Mit Strom durch den Westen
Probefahrt im neuen Hybridbus der Stadtwerke / Emissionsarme und sanfte Fahrweise

Münster-Gievenbeck -

Sanft und leise rollt der 18 Meter lange Gelenkbus an. Das liegt nicht allein an der feinfühligen Fahrweise von Thomas Brinkmeier, der seit über 19 Jahren Busse durch Münster lenkt. Beim geräuscharmen und ruckfreien Start unterstützt ihn die Hybridtechnik, die zwei neue Busse der Stadtwerke zudem deutlich emissionsärmer unterwegs sein lässt.

Mittwoch, 10.10.2012, 22:10 Uhr

Mit Strom durch den Westen : Probefahrt im neuen Hybridbus der Stadtwerke / Emissionsarme und sanfte Fahrweise
Ganz leise und emissionsarm fahren die neuen Hybridbusse, die seit Ende August auf der nach Gievenbeck führenden Linie 11 unterwegs sind. Busfahrer Thomas Brinkmeier (l.) und Eckhard Schläfke (r.), Betriebsleiter Verkehrsbetrieb der Stadtwerke, stellten einen der Busse bei einer Probefahrt vor. Foto: eb

Die vier Elektromotoren, die den Bus antreiben, sitzen direkt an den beiden hinteren Achsen. Wer dem Bus am Fahrbahnrand beim Starten zuhört, vernimmt nur ein leichtes Surren dieser Motoren. Auch beim Bremsen verhält sich der Bus auf der mit vielen Stopps an Haltestellen und Ampeln gespickten Strecke von Gievenbeck in die Innenstadt angenehm. Die Fahrgäste, darunter eine Seniorin mit Hund im Rollator, ein Reisender mit Schlafsack und vor allem viele Studenten, müssen sich kaum festhalten. „Guck mal, da kannst Du sehen, wie schnell der Bus fährt“, weist eine Mutter ihre Tochter auf einen der im Bus verteilten Monitore hin. Doch um das Tempo geht es weniger bei der sich laufend verändernden Anzeige. „Das ist eine Live-Übertragung vom Antriebssystem“, erläutert Stadtwerke-Pressesprecher Florian Adler . Wenn der Bus startet, zeigen Pfeile an, dass nur Strom von der Lithium-Ionen-Batterie an die vier elektrischen Radnabenmotoren fließt. Wenige Meter weiter schaltet sich der Dieselmotor ein, der jedoch nicht das Fahrzeug direkt antreibt, sondern als Generator für die Stromerzeugung dient. Wird gebremst, zeigen grüne Pfeile auf dem Monitor, dass nun Strom von den Radnaben in die Batterie fließt. „Die vielen Stopps auf der Linie 11 begünstigen den Einsatz der Hybridbusse“, erklärt Eckhard Schläfke, Betriebsleiter Verkehrsbetrieb bei den Stadtwerken. Denn die Rückgewinnung der Bremsenergie als Strom sorgt dafür, dass diese Busse bis zu 30 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen als ein konventioneller Bus. „Der Hybridbus kommt mit einem 4,8-Liter-Dieselmotor aus anstatt mit einem Zwölf-Liter-Motor“, ergänzt Busfahrer Brinkmeier . Wie bei einem Automatik-Fahrzeug kann er mit dem rechten Fuß entweder das Gas- oder das Bremspedal bedienen. Ein Schaltgetriebe gibt es nicht, das Kupplungspedal fällt daher weg. Gebremst wird allerdings überwiegend mit einem Hebel am Lenkrad. Fünf Stufen sind wählbar. Schon beim leichtesten Abbremsen wird sofort Strom erzeugt, obwohl der Bus noch kaum verzögert weiterfährt. „So kann er auf die Haltestelle zugleiten“, beschreibt Florian Adler das Fahrgefühl. Bei aller Begeisterung für die moderne Technik verschweigt Schläfke nicht, dass solch ein Bus mit rund 580 000 Euro wesentlich teurer ist als ein Dieselbus (300 000 Euro). Auch die Betriebs- und Wartungskosten sind höher. Nur mit Finanzierungshilfe vom Land Nordrhein-Westfalen sowie Entwicklungsmitteln vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sei es möglich, diese Brückentechnologie hin zur reinen Elektromobilität einzusetzen.

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