Tag des offenen Denkmals in der Speicherstadt
Steinschleuder und „Hutschachteln“

MÜNSTER-COERDE -

Die Vergangenheit wurde lebendig. Auch Zielschießen gehörte dazu.

Dienstag, 10.09.2019, 05:30 Uhr
Wie eine mittelalterliche Steinschleuder („Blide“) funktioniert, wurde am Denkmaltag in der Coerder Speicherstadt demonstriert.
Wie eine mittelalterliche Steinschleuder („Blide“) funktioniert, wurde am Denkmaltag in der Coerder Speicherstadt demonstriert. Foto: cro

Es war gar nicht so einfach, die Mauer zu treffen: Dabei konnte man das Ziel, das in der Speicherstadt Coerde aufgebaut worden war, sicher nicht übersehen. Aber das Anvisieren mit einer „Blide,“ einem mittelalterlichen Belagerungsgerät, das Steine schleudert, ist kompliziert. Das erklärte auch Andreas Begemann , der das martialische Relikt anlässlich des Tags des offenen Denkmals in der Speicherstadt aufgebaut hatte: „Die damaligen Soldaten mussten sich wirklich einschießen – und das hat oft länger gedauert.“

Doch die Zuschauer, die sich in der Speicherstadt auf den Weg in die Vergangenheit gemacht haben, konnten noch viel mehr entdecken. Schon im Innenhof lud das Bogen-Schießen ebenso zur Teilnahme ein wie eine Station mit Spinnrad oder steinzeitliche Werkzeuge.

„Wir wollen den Besuchern zeigen, was unsere Aufgaben sind“, verrieten Jens Schubert und Nils Wolpert von der Öffentlichkeitsarbeit des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Denn der LWL hatte unter anderem die Türen des Fundarchivs geöffnet. „Wir lagern in langen Regalen die Fundstücke aus verschiedenen Epochen“, so Wolpert bei einer Führung.

180 000 Schachteln

Davon konnten sich die zahlreichen Besucher auch gleich überzeugen – und die Zahlen waren deutlich. „Wir haben 180 000 Schachteln mit Fundstücken eingelagert. Wenn man alle Regalböden aneinander legen würde, käme eine Strecke von 8000 Metern heraus.“

Dann durften die Zuschauer einen Blick in diese „Hutschachteln“ genannten Kartons, werfen. Oft seien es nur Scherben, manchmal auch wieder zusammengesetzte Fundstücke wie Graburnen, so Wolpert. „Das machen wir aber sehr selten und meist nur, wenn wir die Exponate an Museen ausleihen“, betonte er. Auch Schwerter oder Faustkeile durften bestaunt werden.

Blick hinter die Kulissen

Den Gästen gefiel der sonst nicht mögliche Blick hinter die Kulissen. Denn auch die Restaurierungswerkstatt oder die Bücherei waren geöffnet. „Dieses Jahr sind zumindest gefühlt wesentlich mehr Gäste bei uns als im Vorjahr“, verriet Jens Schubert.

In der Zwischenzeit machte Andreas Begemann Pause, denn eine „Blide“ zu spannen ist Schwerstarbeit. Dafür konnten die Besucher gleich einmal live erleben, wie ein Seil hergestellt wird: Fleißig durften die Kinder eine Kurbel drehen, um ein Tau aus mehreren Strängen herzustellen.

Meterware

„Es ist wirklich etwas ganz Besonderes, normalerweise kennt man Seile nur aus dem Baumarkt als Meterware“, so einer der Väter. Wie viel Arbeit in so etwas stecke, das erfahre man normalerweise nicht. „Nur beim Tag des offenen Denkmals.“

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