Verbraucherberatung bestätigt Bürgerkritik an gestiegenen Fernwärme-Kosten
Erhöhung ist „nicht nachvollziehbar“

Münster-Angelmodde -

Die Energiepreise sollen im kommenden Jahr deutlich ansteigen. Eine Angelmodder Bürgerin will sich damit nicht zufrieden geben. Die Verbraucherzentrale stimmt ihr in mehreren Punkten zu.

Donnerstag, 03.12.2020, 17:48 Uhr
Viele Münsteraner erhalten Fernwärme von den Stadtwerken. Hier ein Blick in die Gas- und Dampfturbinen-Anlage des Kraftwerks am Hafen beim Einbau eines neuen Generators.
Viele Münsteraner erhalten Fernwärme von den Stadtwerken. Hier ein Blick in die Gas- und Dampfturbinen-Anlage des Kraftwerks am Hafen beim Einbau eines neuen Generators. Foto: Stadtwerke Münster

Die Angelmodderin ist sauer: Seit vielen Jahren bezieht sie Fernwärme von den münsterischen Stadtwerke. Vom kommenden Juli an soll sie dafür mit ihrem durchschnittlichen Haushalt 14,60 Euro pro Monat mehr bezahlen. „Das sind gut 175 Euro im Jahr“, entrüstet sich die Seniorin. Genau wie viele ihrer Nachbarn will sie sich mit der Kostensteigerung nicht abfinden. Der Anstieg sei enorm und nicht zu verstehen, findet die Bewohner der Waldsiedlung. Während die Stadtwerke ihre Position verteidigen, bekommen die Angelmodder Bürger Rückendeckung von der Verbraucherzentrale NRW. Die Preiserhöhung sei nicht nachvollziehbar, heißt es aus Düsseldorf.

Zu den Hintergründen: Die Angelmodder und die anderen münsterischen Fernwärmekunden erhalten ihre Energie für Heizung und Warmwasser vom Heizkraftwerk am Hafen. Umweltfreundlich, so werben die Stadtwerke, würden dort in Kraft-Wärme-Kopplung Fernwärme und Strom erzeugt. Nun haben die Stadtwerke ihren Fernwärmekunden zum 30. Juni 2021 die Verträge gekündigt. Als Ersatz bieten sie neue Verträge mit gestiegenen Preisen an.

Für die betroffene Angelmodderin keine Option, erklärt sie. Zudem seien die Stadtwerke als Fernwärmelieferant in einer Monopolstellung, die sie nicht ausnutzen dürften. Es sei für sie als Kundin kaum möglich, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Ihre Beschwerden würden im Sande verlaufen.

Was sagen die Stadtwerke zu den Vorwürfen? Die Gründe für die Preissteigerung seien mehrschichtig, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Zunächst verweist sie darauf, dass die künftig anfallende CO₂-Abgabe für alle fossile Energieträger gelte. Das heißt, nicht nur Fernwärme, sondern auch Erdgas und Öl würden entsprechend teurer.

Ferner werden als Gründe für die Preissteigerung „überproportional gestiegene Kosten für Netzinstandhaltung und Wärmeerzeugung“ genannt.

Mit diesen Erklärungen will sich die Verbraucherzentrale NRW nicht zufrieden geben: Aus ihrer Sicht lasse sich „nicht transparent nachvollziehen, warum die Preise so deutlich steigen“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Die Begründung, dass die Kosten für die Netzinstandhaltung und den Ausbau der Wärmeerzeugung stark gestiegen seien, wollen die Verbraucherschützer nicht gelten lassen. Es sei nicht transparent, was denn eigentlich genau ausgebaut würde, moniert die Verbraucherberatung. Zudem sollten einem „Ausbau“ eigentlich neue Kunden gegenüberstehen, die diese Kosten überwiegend tragen, heißt es weiter.

Auch zum Thema Monopolstellung nimmt die Beraterin Stellung: „Es ist richtig, dass Verbraucher ihrem Fernwärmeanbieter ausgeliefert sind, denn ein Anbieterwechsel wie bei Strom oder Gas ist nicht möglich“, heißt es aus Düsseldorf. Der Umstieg auf ein anderes Heizungssystem sei mit erheblichen Investitionskosten verbunden und zum Teil gar nicht machbar.

Ärgerlich für die Kunden sei, dass vor allem der Grundpreis teurer werde, so die Verbraucherberatung. Der Grundpreis fällt nämlich unabhängig vom Verbrauch an. Auch sparsame Heizer können da wenig machen.

Die Stadtwerke erhöhen nicht nur die Preise für Fernwärme. Auch Erdgas wird teurer. Als Gründe dafür werden ebenfalls die CO₂-Abgabe sowie „gestiegene Kosten für die Netznutzung“ angegeben. Ein durchschnittliche Haushalt muss für Erdgas künftig rund 90 Euro mehr pro Jahr berappen. Auch die Strompreise sollen im kommenden Jahr ansteigen. Bei Fragen stehen Experten der Stadtwerke im Servicezentrum am Hafenplatz unter   0251/ 694-1234 zur Verfügung, teilt eine Sprecherin der Institution mit.

In Einzelfällen rät die Verbraucherzentrale dazu, sich an die Energiekartellbehörde in NRW zu wenden. Diese führe auch Preisprüfungen bei Fernwärme durch. Email-Adresse: info@landeskartellbehoerde-energiebereich.nrw.de

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