Das ehemalige Heereslazarett an der Von-Esmarch-Straße öffnet am Denkmaltag seine Türen
In Stein gemeißelte Nazi-Ideologie

Münster-Gievenbeck -

250 Meter lang ist der Prunkbau – und eine der repräsentativsten Militäranlagen aus der Zeit des Dritten Reichs in Münster. Ein Grund, warum die Stadt das alte Heereslazarett 1993 unter Denkmalschutz gestellt hat. Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag (8. September) kann das Gebäude, das heute die Hautklinik beherbergt, in Teilen besichtigt werden.

Samstag, 07.09.2013, 08:09 Uhr

Das ehemalige Heereslazarett an der Von-Esmarch-Straße beherbergt heute vor allem die Hautklinik. Die Nazis errichteten mit ihm Mitte der 1930er Jahre eine der repräsentativsten Militäranlagen der Stadt Münster, die zur Gauhauptstadt ausgebaut werden sollte.
Das ehemalige Heereslazarett an der Von-Esmarch-Straße beherbergt heute vor allem die Hautklinik. Die Nazis errichteten mit ihm Mitte der 1930er Jahre eine der repräsentativsten Militäranlagen der Stadt Münster, die zur Gauhauptstadt ausgebaut werden sollte. Foto: mfk

1935 geplant, 1937 und 1938 errichtet, sollte der monumentale Bau nur der Auftakt sein für hochfliegende Pläne der Nazis. Münster war damals einer der bedeutendsten Militärstandorte in Nordwestdeutschland und wurde in den 1930er Jahren noch stark ausgebaut.

Dabei hatten die Nationalsozialisten noch viel mehr geplant. „Münster sollte Gauhauptstadt werden“, erklärt Mechthild Mennebröcker von der städtischen Denkmalbehörde. Geplant war unter anderem ein Universitäts- und Gauforum im damals dünn besiedelten Westen der Stadt, ein großes Parteiforum am Nordwestufer des Aasees mit einer Aufmarsch-Achse zur damaligen Roxeler Straße und ein Sportstadion südlich des Aasees. Umgesetzt worden sei zum Beispiel das Gebäude, in dem heute die Mensa am Aasee untergebracht ist – und das Heereslazarett in der Bauerschaft Gievenbeck.

Außen wie innen verkörpert das Gebäude die Ideologie der Nazis: Alleine durch die schiere Größe der Fassade und den tempelartigen Vorbau wirkt es monumental – typisch für die NS-Architektur, die schon durch Baumasse Bedeutung dokumentieren wollte. Das dürfte laut der Denkmalpfleger auch der Grund gewesen sein, warum das Heereslazarett als „Krankenhaus unter einem Dach“ konzipiert wurde und nicht mehr nach der Pavillon-Bauweise, bei der für die Fachabteilungen einzelne Gebäude erstellt wurden, wie noch von 1012 bis 1928 bei der Universitäts-Klinik. Unterstrichen wird die monumentale Wirkung durch die umgebende Parkanlage, die noch heute weitgehend erhalten ist.

Im Inneren kam die Nazi-Ideologie zum Beispiel 2010 wieder ans Tageslicht – in Form von Wandgemälden des Kunstmalers Ernst Bahn . Der hatte 1937 den Auftrag erhalten, den Eingangsbereich im Ostflügel mit dekorativen Gemälden zu verzieren. Als die britischen Streitkräfte das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1992 als Militärhospital nutzten, wurden die Malereien mehrfach mit weißer Farbe überstrichen. Reste wurden bei Bauarbeiten 2010 freigelegt und restauriert. Ein Gemälde zeigt zwei junge, blonde Frauen mit Heilkräutern. Dr. Dirk Strohmann von der LWL-Denkmalpflege deutet es so: „Der heldische (nordische) Mensch ist im Einklang mit der Natur gesund.“

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Die Wandgemälde und Teile des Gebäudes können beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag (8. September) besichtigt werden. Kunsthistoriker Ulrich Gietzen lädt um 15.30 Uhr zu einer Führung ein mit dem Titel „Für Krieg und Vaterland – das Heereslazarett“. Treffpunkt ist die Auffahrt an der Von-Esmarch-Straße 58.

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