Coerde
Wasserstandsmeldung vom Acker

Dienstag, 14.04.2009, 18:04 Uhr

Münster-Nord - Circa 2000 Bohrungen haben sie bis zum Herbst vor der Brust: Diplom-Ingenieur Paul Berning und seine Mitarbeiter Markus Eckrodt und Henrick Niehoff, beide Studenten der Landschaftsökologie, erstellen eine offizielle flächenhafte Kartierung der Wasserstände im Wassergewinnungsgebiet Münster im Maßstab 1:5000. In Münsters Norden haben sie gestern auf einer Fläche von Georg Schulze Dieckhoff mit ihrer Arbeit begonnen.

Die Bezirksstelle für Agrarstruktur der Landwirtschaftskammer habe die Bodenkartierung beim Geologischen Dienst in Krefeld, einem Landesbetrieb, in Auftrag gegeben, erläuterte der Ortslandwirt.

Diese Untersuchungen dienen einer allgemeinen Bestandsaufnahme des Bodens und des Untergrundes. Festgehalten würden Bodentyp und Bodenart sowie die Tiefen, in denen sich Grundwasser und Stauwasser finden, erläuterte Paul Berning.

Den Landwirten - insbesondere in Wassergewinnungsgebieten - ist es wichtig, Aufschlüsse über die natürlichen Grundwasserstände ihres Bodens zu erhalten, nicht zuletzt „als Beweissicherung bei Wasserstandsänderungen durch Wasserwerke oder Baumaßnahmen“, nennt Georg Schulze Dieckhoff Beispiele.

Das Untersuchungsgebiet umfasst 1400 Hektar, auf denen im Schnitt alle 75 Meter Handbohrungen vorgenommen werden: Erfasst werden Wasserstand und Bodenart sowie -typ bis in zwei Meter Tiefe. Ein Wasserstand bis zu 1,50 Meter unter der Oberfläche sei für die Pflanzen in Ordnung, finde es sich dagegen erst in zwei Metern Tiefe, komme ein Landwirt ohne künstliche Bewässerung nicht aus, so Berning.

Nun liefert die Untersuchung nicht nur Infos über den Status Quo, sondern dokumentiert anhand der Bodenproben auch, wie der Wasserstand des Bodens vor 30 bis 40 Jahren war - die Untersuchung erzählt Geschichte.

Gebohrt wird ausschließlich auf landwirtschaftlichen Flächen. Wälder und bebaute Gebiete sind ausgenommen. So ist es auch zu erklären, dass der tatsächliche Untersuchungsraum bei 1400 Hektar liegt - und nicht bei 2400 Hektar. So groß ist das Verfahrensgebiet Münster-Nord/Süd, das im Süden kurz hinterm Schloss beginnt und im Norden in Sprakel endet. Das gesamte bebaute Stadtgebiet fällt aus der Untersuchung heraus, ebenso wie übrigens die kompletten Rieselfelder mit ihren diversen Stauflächen, deren Wasserstände variabel geregelt werden können.

Paul Berning arbeitet auf einer sogenannten Grundkarte. „Da stehen keine Namen drauf“, betont er. Wenn er unterwegs ist mit seinem Wagen mit dem Krefelder Kennzeichen, dem Sitz der Landesbehörde, stellt er sich vor und informiert über seine Arbeit. In der Fensterfront des Wagens liege auch immer eine Information über die Geländearbeiten aus. „Die Landwirte wollen informiert sein, was auf ihrem Boden passiert“, betont Ludger Janning. Auch Berning, der in 39 Jahren auf den Äckern des Landes schon einige drollige Dinge erlebt hat, schätzt das Miteinander.

Das Team des Geologischen Dienstes führt seine Bohrungen übrigens nur mit Muskelkraft durch, elektrische Geräte kommen nicht zum Einsatz.

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