Coerde
Reden statt zoffen

Dienstag, 12.02.2008, 19:02 Uhr

Münster-Coerde. Noch ist es ein Versuch, aber unter den besten Voraussetzungen: Die Streitschlichter der Melanchthonschule sind nun offiziell in ihr Amt eingeführt und ziehen ihre Runden über den Schulhof. Die zwölf Schülerinnen und Schüler sind hoch motiviert, stolz auf die Dienstkleidung, einen signalfarbenen Überwurf, und sich auch der Verantwortung voll bewusst.

Während des letzten halben Jahres wurden die Kinder neben der Schulzeit zu Streitschlichtern ausgebildet. Dabei stellt die Melanchthonschule zwar keinen Krisenschwerpunkt dar. „Überall, wo eine Gruppe Kinder aufeinandertrifft, gibt es aber Streit, und Streitschlichter können den Parteien helfen, wieder normal miteinander zu reden“, erklärt Heidi Mertens , die als gelernte Streitschlichterin schon in einigen Schulen das Projekt eingeführt hat. Doch die Melanchthonschule übernimmt auch eine Vorreiterrolle. „Bisher wurde das Konzept der Streitschlichter nur in weiterführenden Schulen eingerichtet – Erfahrungswerte in Grundschulen gibt es nur wenig“, verriet Christiane Fenger , Konrektorin der Schule, bei der Urkundenübergabe.

Die Ausbildung der jungen Streitschlichter war dabei umfassend: Kommunikation, die Grundregeln des fairen Streiten und natürlich die Hauptdevise: Niemals Gewalt anwenden! „Wenn sich Schüler wirklich ernsthaft schlagen, erwarten wir von den Streitschlichtern natürlich nicht, dass sie dazwischen gehen“, betonte die Konrektorin. Das sei dann doch Aufgabe der Lehrer.

Auch Eltern und Lehrer übernehmen einen wichtigen Teil der Streitschlichtertätigkeit. „Sowohl die Eltern als auch die Lehrer müssen hinten den Schülern stehen, sonst kann es nicht funktionieren“, so Fenger, die gemeinsam mit Hildegard Rickert und Maike Maass das Team der jungen Konfliktprofis leitet.

Dabei sollen die Schüler, die auf dem Pausenhof Zoff haben, von sich aus auf die Streitschlichter zukommen. „Die Kinder ziehen ihre Runden auf dem Schulhof und bieten bei kritischen Situationen ihre Hilfe an“, so Mertens. Wenn ein Streit nicht an Ort und Stelle geregelt wird, können sich die „Mentoren“ auch in einen Raum zurückziehen. Dort findet eine Aussprache unter festen Regeln statt.

Diese Regeln zeigten die Kinder auch an dem Nachmittag, an dem sie offiziell ihre Urkunde als Streitschlichter und ihre „Dienstkleidung“ erhielten. „Ruhig bleiben, immer wieder nachfragen und gesagte Sätze wiederholen, um sicher zu sein, dass alles stimmt, und Gewalt vermeiden“, lauten die Devisen.

„Wir werden sehen, wie sich das Projekt entwickelt, aber sind sehr zuversichtlich“, so die Konrektorin. Ein Grund sei, dass der Streitschlichterposten nie lange unbesetzt sei. „Wir hoffen, dass die Kinder eine Vorbildfunktion haben und andere für den Job begeistern können.“

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