Der Coerder Jochen Schweitzer erlebte das Ende der DDR hautnah mit
Die Wendezeit lässt ihn nicht los

MÜNSTER-COERDE -

Er hat in beiden Teilen Deutschlands viel erlebt. Und er half dabei, dass die Teilung überwunden wurde.

Dienstag, 12.11.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 05:50 Uhr
Jochen Schweitzer hatte in den letzten Jahren der „alten“ DDR Kontakte zur dortigen Bürgerrechtsbewegung und geriet so auch ins Visier der Stasi. Später leistete er Aufbauhilfe.
Jochen Schweitzer hatte in den letzten Jahren der „alten“ DDR Kontakte zur dortigen Bürgerrechtsbewegung und geriet so auch ins Visier der Stasi. Später leistete er Aufbauhilfe. Foto: jans

Die Stasi hatte „ Albert “ voll im Visier. Unter diesem Decknamen wurde nämlich Jochen Schweitzer (77) bei den Ostberliner Schlapphüten geführt – in Anlehnung an seinen Namensvetter Albert Schweitzer. Anlässlich des Mauerfalls vor 30 Jahren erinnert sich der in Coerde lebende ehemalige Oberschulrat, Hochschul- und Berufsschullehrer sowie Gewerkschafter an die Wendezeit.

Schweitzer hatte als Mitglied der Gewerkschaft GEW enge Kontakte in die DDR. Im Auftrag der GEW sollte er gemeinsam mit Vertretern einer DDR-„Gewerkschaft“ ein Arbeitspapier zur Friedenserziehung in beiden deutschen Staaten erstellen.

Ab 1986 wurde zehn Mal getagt, mal in der DDR, mal in der Bundesrepublik. Die jeweiligen Ergebnisse habe die GEW dann mit Mitgliedern der DDR-Bürgerrechtsbewegung abgestimmt, so Schweitzer. Das rief natürlich die Stasi auf den Plan, erinnert er sich. Ab 1988 traf sich Schweitzer mehrmals mit Vertretern der DDR-Opposition. „Alles fein von der Stasi notiert“, erinnert sich „Albert“. 1989 bekam er Einreiseverbot in die DDR.

Neuer Grenzübergang

Dann kam der 9. November: Als er von der Öffnung der Grenze hörte, flog Schweitzer sofort nach Berlin. Dort wollte er dabei sein, als man am 11. November 1989 die Mauer am Potsdamer Platz und an der Leipziger Straße abriss, um einen neuen Grenzübergang einzurichten. Er beobachtete, wie um 6 Uhr das erste Teilstück aus der Mauer gehoben wurde. 2000 Zuschauer jubelten. Um 8 Uhr wurde der neue Übergang geöffnet und Schweitzer wollte ihn nutzen. Er zückte seinen Pass und „ging zu den Grenzposten, die einen ,Bauchladen´ hatten mit Platz für die Passkontrolle und zum Abstempeln“. Dann schlug die Ost-Bürokratie zu: Weil er einen BRD-Pass hatte, wurde er zurückgeschickt. Der neue Übergang sei nur für „Bürger aus Berlin-West“ nutzbar, hieß es. Schweitzer musste sich in den „weniger großen Strom von Menschen aus Ostberlin, die nach Westberlin wollten“ einreihen.

Im Auftrag der GEW sollte Schweitzer dann in der DDR den Aufbau einer demokratischen Gewerkschaftsstruktur vorbereiten. Er arbeitete zudem als Haupt-Referent für Bildung, Wissenschaft und Kultur bei der SPD-Fraktion der Volkskammer. Schweitzer wohnte im Osten Berlins und radelte zu seinem Arbeitsplatz – unter anderem auf einen Radweg, der nun über den ehemaligen Todesstreifen führte. Später half Schweitzer beim Aufbau des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport in Potsdam mit.

Und heute? Die Wendezeit lässt Schweitzer nicht los: Derzeit bereitet er eine Konferenz zum Thema „30 Jahre ‚,Runder Tisch‘“ mit vor.

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