Vier Gründe für Auszeiten der Windenergieanlagen im Aa-Tal
Warum die Räder auch mal stillstehen

Münster-West -

Der Vorstand der Genossenschaft für die Windenergieanlagen am Stodtbrockweg und am Twerenfeldweg erläutert die vier Gründe dafür, dass die Windräder mitunter stillstehen.

Mittwoch, 12.08.2015, 06:08 Uhr

In der Nähe des Umspannwerks am Nienberger Twerenfeldweg (r.) steht eine der beiden Anlagen der Stadtwerke. Die zweite befindet sich nicht weit entfernt am Stodtbrockweg auf Roxeler Gebiet.
In der Nähe des Umspannwerks am Nienberger Twerenfeldweg (r.) steht eine der beiden Anlagen der Stadtwerke. Die zweite befindet sich nicht weit entfernt am Stodtbrockweg auf Roxeler Gebiet. Foto: eb

„Es ist doch windig, warum drehen sich dann die Windenergieanlagen nicht?“ Diese Frage ist von Ausflüglern im Bereich des Aa-Tals westlich von Gievenbeck immer wieder zu hören. Sie blicken auf die beiden großen Windräder der Stadtwerke am Twerenfeldweg und am Stodtbrockweg und wundern sich über den immer wieder vorkommenden Stillstand.

Diese Frage ist auch Dr. Veit Christoph Baecker vom Vorstand der Genossenschaft „Unsere Münster-Energie“ schon zu Ohren gekommen. „Es gibt vier Gründe dafür, dass die Windenergieanlagen sich nicht drehen: zu wenig Wind, zu starker Wind, Wartungsarbeiten und zu viel Schattenwurf auf Wohnhäuser“, fasst er zusammen.

Die Windverhältnisse seien am Boden und oben bei den Rotorblättern durchaus unterschiedlich. „Die Anlagen in Münster sind darauf ausgelegt, dass sie eine Windgeschwindigkeit von mindestens drei Metern pro Sekunde benötigen“, erklärt Baecker. Das entspricht Windstärke 3.

Bei einer Windgeschwindigkeit von mehr als 25 Metern pro Sekunde (Windstärke 9) drehen sich die Rotorblätter aus dem Wind, um die kleinstmögliche Angriffsfläche zu bieten. Die Anlage bleibt stehen, damit sie nicht durch übermäßige Materialbeanspruchung beschädigt wird.

Vor allem am Anfang der Betriebszeit einer Anlage gebe es einige Wartungsarbeiten und Nachjustierungen. „Das System muss erst richtig konfiguriert werden. Auch in den kommenden Jahren wird es erforderlich sein, dass Menschen dort hochklettern und prüfen, ob alles gut funktioniert“, kündigte Baecker an.

Ob zu häufig der Schatten der sich drehenden Rotorblätter auf benachbarte Wohnhäuser falle, werde mit Hilfe einer Wetterstation auf jeder der Anlagen kontrolliert. Je zwei Anemometer sitzen auf den Maschinenhäusern. Sie messen die Windgeschwindigkeit und die Windrichtung. In Kombination mit dem Sonnenstand beziehungsweise der Bewölkung wird errechnet, ob und wohin der Schatten fällt. „Im Genehmigungsverfahren werden viele Gutachten erstellt. Dazu gehört das Schattengutachten“, erklärt Baecker. Es werden Gebiete festgelegt, auf die pro Tag nur 30 Minuten lang der Schatten fallen darf, pro Jahr höchstens acht Stunden lang. Sind diese Werte überschritten, so schaltet sich die Anlage künftig ab, wenn der Schatten wieder auf den als Immissionsort bezeichneten Punkt fallen würde.

Auf der Internetseite der Genossenschaft wird ein weiterer Grund für eine Abschaltung genannt, der aber nach Auskunft von Daniela van der Pütten, Leiterin der Stadtwerke-Pressestelle, auf Münster nicht zutreffe. Es heißt dort, eine Windenergieanlage könne aufgrund zu schwacher Stromnetze beziehungsweise zu hoher Einspeisung abgeschaltet werden. „Das Netz ist in Münster absolut ausreichend dimensioniert, um den von den Anlagen erzeugten Strom aufzunehmen“, betont sie. Zudem sei vorgeschrieben, dass im Falle eines überforderten Netzes zuerst die konventionellen Kraftwerke heruntergefahren werden. „Damit wird auch viel mehr bewirkt als mit dem Anhalten einzelner Windenergieanlagen.“  

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