Politik will sich für Bewohner des Hochhauses an der Görlitzer Straße einsetzen
Ekelalarm wegen Ratten und Müll

Münster-Coerde -

Vermieter besitzen gegenüber ihren Mietern eine besondere Sorgfaltspflicht. Auch auch die Mieter untereinander stehen in der Verantwortung. Das gilt insbesondere, wenn Ratten umherlaufen – wie jetzt in Coerde.

Freitag, 14.02.2020, 19:20 Uhr aktualisiert: 15.02.2020, 10:08 Uhr
Ratsherr Richard-Michael Halberstadt, CDU-Ratskandidatin Jolanta Vogelberg und Mieter Josef Hüntemann warnen vor den Ratten.
Ratsherr Richard-Michael Halberstadt, CDU-Ratskandidatin Jolanta Vogelberg und Mieter Josef Hüntemann warnen vor den Ratten. Foto: Peter Sauer

Der Müll liegt neben den Mülltonnen, auf den Büschen unter den Fenstern und im Hauseingang. Das lockt unerwünschte Besucher an. An dem Hochhaus an der Görlitzer Straße werden immer häufiger Ratten gesichtet.

Josef Hüntemann wohnt seit 2006 hier: „Die Ratten kommen über die Lichtschächte und offen gestellte Kellerfenster. Sie werden angelockt von Kellern, die total vermüllt sind, und von wildem Müll, der draußen umherliegt.“ Tatsächlich liegt im Gebüsch direkt unter den Fenster loser Müll. „Manche Anwohner schmeißen den Müll einfach zum Fenster raus“, ergänzt Hüntemann im Gespräch mit dieser Zeitung. Was macht denn der Hausmeister? „Den haben wir hier schon länger nicht mehr gesehen.“ Der Aufzug ist kaputt, ebenso die Beleuchtung in den oberen Etagen des Hochhauses.

Beim Pressetermin vor Ort zeigten sich allerdings keine Ratten, wohl aber Rattenfallen an den Kellerfenstern und Aufkleber, die vor Rattenköder warnen.

Die CDU hat die Stadt angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Eine erste Antwort kam von Dr. Norbert Schulze Kalthoff, dem Leiter des städtischen Gesundheits- und Veterinäramts per E-Mail: „Nur auf öffentlichen Flächen kümmert sich das Tiefbauamt um das Problem und legt Giftköder aus.“ Auf privaten Flächen darf das Ordnungsamt nur tätig werden, wenn eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht.“

Für Jolanta Vogelberg ist diese Antwort nicht akzeptabel. Sie bewirbt sich als Ratsfrau für Coerde und ist empört: „Ratten bleiben doch nicht nur auf dem jeweils privaten Gelände, sondern bewegen sich. Die machen doch an Grundstücksgrenzen nicht halt. Auch ich habe große Angst vor Ratten und kann die Sorgen der Mieter verstehen.“ Ratsherr Richard Michael Halberstadt stimmt ihr beim Ortstermin mit dieser Zeitung bei: „Das Rattenproblem wird sich somit nicht auf die Görlitzer Straße beschränken. Hinterher ist der ganze Stadtteil infiziert.“

Der sozialpolitischer Sprecher der CDU hat am 7. Februar im Namen der CDU-Ratsfraktion ein Schreiben an Stadtrat Wolfgang Heuer geschickt. „Die CDU-Fraktion wünscht einen schnellen Ortstermin, an dem das Gesundheitsamt und das Ordnungsamt sowie der Vermieter (LEG) Maßnahmen miteinander abstimmen.“ Auch weil aus Sicht einiger Mieter offenbar auch falsche Mülltrennung und fehlende Müllentsorgung seitens anderer Mieter die Ratten erst anlocke.

CDU-Ratsherr Richard Halberstadt schlägt deshalb vor, ein Mülltrennungs-Infoplakat der Abfallwirtschaftsbetriebe im Haus gerade auch für die ausländischen Bewohner aufzuhängen „als Orientierung und Hilfestellung“.

Mieter Josef Hüntemann berichtet, dass geplant sei, die Mülltonnen vom bisherigen Standort direkt an der Königsberger Straße an den Hauseingang an der Görlitzer Straße zu verlegen. „Immer häufiger wird von Unbekannten wild Müll von der Straße aus bei uns abgelagert, um den sich dann erst mal keiner kümmert.“

Auf Nachfrage dieser Zeitung bedauert Mischa Lenz, Pressesprecher der LEG-Immobilien-Gruppe die „Rattenthematik“ und entschuldigt sich bei den Mietern für die „Unannehmlichkeiten“. Gleichwohl betont Lenz, dass die LEG direkt reagiert habe, nachdem Mieter sie informiert hätten: „So kümmert sich ein Schädlingsbekämpfer in unserem Auftrag um eine Dauer-Beköderung.“

Was heißt das konkret? „Der Schädlingsbekämpfer stellt Fallen mit Gift auf, begeht die Wohnanlage und kontrolliert regelmäßig den Fortschritt der Beköderung. Damit die Ratten nicht resistent gegen das Gift werden, wechselt er den Wirkstoff turnusmäßig, um einen langfristigen Erfolg sicherzustellen.“

Zudem soll sich eine Fachfirma darum kümmern, dass der Müll getrennt wird und nicht offen herumliegt, sodass die Ratten keine Nahrung finden können. Die Firma sei, laut LEG, täglich vor Ort.

Das Wohnungsunternehmen arbeitet nach eigenen Angaben eng mit dem Ordnungsamt der Stadt zusammen. „So haben wir eine Kamerabefahrung der Kanalisation beauftragt“, sagt Mischa Lenz, „da wir vermuten, dass die seit Wochen stattfindenden Straßen- und Kanalbauarbeiten in der Görlitzer Straße im Zusammenhang mit der Rattenpräsenz stehen könnten.“

Doch wie geht es nach der Kanalanalyse weiter? „Entweder wird eine zusätzliche Untersuchung der Kanäle erfolgen“, sagt LEG-Sprecher Lenz, „oder eine Reparatur im Kanalsystem durchgeführt, falls es dort beispielsweise ein Leck geben sollte“.

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