Gievenbeck
„In eine andere Welt versetzt“

Freitag, 16.11.2007, 19:11 Uhr

Münster-Gievenbeck. „Der Abschied ging echt unter die Haut“, sagt der 20-jährige Marian Müller mit ernster Miene und zeigt auf die Porträts der zehn Kinder, die ihm so ans Herz gewachsen sind: Vor Kurzem endete der zwölfmonatige Einsatz des Gievenbeckers im Aidswaisenprojekt „St. Dominic Savio Childrens Care Academy“ in der tansanischen Provinzhauptstadt Iringa . Man nimmt es ihm ohne Weiteres ab: Als Marian Müller ins beschauliche Münster zurückkehrte, fühlte er sich „komplett in eine andere Welt versetzt.“

Erfahrungsreicher konnte sein im Rahmen des „Anderen Dienstes im Ausland“ geleisterter Zivildienst kaum sein: Müller, inzwischen Jura-Student an der Uni Münster, wirkte nach eigenen Angaben in der „am stärksten von Aids betroffenen Region Tansanias“ mit einer Infektionsrate von 40 Prozent unter den 18- bis 24-Jährigen. Der Gievenbecker bewältigte ein beachtliches Arbeitspensum: Er betreute eine Waisengruppe und gestaltete ihren Tagesablauf, zudem unterrichtete er als Assistenzlehrer in der zweiten Klasse einer Grundschule in den Fächern Mathematik, Englisch, Sachkunde und Sport und leitete die Fußballmannschaft der Schule.

Träger des Aidswaisenprojektes ist seit 2002 die Diözese Iringa, die vom Bistum Münster unter anderem mit der Entsendung von sechs Zivildienstleistenden unterstützt wird. Die Grundschule werde mittlerweile von 379 Schülern, unter ihnen etwa 65 Waisen, besucht – in den beiden Waisenhäusern leben derzeit 25 Kinder.

„Plötzlich vor 36 Schülern zu stehen und in die Rolle des Lehrers zu wechseln“, erinnert sich der angehende Jurist, „war schon eine Herausforderung“. Es blieb nicht die einzige: Den Aidswaisen Wärme und Geborgenheit zu vermitteln, das sei eine der schönsten Erfahrungen während des Aufenthaltes gewesen. Auch hätten ihm die Entwicklungsfortschritte der Kinder nicht nur in schulischer Hinsicht Freude an seiner Tätigkeit bereitet. Unterrichtssprache war Englisch, Kisuaheli die alltägliche Umgangssprache, für deren Beherrschung der junge Gievenbecker eigens einen fünfmonatigen Kursus absolvierte.

„Bildung ist die wichtigste Voraussetzung, den Teufelskreis von Armut und Aids zu durchbrechen“, lautet das unumstößliche Fazit seines Auslandseinsatzes. Dank des Spendenaufkommens von mehr als 10 000 Euro aus der Heimatgemeinde Liebfrauen-Überwasser konnte in Tansania ein neues Schulgebäude errichtet werden.

An diesem Wochenende besucht Baba Aidan Ulungi, Projektleiter und Priester der Diözese Iringa, die Gievenbecker Kirchengemeinde, um sich persönlich bei den Spendern zu bedanken. Für Marian Müller steht fest: „Das Projekt werde ich weiter unterstützen – spätestens Anfang 2009 geht es wieder nach Tansania.“

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