Coerde
Entspannter Blick zurück

Freitag, 23.10.2009, 21:10 Uhr

Münster-Nord - „Herr Heupel , Sie haben recht, aber wir bleiben trotzdem bei unserer Meinung.“ Mit diesem Satz endete eine lange Sachdiskussion bei einem Neujahrsempfang der Bezirksvertretung Nord im Bürgerhaus. Ralf Heupel ( CDU ) wird diesen Satz nie vergessen: „Das nehme ich mit.“ Es war eines der kuriosesten Erlebnisse in seinen zehn Jahren als Bezirksbürgermeister. Jetzt ist Schluss. Schon vor eineinhalb Jahren hat er sich dazu entschieden.

Die Einweihung der B 219, der Norbert-Grundschule und des Papst-Johannes-Stifts fielen in Heupels Zeit, wichtige aktuelle Themen seien die Zentrumserweiterung, die „ Soziale Stadt “ und die Verkehrsentlastung insbesondere von Coer­de. Gelernt habe er viel in dieser Zeit. Zum Beispiel, emotionsgeladene Veranstaltungen zu leiten.

Gelernt habe er auch in puncto Reden. Am Schlimmsten sei es am Anfang gewesen, wenn Bürgermeister Fritz Krüger vor ihm gesprochen habe. „Er hat haargenau dieselbe Herangehensweise an ein Thema wie ich“, erzählt Heupel. Als beispielsweise die Lepraärztin Ruth Pfau am Kinderhauser Leprosorium zu Gast war und Fritz Krüger vor ihm aufs Podium vor der Pfarrkirche gestiegen war, musste Ralf Heupel anschließend passen: „Er hatte alle Stichworte, die ich mir notiert hatte, abgearbeitet“, sagt Heupel und lacht. „Ich konnte nur noch viel Erfolg wünschen.“

Eine vorbereitete Rede könne andererseits schnell am Thema vorbei gehen. Heupel erinnert sich an ein Jubiläum im An­dreas-Kindergarten. „Ich dachte, es wären auch Kinder da, und so war meine Rede auch konzipiert. Aber das stimmte nicht.“

Seither war er mit Zettel und Stichworten unterwegs. Ein Zettel, der sich manchmal auch erst während der Veranstaltung füllte. Etwa bei den Abschlussfeiern von Geschwister-Scholl-Realschule oder Gymnasium. „Meist war ich erst als fünfter oder sechster Redner an der Reihe. Bis dahin hatten Schulleiter und Schülersprecher geredet, dann wusste man, woran man war.“ Das sei eine Veranstaltung der Schule, nicht der Politik, „deshalb sollte man sich zurücknehmen“, unterstreicht Ralf Heupel.

Ausnahmen machten die Reden zu Anlässen wie etwa dem Volkstrauertag oder dem Neujahrsempfang. Darauf habe er sich stets ausführlich vorbereitet.

Der Bezirksbürgermeister leitet als Vorsitzender auch die Sitzung der Bezirksvertretung Nord. Und zwar neutral: Er vergisst, in welcher Partei er ist, bis es zur Anstimmung kommt. „Anfangs war es schwierig für mich, mich nicht einzumischen“, erinnert sich Heupel. Einmal habe er sogar die Sitzungsleitung abgegeben, um in der Reihe der CDU Platz zu nehmen und etwas sagen zu können. Aber: „Es klappte nicht. Es war wie eine Sperre. Das habe ich nie wieder gemacht.“

Er habe sich in dieser Funktion Mühe gegeben, die Informationspolitik sehr transparent zu gestalten. „Alle müssen auf dem gleichen Info-Niveau sein.“ Er habe den Eindruck, dass das Miteinander und Vertrauen in den Jahren zugenommen haben - über die Parteigrenzen hinweg.

Im Übrigen sei der Vorsitzende der Bezirksvertretung nicht Vorsitzender einer Fraktion, deshalb habe er sich relativ selten politisch geäußert: „Das war Sache des Fraktionsvorsitzenden.“

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