Stein-Gymnasiasten erarbeiten Theaterstück
Mit Brecht nach Berlin

Münster-Gievenbeck -

Mit einer Aufführung von „Der gute Mensch von Sezuan“ will der Literaturkurs des Stein-Gymnasiums nach Berlin. Denn das Vorspiel am Berliner Ensemble ist der Preis des Wettbewerbs, bei dem die Schüler mitmachen wollen.

Dienstag, 03.12.2013, 09:12 Uhr

Schüler des Literaturkurses bereiten sich mit Profis des „Theaters der Versammlung“, angeleitet von Jörg Holkenbrink (r.), und Studenten vor, um das Stück selbst zu entwickeln.
Schüler des Literaturkurses bereiten sich mit Profis des „Theaters der Versammlung“, angeleitet von Jörg Holkenbrink (r.), und Studenten vor, um das Stück selbst zu entwickeln. Foto: anh

Viele wirken bei der Erarbeitung mit: Zu den 28 Schülern des Kurses stieß jetzt noch das „Theater der Versammlung“ aus Bremen mit seinem künstlerischen Leiter Jörg Holkenbrink und vier Schauspielern. Dazu kamen Studierende des Instituts für Germanistik mit Professorin Dr. Marion Bönnighausen und Karin Wunderlich , teils als Lehrerin am Stein-Gymnasium tätig, teils für das Institut. Dessen Schreib-Lese-Zentrum trägt das Projekt, das Wissenschaft, Kunst und Schule zusammenführt.

Der Weg wird anstrengend, weil er viele Möglichkeiten bietet. Aber auch lohnend, zumal es bei der Theaterarbeit um Persönlichkeitsbildung geht. Wenig ist vorgegeben, bis auf das Anliegen Bertold Brechts : Das epische Theater soll Fragen aufwerfen, in typischem Verhalten dessen soziale Bedingungen aufdecken. So ist der Text offen, eine Bühne als zentralen Ort der Aufführung soll es wohl auch nicht geben.

Wunderlich verteilt nicht gleich Rollen und Aufgaben. Brecht spiele man nicht mehr so häufig wie früher, erläutert Bönnighausen, auch an der Universität nur noch wenig. Und wenn, müsse er für die heutige Zeit umgesetzt werden. Für die Schüler hieß das, sich erst mit dem epischen Theater auseinanderzusetzen, dann mit dem Text. Es galt, Referate zu halten.

Die Theater-Profis halfen bei den nächsten Schritten. Die Schauspieler zeigten Brecht ohne Vorlage: „Brecht für Manager“ haben sie selbst geschaffen. Typisches in der Selbstvorstellung beim Manager-Training, der Zwang zum „lebenslangen Lernen“, das haben sie als moderne Elemente einbezogen.

Holkenbrinks Schauspieler füllten Rollen aus, etwa den schüchternen Jung-Manager. Sie zeigten den plötzlichen Wechsel zwischen den Rollen und beliebig abrufbare gestische und sprachliche Mittel. Bei den Rollenspielen der Schauspieler steuerten die Schüler mit, hatten auch viel zu lachen. Zugleich lernten sie Ausdrucksmittel kennen, die sie brauchen werden.

Bei der Reise ins Unbekannte mit Brechts Frage „Wie kann ich gut sein in diesen Verhältnissen?“ leisten die Studierenden Hilfe. Sie lernen dabei als eine Art Spielleiter für das angestrebte Lehramt.

Wunderlich ist froh über die Unterstützung – allein könnte sie bei so vielen Schülern nur oberflächlich helfen. Das „Theater der Versammlung“ unterstützt sie weiter. Das freut auch die Schülerin Annick Pfeiffer (17). Sie gehe gern ins Theater, selbst gespielt habe sie aber noch nicht – wie die meisten im Kursus. Engagement aber ist vorhanden: Die Schüler hätten sich rege beteiligt, sagte Studentin Claudia Offenmüller, es gebe „ganz viel Potenzial“.

Zu sehen sein soll das Resultat kurz vor den Sommerferien. Dann soll das Stück für den Wettbewerb des Suhrkamp-Verlags gefilmt werden. Die Sieger spielen beim Berliner Ensemble , das passenderweise von Brecht gegründet wurde.

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