Das Rauschen aus dem Keller
Seniorin leidet unter Heizungsgeräusch im Lukaszentrum / Schallwerte unter vorgesehenen Grenzen

Münster-Gievenbeck -

„Leider ist es kein Spuk, der meine Lebensqualität erheblich mindert“, ärgert sich Erika Lücke, Bewohnerin und Eigentümerin einer der Seniorenwohnungen im Lukaszentrum am Rüschhausweg. Seit Anfang 2011 leide sie unter „quälenden geräuschvollen Belästigungen“, berichtete Lücke unserer Zeitung.

Donnerstag, 19.04.2012, 10:04 Uhr

Das Rauschen aus dem Keller : Seniorin leidet unter Heizungsgeräusch im Lukaszentrum / Schallwerte unter vorgesehenen Grenzen
In der Tiefgarage des Lukaszentrums war im September 2010 ein Feuer gelegt worden. Seit den Sanierungsarbeiten nimmt Bewohnerin Erika Lücke ein Störgeräusch wahr, unter dem sie bis heute leidet. Foto: eb

Vor der Brandstiftung in der Tiefgarage am 27. September 2010 seien diese Geräusche in ihrer Wohnung im zweiten Stock nicht wahrnehmbar gewesen. Erst nach den Sanierungsarbeiten werde sie von dem Lärm sowohl tagsüber als auch nachts gestört – bis hin zu chronischem Schlafmangel. Die Seniorin bemüht sich seit Monaten, der Ursache auf die Spur zu kommen, und setzt sich für die Beseitigung des Störgeräusches ein. So wandte sie sich auch an den Gebäudeversicherer, den Axa-Konzern mit Sitz in Köln . Erika Lücke schilderte ihre Vermutung, dass das Geräusch aus dem Schachtsystem des Lukaszentrums komme. „Um ihr zu helfen, haben wir daraufhin ein schalltechnisches Gutachten erstellen lassen“, teilte Jessica Voß von der Axa-Pressestelle auf WN-Anfrage mit. Es sollte untersucht werden, ob die auftretenden Geräusche Immissionsrichtwerte überschreiten und wenn ja, von welcher Quelle sie verursacht werden. Der Diplom-Ingenieur Wolfgang Metzen führte im Oktober 2011 die Schallmessung durch. „Der Sachverständige nahm zeitweise das von Frau Lücke beschriebene Geräusch wahr“, heißt es in der Stellungnahme des Axa-Konzerns. Das Geräusch habe jedoch nicht die für Wohn- und Schlafräume zulässigen Schalldruckpegel überschritten. Wolfgang Metzen gibt zu bedenken, dass auch ein Geräusch, das unter den Grenzwerten liegt, eine Beeinträchtigung sein könne. „Die Richtwerte kommen durch Kompromisse zustande. Dabei spielt die Überlegung eine Rolle, wie aufwendig es wäre, einen niedrigeren Geräuschpegel zu erreichen.“ Was als „Stand der Technik“ anerkannt sei, müsse noch nicht der „Stand des Machbaren“ sein. Verbesserungen seien möglich: „Ein Installateur könnte Schalldämmung einbauen – aber die Kosten würde niemand übernehmen.“ Die Suche nach der Ursache endete im Heizungskeller, berichtet Jessica Voß: „Dort erzeugte der Brenner im Betriebszustand ein Geräusch, welches dem in der Wohnung vernehmbaren Geräusch auffallend ähnlich war.“ Diplom-Ingenieur Metzen erläutert: „Vom Frequenzspektrum und den Zeiten her ist ziemlich eindeutig der Brenner der Heizung die Ursache.“ Einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Brand habe er nicht herstellen können, informierte Metzen. Auch zweifle er an, dass die Ursache des Geräusches bei den baulichen Maßnahmen nach dem Brand liege. Eine andere Bewohnerin des Lukaszentrums habe ihm gesagt, dass das Geräusch zwar schon vor dem Brand aufgetreten, danach allerdings schlimmer geworden sei. „Ob man sich gestört fühlt, ist ein individuelles Problem“, betont Metzen. „Es ist durchaus gerechtfertigt, dass jemand sich durch ein Geräusch belästigt fühlt, das andere Menschen nicht beeinträchtigt.“

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