Kinder vor!
„Wann kommt Lena?“

Münster-Gievenbeck -

Die „Bildungspilotinnen“ des Hauses der Familie kümmern sich jeweils um nur ein einiges Kind. Im Frühsommer startete das Projekt. Jetzt ziehen die Macherinnen eine erste Bilanz – und die fällt rundum positiv aus.

Freitag, 28.12.2012, 18:12 Uhr

Bildungspiloten: Edith Thier, Marie-Louise Haschke und Ruth Ehrich (hinten von links), allesamt Haus der Familie, sind froh, dass das Projekt „Bildungspiloten“ so erfolgreich läuft. Julia Gebbe (l.) und Lena Leffers sind zwei von derzeit zwölf Piloten.
Bildungspiloten: Edith Thier, Marie-Louise Haschke und Ruth Ehrich (hinten von links), allesamt Haus der Familie, sind froh, dass das Projekt „Bildungspiloten“ so erfolgreich läuft. Julia Gebbe (l.) und Lena Leffers sind zwei von derzeit zwölf Piloten. Foto: bl

Lena Leffers ist wie ein Springbrunnen. Wer ihr eine Weile zuhört, spürt definitiv, dass sie ihre Aufgabe liebt. „Ihr“ Kind ist sechs Jahre alt und wohnt in Gievenbeck – mit seiner Mutter, seinem Vater und seinem älteren Bruder. Die Jungs sind beide in Deutschland geboren. Die Eltern leben schon lange hier. Sie kommen ursprünglich aus Afghanistan. Drei Stunden in der Woche verbringt Lena Leffers, Studentin der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule in Münster, mit dem Jüngsten, mit Iman. „Wenn ich anschließend nach Hause fahre, bin ich total glücklich“, erzählt sie. Und Iman? „Der bestimmt auch“, antwortet die „Bildungspilotin“. Und fährt so fort: „Die Eltern haben mir erzählt, dass Iman schon lange vorher fragt: ,Wann kommt Lena?‘.“

Lena Leffers ist eine von zwölf „Bildungspiloten“, die auf Initiative des Hauses der Familie am Krummen Timpen Familien in Gievenbeck, Angelmodde und Berg Fidel besuchen. Jeder einzelne Pilot kümmert sich dabei jeweils um ein Kind. Edith Thier , Leiterin und Geschäftsführerin des Hauses der Familie, hat zusammen mit ihren Kolleginnen Marie-Louise Haschke und Ruth Ehrich das Projekt ins Leben gerufen.

Seit dem Frühsommer 2012 sind die Piloten im Einsatz, aktuell sind es je vier in Gievenbeck, Angelmodde und Berg Fidel. Sie zeigen den Kindern – die Welt. Sie schenken ihnen Zeit, die die Eltern aufgrund ihres Arbeitsalltages einfach nicht haben. Die Mütter und Väter werden stets einbezogen, die Unterstützung sei groß, sagt Lena Leffers. Und Iman, so die Studentin, habe inzwischen auch sprachlich große Fortschritte gemacht.

Lena Leffers war in den vergangenen Monaten mit Iman im Kino, beiden besuchen immer wieder die Bücherei, sie waren im Zoo, haben sich in der Innenstadt umgesehen. „Wir waren auch auf dem Bahnhof. Iman liebt es, wenn die Züge einfahren und die Schaffner aussteigen.“

Lena Leffers bekommt für ihren Einsatz pro Stunde zehn Euro Aufwandsentschädigung. Das Haus der Familie stemmt das Projekt auch finanziell, wird dabei unter anderem von der Ruth-Drepper-Stiftung unterstützt. „Von der Ruth-Drepper-Stiftung haben wir gerade auch die Zusage für 2013 erhalten“, erzählt Edith Thier. Sie freut sich sichtlich sehr darüber.

Mit am Tisch sitzt an diesem letzten Freitag vor Weihnachten Julia Gebbe. Auch sie studiert im fünften Semester Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule. Sie unternimmt einmal in der Woche etwas mit Youssuf. Auch er ist sechs, besucht die erste Klasse und wohnt in Gievenbeck. Beide waren schon zusammen im Naturkundemuseum und im Schloss. „Dort hat sich Youssuf erst einmal Münster von oben angesehen.“ „Das habe ich noch nie gemacht“, verrät Ruth Ehrich spontan. „Wenn wir jetzt mit dem Bus am Schloss vorbeifahren, sagt Youssuf jedes Mal: ,Das ist das Schloss von Deutschland‘“, plaudert Julia Gebbe fröhlich aus. Die beiden haben zusammen auch Hummeln entdeckt. Die Vokabel dafür, die kannte Youssuf noch nicht. Auch Julia Gebbe liebt ihre Aufgabe, sie ist dankbar, dass sie auf diese Weise Erfahrungen für ihr Berufsleben sammeln kann.

Neulich hat das Haus der Familie alle Familien mit Geschwisterkindern und allen Bildungspiloten zum Kochen in die Bildungseinrichtung eingeladen. „30 Kinder waren dabei“, erzählt Ruth Ehrich. Und natürlich waren die Eltern mit von der Partie.

Dorthin zu gehen, wo die Familien sind, ist dem Haus der Familie sehr wichtig. Edith Thier: „Es liegt uns aber auch am Herzen, dass sie die Bildungseinrichtung vor Ort kennenlernen, denn die ist auch für sie da.“

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