„Bevölkerungszuwachs steht nicht im Verhältnis zur Infrastruktur“
Grüne unterstützen Protest gegen Baugebiet

Münster-Angelmodde -

Die Grünen unterstützen die Anwohner der Homannstraße

Montag, 27.07.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 27.07.2020, 18:04 Uhr
Wollen das Baugebiet verhindern (v.l.): Reiner Borchert und Anja Tepe (Grüne Südost), Karsten Timmermann, Gisela Maniera (Homannstraße) und dazwischen die beiden Stuten Penny und Destiny.
Wollen das Baugebiet verhindern (v.l.): Reiner Borchert und Anja Tepe (Grüne Südost), Karsten Timmermann, Gisela Maniera (Homannstraße) und dazwischen die beiden Stuten Penny und Destiny. Foto: Maniera

Erst neulich gab es Aufregung an der Homannstraße wegen entlaufener Kühe, die im weiten Umkreis wieder eingesammelt werden mussten (unsere Zeitung berichtete). Das war schnell erledigt. „Was die Anwohnerinnen und Anwohner mehr beunruhigt, ist die Aussicht, dass die Wiesen, Weiden und Gehölze an der Homannstraße in nicht allzu ferner Zukunft verschwinden könnten, denn sie sind im aktuellen Baulandprogramm der Stadt Münster in der „Stufe 2“ aufgeführt“, erklärt der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksvertretung (BV) Südost, Reiner Borchert . Das bedeute, dass die Stadt sich bemühe, die Flächen zu erwerben, um sie in Bauland zu überführen.

„Niemand bestreitet, dass die aktuelle Wohnungsnot in Münster durch die Erschließung neuer Baugebiete gemildert werden muss“, so Borchert weiter. Gerade im Südosten gebe es dafür aber auch bereits zahlreiche Beispiele: die ehemalige York-Kaserne in Gremmendorf, das Westfalen-Gelände und der Bereich südlich der Hiltruper Straße in Angelmodde, einige Neubaugebiete in Wolbeck, und, nicht zu vergessen, das große Gebiet nördlich des Osttors in Hiltrup-Ost. „All diese Gebiete bedeuten den Zuzug von grob geschätzt mehr als 10 000 Menschen“, so Borchert. Wogegen sich die Grünen wendeten, sei die geplante Erschließung zusätzlicher kleiner Baugebiete auf Kosten der Landschaft.

„Insgesamt steht der Bevölkerungszuwachs im Südosten in keinem Verhältnis zur vorhandenen Infrastruktur, welche schon jetzt stark belastet ist“, so Reiner Borchert weiter. Daher unterstütze die Grünen-Fraktion in der BV Südost den Protest von Anwohnern der Homannstraße. „Es fehlt an Kitas und Schulen, auch die Verkehrswege werden der Zunahme nicht gewachsen sein“, ergänzt Anwohnerin Gisela Maniera, die Organisatorin des Hasilaus-Garagenflohmarkts.

Was die Grünen aber besonders auf die „Palme“ bringe, sei, dass hier an der freien Landschaft und an den Grüngürteln geknabbert werden solle, wie es aktuell schon bei anderen kleinen Baugebieten (Frankenweg und Sandbach) geschehe, sagt Anja Tepe, Landschaftsökologin und BV-Mitglied. Sie meint: „Wieder wird Landschaft ohne Not für eine kleine Zahl an Wohnungen geopfert. Die Magerwiese und die Wallhecke haben große Bedeutung für den Biotopverbund am Rand der Werseaue. Sie werden unwiederbringlich verschwinden.“ Karsten Timmermann sieht noch einen weiteren Aspekt: „Der Grüngürtel, zu dem die Fläche gehört, erfüllt eine wichtige Funktion für das Stadtklima, indem er die Aufheizung der Stadt in Hitzeperioden mindert.“ Zudem sei die Fläche im Landschaftsplan Werse als erhaltenswerter Landschaftsbestandteil aufgeführt.

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