in der Kfz-Zulassungsstelle ummelden lassen. Doch in Zeiten von Corona ist eben nichts normal: Ramon K. und sein Vater hatten online einen Termin verabredet und im Warteraum eine Nummer gezogen. Doch dann tauchte aus heiterem Himmel das Ordnungsamt auf.

Freitag, 05.06.2020, 16:42 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 19:14 Uhr
Die Kfz-Zulassungsstelle in Münster: Ramon K. hatte sich einen Termin für eine Auto-Ummeldung geben lassen, wurde dann aber abgewiesen, weil in seinem Umfeld zahlreiche Familienmitglieder unter Corona-Quarantäne stehen.
Die Kfz-Zulassungsstelle in Münster: Ramon K. hatte sich einen Termin für eine Auto-Ummeldung geben lassen, wurde dann aber abgewiesen, weil in seinem Umfeld zahlreiche Familienmitglieder unter Corona-Quarantäne stehen. Foto: Matthias Ahlke

Aus der Ummeldung wurde nichts. Dazu muss man wissen: Ramon K. gehört der Angelmodder Großfamilie an, die Schlagzeilen machte, weil sie sich nicht an die Corona-Regeln gehalten hatte. In der Folge erkrankten viele Familienmitglieder, mehr als 40 Personen mussten in die Quarantäne. Die Stadt Münster sprach von einem regelrechten „Hotspot“ in der Waldsiedlung – mit der besagten Großfamilie im Zentrum des Infektionsherdes.

Der Punkt ist nur: Ramon K. und sein Vater behaupten von sich, nie unter Quarantäne gestanden zu haben. „Mein Onkel ja, aber mein Vater und meine Mutter und ich nicht“, betont der Angelmodder. Er sei im Behandlungszentrum in der Uppenbergschule negativ auf das Virus getestet worden. „Mein Problem ist einzig und alleine der Nachname“, fühlt sich Ramon K. stigmatisiert.

Besondere Schutzmaßnahmen

Sippenhaft? Oder ein Missverständnis? Die Stadt Münster kann auf Nachfrage nicht mehr genau ermitteln, was vorgefallen ist. Sie betont allerdings: „In Einzelfällen, bei denen Daten der Stadt darauf schließen lassen, dass Bürger mit hoher Wahrscheinlichkeit Kontakt zu Covid-Infizierten hatten, werden besondere Schutzmaßnahmen ergriffen, um die Mitarbeiter der Stadt sowie andere Kunden in den Ämtern vor einer Ausbreitung der Infektion zu schützen.“ Und dieser Verdacht scheint bestanden zu haben.

Aus Sicht des Ordnungsamtsleiters Martin Schulze-Werner stellt sich die Sache noch einmal ganz anders dar: Ramon K. habe zum Zeitpunkt des Termins sehr wohl unter Quarantäne gestanden. Mit seinem Besuch der Zulassungsstelle habe er gegen Auflagen verstoßen. Als wäre das nicht schon genug, habe der Angelmodder nicht einmal einen Mundschutz getragen.

Ärger mit der Ummeldung

Ramon K. bleibt bei seiner Schilderung und glaubt an eine Verwechslung. „Ich bin am nächsten Tag wie gewohnt zur Arbeit gegangen. Außerdem wäre ich ja schön blöd, bei der Zulassungsstelle aufzutauchen, wenn ich tatsächlich unter Quarantäne gestanden hätte. Die wissen dort alles über dich, sogar deinen Kreditstatus. Und für den Mundschutz habe ich Zeugen.“

Weil er das Fahrzeug nicht ummelden konnte, habe er einigen Ärger bekommen: Der Käufer drohte mit einer Anzeige. Der Angelmodder beauftragte schließlich einen Zulassungsdienst aus Münster, der mit einer Vollmacht ausgestattet wurde. Auf diese Weise hätten Ramon K. und sein Vater gar nicht persönlich das Amt betreten müssen – Quarantäne hin oder her. Doch auch der Zulassungsdienst beißt sich zunächst die Zähne aus.

Erst über einen Umweg sei die ersehnte Ummeldung gelungen. Der Spuk dürfte seit dieser Woche allerdings so oder so vorbei sein: Die Quarantäne für die Großfamilie endet in diesen Tagen.

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