Leiche plaudert Innenleben aus
Tatort-Pathologe Joe Bausch und reale Kriminologen bei „Corpus Delicti“ im Stadtteiltreff „La Vie“

Münster-Gievenbeck -

Tatort- und Wilsberg-Fans fiebern gemeinsam. Prof. Dr. Heidi Pfeiffer (Leiterin der Rechtsmedizin der Uniklinik) greift zu einer historischen Knochensäge. Gleich wird sie den Schädel des Opfers eines Ehestreits öffnen. Wer gerne Krimis guckt, weiß, was nun droht: fiese Geräusche, sich betreten abwendende Kommissare . . . War das Publikum im Stadtteiltreff „La Vie“ am Donnerstagabend imstande, eine Live-Obduktion zu ertragen?

Freitag, 11.05.2012, 23:05 Uhr

Leiche plaudert Innenleben aus : Tatort-Pathologe Joe Bausch und reale Kriminologen bei „Corpus Delicti“ im Stadtteiltreff „La Vie“
Rechtsmedizinerin Prof. Dr. Heidi Pfeiffer (r.) erläuterte Sandra Lüpkes einige historische Instrumente der Pathologen. Foto: eb

Doch dann die Erlösung: Die Leiche , ergreifend dargestellt von Beate Fischer vom Placebo-Theater, richtete sich auf und gab höchstselbst den Zustand ihres lädierten Gehirns bekannt. Alles nur gespielt – aber wie! Ein fesselndes und unterhaltsames Drehbuch von Krimi-Autorin Sandra Lüpkes und Wilsberg-Autor Jürgen Kehrer, die auch als Moderatoren durch den Abend führten, ermöglichte die Verbindung von Fiktion und Realität. Der Verein „Kunst und Kultur Gievenbeck“ hatte unter dem Titel „Corpus Delicti“ zu einem Benefizabend zugunsten der Gewaltopfer-Ambulanz der Uniklinik eingeladen. 200 Gäste erlebten, wie der von Christoph Tiemann verkörperte Ehemann seine Frau in flagranti mit ihrem Liebhaber erwischt. Der versteckte sich rechtzeitig hinter dem Sofa, was aber nicht verhinderte, dass der Gatte seine untreue Frau mit einer Flasche erschlug. Joe Bausch , bekannt als Pathologe im Kölner Tatort, ließ in der Rolle des Liebhabers einige Hüllen fallen. Er betörte die junge Schöne äußerst überzeugend, sodass ihre Warnung „Ich glaube, mein Mann kommt gleich!“ schon fast wie ein Hilferuf klang. Doch Bausch, im wirklichen Leben Gefängnisarzt in Werl, zeigte auch seine ernsthafte Seite, als er vom Leben der Insassen der Justizvollzugsanstalt Werl berichtete. Kritisch merkte er an: „Wir sollen im Gefängnis etwas leisten, was Familie und Gesellschaft nicht geschafft haben: die Resozialisierung von straffällig gewordenen Menschen.“ Ebenso wechselte Heidi Pfeiffer von der Darstellerin zur Talkrunden-Teilnehmerin und schilderte, wie wichtig es ist, dass die überlebenden Opfer von Gewalttaten ihre Verletzungen dokumentieren lassen, auch wenn sie noch nicht sicher sind, ob sie Anzeige erstatten wollen. Die Mitarbeiter der Gewaltopfer-Ambulanz (Röntgenstraße, ' 8 35 51 51) unterliegen der Schweigepflicht. Sie übernehmen die gerichtsverwertbare Dokumentation von Verletzungen, sichern Spuren und Beweismaterialien. Wie am Tatort Spuren gesichert werden, demons­trierte Jochen Wirz von der Kripo Münster. In der fiktiven Gerichtsverhandlung wurde er von Matthias Pheiler (Richter am Amtsgericht Münster) befragt. Bei so viel Spannung war klar: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, wie Nikola Materne von „bonsaipop“ sang.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/736220?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F597585%2F741187%2F
Nachrichten-Ticker