Pfarrer Alfons Dinkelborg feiert seinen 90. Geburtstag
„Ich hatte viele Freunde und Beschützer“

Münster-Angelmodde -

Alfons Dinkelborg kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Der heute 90-Jährige wurde in den Niederlanden geboren und sollte nach dem Krieg ausgewiesen werden.

Freitag, 08.01.2021, 18:21 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 18:35 Uhr
Pfarrer Alfons Dinkelborg bei seinem Diamantenen Priesterjubiläum: Am heutigen Samstag wird er 90 Jahre alt.
Pfarrer Alfons Dinkelborg bei seinem Diamantenen Priesterjubiläum: Am heutigen Samstag wird er 90 Jahre alt. Foto: Kretzschmar

Alfons Dinkelborg feiert an diesem Wochenende seinen 90. Geburtstag. Er wurde am 9. Januar 1931 in den Niederlanden geboren. Nach Kriegsende plante die niederländische Regierung die Ausweisung aller Bürger deutscher Abstammung. Dinkelborg erinnert sich: „Unsere Familie wurde auseinandergerissen.“

Er aber konnte noch unter schwierigen Umständen sein Abitur in den Niederlanden machen und in Münster Philosophie studieren und Pfarrer werden. „Ich bin da gut herausgekommen, konnte meinen eigenen Lebensweg gehen und letztlich sogar studieren. Ich hatte damals viele Freunde und Beschützer“, sagt er heute dankbar.

Schon früh hatte Pfarrer Dinkelborg mit Herzproblemen zu kämpfen. „Ich kann es gar nicht fassen, dass ich so alt geworden bin. Und es geht mir gut!“ Heute lebt er im Kardinal-von-Galen-Stift in Angelmodde, seiner alten Wirkungsstätte. „20 Jahre lang habe ich dort die Gottesdienste gefeiert.“

Bereits mit 26 Jahren wurde Alfons Dinkelborg am 16. März 1957 zum Priester geweiht. Anschließend war er Kaplan in Kamp-Lintfort und Moers. Von 1968 an war er Pfarrer in Selm. „Das war damals eine beinahe verrufene Gemeinde. Ich wurde manchmal gefragt, was ich eigentlich verbrochen hätte, dass man mich dorthin geschickt hat“, schmunzelt Dinkelborg. Die Stilllegung der Zeche im Jahre 1926 hatte für die Gemeinde Selm katastrophale Auswirkungen. Von 1934 bis 1956 war Selm Notstandsgemeinde.

Wegen seiner gesundheitlichen Probleme übernahm er 1988 die kleinere Gemeine in St. Andreas in St. Andreas in Haltern-Hullern. Aus den gleichen Gründen kam er schließlich 1997 gemeinsam mit seiner Haushälterin Maria Wollny als Seelsorger nach Angelmodde.

„Es stand damals nicht gut um ihn“, erinnert sich sein Kollege Pfarrer Klaus Wirth. Die beiden Geistlichen verbindet eine lange Freundschaft. Zu seinem Diamantenen Priesterjubiläum würdigte Wirth ihn mit den Worten: Dinkelborg sei ein Mensch, der nicht aufgebe, der das tue, „was notwendig ist, um für andere da zu sein“.

Seine Jugendjahre in den Niederlanden beschäftigen Pfarrer Dinkelborg bis heute. „Die Deutschen hatten einen schrecklichen Krieg angefangen und viel kaputt gemacht, aber büßen mussten die unschuldigen Deutschen in den Niederlanden“, kritisiert er die Vertreibung seiner Familie, die als „Operation Black Tulip“ in die Geschichte eingegangen ist. „Aber so ist das im Leben: Man muss dessen ungeachtet seinen Weg suchen und ihn auch gehen. Und das ist mir gelungen.“

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