Führung durch die Biologische Station Rieselfelder
Mit Abwasserreinigung fing alles an

Münster-Coerde -

Wer sich für die Geschichte und die heutige Funktion der Rieselfelder interessiert, der kam bei der jüngsten Führung unter der Leitung von Manfred Röhlen ganz auf seine Kosten.

Sonntag, 15.03.2020, 18:34 Uhr aktualisiert: 16.03.2020, 17:16 Uhr
Unter der Führung von Manfred Röhlen (2.v.l.) konnten die Besucher einen eingehenden Blick auf die Wasserflächen und die Vogelwelt der Rieselfelder werfen.
Unter der Führung von Manfred Röhlen (2.v.l.) konnten die Besucher einen eingehenden Blick auf die Wasserflächen und die Vogelwelt der Rieselfelder werfen. Foto: cro

Erste wärmende Sonnenstrahlen fielen auf die Wasserflächen der Rieselfelder. Und trotz der Corona-Krise gab es am Samstag rund ums internationale Vogelschutzgebiet kaum noch Parkplätze, denn viele wollten das Wetter in der schönen Natur genießen. Einige wollten zudem unter der Leitung von Manfred Röhlen , ehrenamtlicher Geschäftsführer der biologischen Station, an einer der ersten Führungen des neuen Jahres durch die Rieselfelder teilnehmen.

Eine Handvoll Interessierte wollte sich informieren, was es eigentlich mit dem ungewöhnlichen Bereich in Münsters Norden auf sich hat. „Ich habe schon einiges gehört über die Bedeutung für die Vögel, wollte das Gebiet nun endlich mal mit eigenen Augen sehen“, verriet eine der Besucherinnen.

Röhlen startete aber nicht gleich mit einem Trip rund um die Wasserflächen, sondern erst einmal ging es an die Landkarte. Der Geschäftsführer erzählte von der Vergangenheit und der eigentlichen Bedeutung der Rieselfelder. Um 1875 habe man sein Abwasser einfach auf die Straße geschüttet. Durch Rinnen floss alles in die Aa, doch die Überreste blieben gerade bei Niedrigwasser immer an den Ufern hängen. „Münster wurde oft von Magen-Darm-Infekten geplagt, man musste sich dringend etwas einfallen lassen.“

1895 war es dann so weit: Man wollte auf den aktuellsten Stand der Klärtechnik kommen, und das waren Rieselfelder. „Die Abwässer werden auf Freiflächen gegeben, das Wasser rieselt durch den Boden und am Ende muss man es nur abschöpfen.“ Damals habe man sogar eine große Pumpenstation für das Abwasser gebaut, die heute noch bekannt ist: „Das Pumpenhaus an der Gartenstiege war es, wo heute Theater gespielt wird.“

Im Jahre 1970 hatten die Rieselfelder dann rund 700 Hektar Größe: „Sie waren ein Eldorado für die Vögel und auch für die Landwirte, denn durch den nährstoffreichen Boden konnten nicht nur die besten Kartoffeln von ganz Münster angebaut werden. Sondern es gab für die Vögel auch genug Mücken zum Fressen“, erläuterte Röhlen.

Doch ein Ende war in Sicht: 1975 ging die große münsterische Kläranlage in Betrieb, die Rieselfelder waren von ihrer ursprünglichen Funktion her überflüssig. Nicht jedoch für die Vogelwelt. „Es hatten sich schon viele Vögel angesiedelt, doch so viele wie in den 1960er-Jahren werden wir nie wieder bekommen“, bedauerte der Geschäftsführer.

Nach der Theorie konnten sich die Besucher gleich selber einen Überblick verschaffen: Auf einem Rundweg ging es um die Wasserflächen. „Die sind aber meist nur mit zwölf oder 15 Zentimeter Wasser befüllt, damit die Watvögel auch Nahrung finden“, verriet der Experte.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7328501?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F135%2F
Nachrichten-Ticker