Gievenbeck
Holocaust altersgerecht aufarbeiten

Donnerstag, 07.04.2011, 17:04 Uhr

Münster-Gievenbeck - Am 4. Dezember 1941 musste der nicht einmal ein Jahr alte Tommy mit seiner Familie auf Befehl der Nationalsozialisten sein Zuhause verlassen und in das südlich von Litomerice gelegene Ghetto Theresienstadt ziehen. Trotz des harten Alltages im Konzen­trationslager gestaltete sein Vater, der tschechische Künstler Bedrich Fritta, für seinen Sohn ein fröhliches Bilderalbum zu dessen drittem Geburtstag. Foto:

Im Rahmen des Projektes „Holocaust-Education“ beschäftigten sich Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums während eines Schulvormittags mit dem Schicksal des kleinen Tommys und seiner Familie. Anhand eines sogenannten Projekttagebuches sowie verschiedenen Zeichnungen aus dem Werk von Bedrich Fritta fanden die 26  Teilnehmer mehr über das Leben der Holocaust-Opfer im KZ Theresienstadt heraus.

„Ich bin erstaunt, wie inter­essiert und engagiert die Schüler mitmachen. Viele von ihnen sind bereits gut informiert, was den geschichtlichen Hintergrund betrifft. Unser Anliegen ist es, mit Blick auf den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus , die ,Holocaust-Education´ fest im Schulprogramm zu verankern und einmal jährlich zu veranstalten“, sagt Geschichts- und Französischlehrerin Sabrina Hamidi über das Pilotprojekt, das sie gemeinsam mit Referendarin Gesine Weiß ins Leben gerufen hat.

Ziel des Konzeptes sei es, so Hamidi, den Holocaust altersgerecht zu vermitteln und darüber hinaus das schwierige Thema Nationalsozialismus sensibel aufzuarbeiten. Weiß: „Die Schüler haben hier die Gelegenheit, die Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen, zu stellen. Dabei liegt der Fokus auf dem offenen Zugang und nicht auf Aufklärung beispielsweise durch grausame Bilder.“

Konzentriert und wissbegierig wussten die Schüler, das im Vorfeld gut durchdachte Angebot der Schule zu nutzen. So erfuhren die Elf- bis Zwölfjährigen beispielsweise nicht nur viele Details über das Leben im KZ Theresienstadt im Allgemeinen, sondern vor allem auch über den Alltag der Kinder dort.

Ebenso abwechslungsreich wie aktiv gestaltete sich zudem der Inhalt der vier Schulstunden. So sollten die Schüler etwa einen kurzen Monolog verfassen, in dem Tommy in seinen Gedanken über sein Leben im Ghetto berichtet oder sich vorstellen, was sie in einem Koffer alles mitnehmen würden, falls sie gezwungen wären, ihr Zuhause zu verlassen.

Amelie Ahlers (12) und Sven Vortkamp (12) über die „Holocaust-Education“: „Besonders gut gefällt uns die abwechslungsreiche Gestaltung. Wir finden es sehr wichtig, sich im frühen Alter über den Nationalsozialismus zu informieren, damit so etwas Schreckliches wie der Holocaust nie wieder passiert.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/335448?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F597587%2F597629%2F
Nachrichten-Ticker