Landwirte kämpfen gegen Hitze
Wind und Wasser für die Kühe

Münster-Nord -

Eine Kuh kann nicht schwitzen – in diesen Tagen ist es ihr aber trotzdem mächtig warm. Die Landwirte in Münsters Norden sind deshalb erfinderisch geworden, um es den Tieren so angenehm wie möglich zu machen. Bei der Ernte sieht es allerdings schlecht aus.

Mittwoch, 01.08.2018, 18:56 Uhr

Hermann Merschformann (l.) mit Hund Emma und Georg Schulze Dieckhoff tragen Hitze und Trockenheit mit Fassung.
Hermann Merschformann (l.) mit Hund Emma und Georg Schulze Dieckhoff tragen Hitze und Trockenheit mit Fassung. Foto: Anna Spliethoff

Zufrieden halten die Kühe von Georg Schulze Dieckhoff Nase und Ohren in den kühlen Wind. Im Stall herrscht beinahe ein kleiner Sturm – und den hat Schulze Dieckhoff ganz einfach selbst erzeugt. Ein großer Ventilator sorgt für jede Menge Luftbewegung – und dabei verteilt er gleich noch ein bisschen Wasser zwischen den Kühen.

Der Landwirt aus Münsters Norden ist erfinderisch geworden, um es seinen Kühen auch jetzt im langanhaltenden Hochsommer so angenehm wie möglich zu machen. „Durch den Lüfter und das Wasser kann ich den Stall fünf bis sechs Grad runterkühlen“, sagt Schulze Dieckhoff.

Ein großer Lüfter sorgt im Kuhstall von Georg Schulze Dieckhoff für ein wenig Abkühlung. Der Schlauch davor sorgt dafür, dass Wasser verteilt wird.

Ein großer Lüfter sorgt im Kuhstall von Georg Schulze Dieckhoff für ein wenig Abkühlung. Der Schlauch davor sorgt dafür, dass Wasser verteilt wird. Foto: Anna Spliethoff

Er ist einer von unzähligen Landwirten, die gegen Hitze und Trockenheit kämpfen. An Schulze Diekchoffs Seite ist Hermann Merschformann , vor einigen Jahren haben sich die beiden in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) zusammengeschlossen. Sie betreiben nicht nur Viehzucht, sondern bauen auch Mais und Getreide an. Wegen der enormen Trockenheit gibt es überall viel zu tun.

Tore öffnen, ausmisten und Tränken füllen

„Hitze bedeutet für Kühe Stress“, sagt Georg Schulze Dieckhoff. Die Landwirte tun daher alles, um die Tiere, die zudem nicht schwitzen können, zu schützen. Fenster und Tore sind geöffnet, die Ställe werden gründlich ausgemistet, um für gute Luft zu sorgen. „Auch die Wasserversorgung muss ständig kontrolliert werden“, sagt Merschformann.

Auf beiden Höfen können die Tiere den ganzen Tag aus ihren Stallungen raus auf die Weide. „Aber sie gehen nicht“, sagt Schulze Dieckhoff. Nur zwischen 21 und sechs Uhr sehe man die Kühe mal auf den Wiesen. Tagsüber wird der Stall bevorzugt. Das hat einen einfachen Grund, wie Schulze Dieckhoff sagt: „Kühe fühlen sich bei Temperaturen von unter 20 Grad am wohlsten.“

Futter wird noch nicht knapp

Viele Kühe und andere Nutztiere in Deutschland werden bereits geschlachtet, weil den Landwirten das Futter fehlt. „So weit sind wir zum Glück noch nicht“, sagt Schulze Dieckhoff. Die Reserven seien noch groß genug. „Und die Kühe fressen bei der Wärme zehn bis 15 Prozent weniger“, sagt Hermann Merschformann. In der Folge bedeutet das, dass sie auch etwa zehn bis 15 Prozent weniger Milch geben. Ein Verlust, der noch kompensiert werden kann, wie Schulze Dieckhoff sagt: „Der Milchpreis ist bereits um einen Cent gestiegen.“

Die Kühe haben weniger Hunger – aber umso mehr Durst. „Die Tränken sind ständig umlagert“, beobachtet Merschformann. 120 bis 140 Liter trinkt eine Kuh im Sommer am Tag, in der Summe kommen die beiden Landwirte auf 30 000 Liter Wasser täglich. „Das kommt aus Brunnen und Bohrlöchern“, sagt Merschformann.

Kühe fühlen sich bei Temperaturen von unter 20 Grad am wohlsten. Derzeit nehmen sie deshalb lieber entspannte Haltungen ein.

Kühe fühlen sich bei Temperaturen von unter 20 Grad am wohlsten. Derzeit nehmen sie deshalb lieber entspannte Haltungen ein. Foto: Anna Spliethoff

Während die beiden Landwirte ihr Getreide bereits von den Feldern geholt haben, steht der Mais noch. „Da wird es kritisch“, ist sich Merschformann sicher. Die Landwirte überlegen, den Mais vorzeitig von den Feldern zu holen, wie Merschformann sagt: „Vieles ist schon verbrannt, da wächst nichts mehr. Es kann nur noch mehr kaputtgehen.“

Da erreichen wir höchstens 50 Prozent des normalen Jahresertrags

Hermann Merschformann über die Grasflächen

Da der Mais kaum Kolben trage, sei er als Schweinefutter nicht geeignet. Die gehäckselten Pflanzen können – in Kombination mit Kraftfutter – aber wenigstens an Kühe verfüttert werden. „Davon könnten wir profitieren“, sagt Schulze Dieckhoff. Schlimmer steht es um das Grünland. Das Gras wächst nicht, es vertrocknet. „Da erreichen wir höchstens 50 Prozent des normalen Jahresertrags“, vermutet Merschformann.

So kritisch die Lage für die beiden Landwirte auch ist, sie nehmen es hin. „Wir müssen das Beste daraus machen“, sagt Merschformann. Das Wetter sei für Landwirte eben das größte Berufsrisiko. Das einzige was helfe: „Den Kopf oben halten und Lösungswege suchen. Alles andere ist Unsinn.“

Die Getreideernte

Die Getreideernte haben Georg Schulze Dieckhoff und Hermann Merschformann bereits beendet. Sie sei entspannt verlaufen. „Der Ertrag war nicht gut, aber er war besser als wir erwartet haben“, sagt Merschformann. Nur etwa 30 Kilometer weiter hätten Landwirte nur halb so viel Ertrag. „Um Pfingsten herum hatten wir hier noch Regen“, sagt Merschformann. Und auch danach habe es zumindest ab zu einige kurze Regenschauer gegeben. „Anderswo gab es die nicht. Wir sind also mit einem blauen Auge davongekommen“, so Schulze Dieckhoff.

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