Biologische Station sieht Schlittschuhlauf kritisch
Rohrdommel aufgepäppelt

Münster-Coerde -

Die Geschichte von der „Rohrdommel im Glück“, wie die Biologische Station sie nennt, hat ein gutes Ende genommen.

Donnerstag, 25.02.2021, 12:10 Uhr
Die seltene Rohrdommel hatte Glück
Die seltene Rohrdommel hatte Glück Foto: Michaela Stenz

Die Geschichte von der „Rohrdommel im Glück“, wie die Biologische Station sie nennt, liegt schon etwas zurück. Sie hat ein gutes Ende genommen. Die Rohrdommel lag am 16. Februar „auf einer Straße nahe dem Messingweg unweit der Rieselfelder außerhalb ihres Nahrungsbiotopes“ und sei von einem aufmerksamen Bürger an der Station abgegeben worden, heißt es in einem Bericht der Biologischen Station.

Zuvor habe es fast tägliche Sichtungen der Rohrdommel in den Rieselfeldern gegeben, seit dem 13. Februar „wurde sie auch vom Vogelzähler nicht mehr entdeckt. Es ist davon auszugehen, dass die Rohrdommel am Freitag oder Samstag durch den äußerst regen Schlittschuh-Verkehr aus den Rieselfeldern vertrieben wurde. Rohrdommeln sind sehr störungsanfällig (...). In den Rieselfeldern gab es im Schilf und in schilfumstandenen (geschützten) Gräben trotz der kalten Tage immer noch kleine offene Bereiche, die der Rohrdommel zur Nahrungsaufnahme zur Verfügung standen. Außerhalb der Rieselfelder gab es kaum so etwas“, heißt es in der Mitteilung der Station weiter.

Sofort nach der Ankunft der Rohrdommel in der Biologischen Station habe der Landesfischerei-Verband dankenswerter Weise Fische zur Verfügung gestellt, mit denen die Rohrdommel gefüttert werden konnte. Die erste noch kalte Nacht verbrachte sie in der Station. Tagsüber war sie im Innenhof. Am Ende des zweiten Tages sei die Rohrdommel wieder kräftig genug gewesen, dass sie selbst aus dem Innenhof abfliegen konnte. Einen Tag später sei sie bereits in ihrem angestammten Bewässerungskomplex entdeckt worden.

Die Rohrdommel gelte „als Brutvogel in Nordrhein-Westfalen (NRW) als ausgestorben (Kategorie 1)“, so die Mitteilung der Station weiter. Die letzte nachgewiesene Brut der Großen Rohrdommel habe es nach Informationen des Landesamtes für Natur im Jahr 1992 im Kreis Kleve gegeben. In den letzten Jahrzehnten habe sich mit der Ausbreitung des Schilfes die Zusammensetzung der Bewohner in den Rieselfeldern geändert. Zumeist bedrohte Vogelarten wie Rohrammern, Bartmeise und Zwerg- und Große Rohrdommel seien hinzugekommen. Früher habe das Eislaufen einen „weitaus geringeren Eingriff“ dargestellt, da die Rieselfelder noch nicht Heimstätte dieser bedrohten Vogelarten waren. Außerdem habe es früher noch zumindest eine Alternative gegeben: die Eissporthalle.

In den Rieselfeldern gibt es im Naturschutzgebiet „ein (seit 1998) gesetzlich festgeschriebenes ganzjähriges Betretungsverbot der Flächen“, so die Station weiter: „Es müssen in Zukunft Alternativ-Angebote in der Stadt geschaffen werden, und die Ordnungsbehörden müssen den gesetzlich festgeschriebenen Schutz (...) umsetzen.“ Die Mitarbeiter der Biologischen Station bedanken sich bei Olaf Niepagenkemper vom Landesfischereiverband und der Tierärztin Dr. Birge Herkt (Storchenstation Osnabrück) sowie dem Allwetterzoo in Münster für den Fisch und die wertvollen Tipps zum Umgang mit der Rohrdommel, heißt es abschließend.

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