Die Eckpunkte der Bahnstrecken-Planung
Das bedeutet die WLE für Wolbeck und Angelmodde

Münster-Südost -

Nach vielen Jahren Vorarbeit nimmt die Reaktivierung der alten WLE-Strecke konkrete Formen an: Das Planfeststellungsverfahren hat begonnen. Ende 2021 soll das Baurecht vorliegen, dann können die ersten Bagger anrücken. Die Kosten werden rund 40,5 Millionen Euro betragen.

Freitag, 04.09.2020, 15:54 Uhr
Der Bahnübergang und Haltepunkt Hiltruper Straße.
Der Bahnübergang und Haltepunkt Hiltruper Straße. Foto: mlü

Die neue Bahnverbindung zwischen Sendenhorst und Münster könnte helfen, den Albersloher Weg zu entlasten. Davon würden auch die Stadtteile Angelmodde, Wolbeck und Gremmendorf profitieren. Die Nachteile liegen ebenfalls auf der Hand: Mehr Lärm entlang der WLE-Strecke, längere Wartezeiten an den Bahnübergängen. Mit der Offenlegung der Planungsunterlagen liegen die Karten auf dem Tisch: Unsere Zeitung stellt die wichtigsten Eckpunkte vor.

Wo steht das Projekt? Die Stadträte von Sendenhorst und Münster unterstützen das Projekt, der Landtages sichert einen Großteil der Finanzierung. Die Bezirksregierung Münster hat das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Einwendungen können bis zum 7. Oktober gemacht werden.

Keine Dieselloks: Derzeit verkehrt maximal ein Güterzug pro Tag auf dem Streckenabschnitt, der Personennahverkehr auf der Strecke wurde bereits 1975 eingestellt. Die Gleise sollen nun für Geschwindigkeiten von 60 bis 100 Stundenkilometern ertüchtigt werden. Für die neuen Passagierzüge ist eine alternative Antriebstechnik geplant: „Auf der Strecke sollen keine dieselbetriebenen Fahrzeuge verkehren“, heißt es in den Planungsunterlagen klipp und klar. Geplant ist wochentags ein 20-Minuten-Takt von Münster nach Wolbeck und mindestens ein 40-Minuten-Takt nach Sendenhorst.

Der Busverkehr:Die Stadtbuslinien 6, 18 und 22 bleiben bestehen. Die Buslinie 8 soll ebenfalls bestehen bleiben, könnte aber neu konzipiert werden. Denkbar wäre folgendes Szenario: Nach der Reaktivierung fährt die Buslinie 8 zunächst einmal pro Stunde zwischen Wolbeck nach Gremmendorf. „Diese Taktung könnte nach weiteren Untersuchungen auf einen 20-Minuten-Takt erhöht werden“, heißt es in den Planungsunterlagen. Zwischen Gremmendorf und Münster soll es ohnehin bei 20 Minuten bleiben. Grundsätzlich gilt, dass die Stadt Münster bei den Bussen das letzte Wort hat.

Parkplätze und Fahrradabstellanlagen sind nicht Teil der aktuellen Planung. Dafür sind die Städte Sendenhorst und Münster selbst verantwortlich.

Haltepunktesind der Bahnhof Sendenhorst, die Siedlung Kohkamp in Albersloh, ein neuer Bahnsteig zwischen dem alten Bahnhof Wolbeck und der Hiltruper Straße, ein Bahnsteig in Nachbarschaft zum Feuerwehrgerätehaus in Angelmodde-Dorf sowie Stopps in Gremmendorf, die Loddenheide, die Halle Münsterland und der Hauptbahnhof Münster.

Alle Bahnübergangewerden an die erhöhte Zuggeschwindigkeit angepasst. Das bedeutet im Normalfall: Lichtzeichen und Halbschranken.

Schallschutz:Die Westfälische Landes-Eisenbahn setzt überwiegend auf eine Schienenstegabschirmung. Ein Beispiel ist der Streckenabschnitt am Wolbecker Gymnasium. Einige Anwohnern haben Anspruch auf „passiven Schallschutz dem Grunde nach“. Das heißt: Die betreffenden Gebäude werden von einem Schallschutzgutachter vor Ort begutachtet und ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen. Die Kosten zahlt die WLE.

Das sagen die Parteien:

Kaum ein Thema beschäftigt den Südosten Münsters seit Jahren so sehr, wie die geplante Reaktivierung der WLE. Hier die Positionen der in der BV vertretenen Parteien dazu.

  • „Die
  • CDU
  • findet die WLE sehr gut“, erklärt Peter Bensmann. Der BV-Kandidat hat sich bereit erklärt, nach dem 13. September bei entsprechenden Mehrheiten als Bezirksbürgermeister zur Verfügung zu stehen. Die Antriebstechnik der Loks müsse auf Elektro- oder Wasserstoffbasis beruhen, fügt er hinzu. Und: „Wichtig sind kurze Haltezeiten an Bahnübergängen und genug Platz in den Waggons für Fahrräder.“ Schließlich führe die Strecke über weite Teile an einer Veloroute entlang.
  • „Wir müssen den ÖPNV stärken“, erklärt die Fraktionsvorsitzende der
  • SPD
  • in der BV Südost, Sabine Metzler. Auch sie stünde im Fall des Falles für das Amt als Bezirksbürgermeisterin bereit. Sie spricht die geplanten Wohngebiete, aber auch die Pendlerströme an: Um dem gewaltigen Verkehrsaufkommen zu begegnen, müsse man auch die Schiene nutzen. „Ich selbst blicke auf den Albersloher Weg und kann bei offenem Fenster nicht fernsehen“, erklärt sie und kritisiert neben Emissionen auch den Lärm durch den Autoverkehr.
  • Dirk Wimmer, BV- und Ratskandidat der
  • Grünen
  • sagt „ein klares Ja“ zur Reaktivierung der WLE. „Der ÖPNV in Wolbeck braucht die Ergänzung durch die Bahn, bekräftigt er. Und: „Wichtig ist ein emissionsfreier Antrieb und ein guter Lärmschutz für die Anwohner.“ Außerdem müsse die Buslinie 8 mit direkter Innenstadtverbindung bleiben.
  • Auch die
  • Piraten
  • sind klar positioniert: Unter Umweltaspekten sei es nötig, möglichst viel Verkehr auf die Schiene zu bringen, sagt BV- und Ratskandidatin Birgit Hemecker. „Außerdem wird der Verkehr auf dem Albersloher Weg sonst künftig zusammenbrechen.“ Ein Lärmproblem sieht sie bei der WLE nicht: „Die neuen Bahnen sind oft so leise, dass es schon gefährlich ist, da man sie kaum herannahen hört.“
  • Der einzige politische Gegner der WLE ist die
  • FDP.
  • „Die Kosten für Bahnhöfe etc. trägt nicht die WLE, sondern die Stadt Münster“, argumentiert BV-Mitglied Willi Schriek. Und diese seien immens. Außerdem befürchtet er gewaltige Verkehrsknotenpunkte, wenn sich Bahn- und Bussteige zu Schulweg- und Einkaufsverkehr gesellen. Genau dies befürchtet er etwa für den WLE-Bahnhof Wolbeck.
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