Oxford-Kaserne: Fachjury vergibt ersten Platz an „Kéré Architecture“
Der grüne Trichter überzeugt

Münster-Gievenbeck -

Der Trichter macht das Rennen: Mit ihrem Konzept eines grünen Boulevards, der sich quer durch die Oxford-Kaserne bis in den Grünen Finger ziehen soll, überzeugten die Planer des Büros „Kéré Architecture“ aus Berlin die Fachjury. Es gab aber auch Kritik.

Donnerstag, 03.07.2014, 21:07 Uhr

Der grüne Trichter in den Grünen Finger überzeugte die Jury, erklärten (v.l.) Vorsitzender Kunibert Wachten, Stadtdirektor Hartwig Schultheiß, Planungsdezernent Siegfried Thielen und Planungsamtsleiter Christian Schowe.
Der grüne Trichter in den Grünen Finger überzeugte die Jury, erklärten (v.l.) Vorsitzender Kunibert Wachten, Stadtdirektor Hartwig Schultheiß, Planungsdezernent Siegfried Thielen und Planungsamtsleiter Christian Schowe. Foto: Oliver Werner

Das Votum indes war eindeutig: „Wir haben vielfältige Anregungen erhalten, aber nur ein überzeugendes Gesamtkonzept“, sagte Jury-Vorsitzender Prof. Kunibert Wachten am Donnerstag. Die Entscheidung lautete denn auch, dass Kéré den ersten Platz erhielt, alle anderen einen dritten.

Wachten betonte, dass alle sechs Entwürfe, welche die Büros am Mittwochabend vor Bürgern und Jury präsentiert hatten (die WN berichteten), „durchaus hohe Qualitäten“ aufwiesen. Dabei sei die Aufgabenstellung der Stadt sehr schwierig gewesen: Das schützenswerte Kasernengelände mit nur einer Funktion habe durchaus seine eigene Logik, erläuterte der Juror. Vor allem aber sei es nach außen geradezu hermetisch abgeschlossen. „Die Aufgabe war, daraus das Gegenteil zu machen“, so Wachten: ein vielfältiges und buntes Quartier, das die bisherige Teilung Gievenbecks aufhebe.

Das sei dem Kéré-Entwurf gelungen. „Es ist das Gegenteil dessen, was den Standort ausmacht“, erläuterte der Jury-Vorsitzende. Wie bei einem Reißverschluss finde der Entwurf eine „fast naturwüchsige Verbindung“ vom Tor an der Roxeler Straße bis zum Arnheimweg. Am bemerkenswertesten fand Stadtdirektor und Preisrichter Hartwig Schultheiß, dass der grüne Boulevard, der sich trichterförmig zum Grünen Finger öffnen soll, die Verengung durch die Gebäude umdrehe. „Aber die prägenden Gebäude werden nicht negiert, das ist sehr clever gemacht“, urteilte Schultheiß.

Anklang fanden auch die Areale für unterschiedliche Nutzungen beidseitig des Boulevards und die Kombination von Alt- und Neubauten, erläuterte Wachten die Entscheidung. Auch die vielen Kommentare, die Bürger am Mittwochabend schriftlich an Stellwänden mit den Entwürfen hinterlassen hatten, habe die Jury berücksichtigt. Die Bürger-Meinung sei zwar für das fachlich orientierte Votum der Jury nicht bindend. Wenn sich die Einschätzungen aber deckten, „umso besser“, freute sich Wachten. Seine Beobachtung: „Das Herz der Leute hat schon etwas für diesen Entwurf geschlagen.“

Die Jury-Sprecher verschwiegen allerdings nicht, dass es auch Kritikpunkte gab. Etwa diesen: „Der Entwurf sieht haufenweise Läden vor. Das ist der falsche Ansatz“, sagte Wachten. Denn Konkurrenz zu bestehenden Zentren oder gar eine neue Mitte sei nicht gewünscht, betonte auch Schultheiß.

Ebenfalls kritisch beurteilte die Jury die vorgesehene diagonale Straßenanbindung quer durch den Grünen Finger. Und an manchen Stellen wünscht sich der Stadtdirektor „etwas weniger öffentlichen Raum und mehr Nutzung“. Dass neben mehr Wohnraum – 800 Wohneinheiten sind im Entwurf vorgesehen – auch die evangelische Lukas-Kirchengemeinde untergebracht werden könnte, nannte Schultheiß als Beispiel. 

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