Kontrolle auf dem Wochenmarkt
Sünder zahlen 15 Euro Strafe

Münster-Gievenbeck -

Wer nicht absteigt, der muss zahlen. Auf dem so genannten „kleinen Rüschhausweg“ herrscht während der Marktzeit Durchfahrts-Verbot. Das gilt auch für Radfahrer, die sich aber zum Teil nicht an diese Vorschrift halten. Auf Anregung der Werbegemeinschaft kontrolliert nun die Polizei.

Freitag, 04.09.2015, 19:09 Uhr

Und wieder ein Radler, der das Durchfahrtsverbot missachtet hat. Für jeden Verstoß, den Polizeihauptkommissar Michael Bäumer (r.) ahndet, sind 15 Euro fällig. Ulf Imort (l.) von der Werbegemeinschaft hofft, dass die Kontrollen etwas bewirken.
Und wieder ein Radler, der das Durchfahrtsverbot missachtet hat. Für jeden Verstoß, den Polizeihauptkommissar Michael Bäumer (r.) ahndet, sind 15 Euro fällig. Ulf Imort (l.) von der Werbegemeinschaft hofft, dass die Kontrollen etwas bewirken. Foto: kbö

Die junge Frau wirkt genervt: „Ach, lassen Sie mich doch in Ruhe“, zischt sie auf die Frage, was sie von der Kontroll-Aktion hält. Offensichtlich nicht viel. So wie zahlreiche andere Radler auch, die am diesem Donnerstagnachmittag radelnder Weise auf dem Gievenbecker Wochenmarkt erwischt werden und ihr Vergehen mit 15 Euro bezahlen müssen. Denn zur Marktzeit ist die Durchfahrt auf dem Rüschhausweg für alle Fahrzeuge verboten – auch für Radler.

Ulf Imort von der örtlichen Werbegemeinschaft schaut sich die Situation interessiert an. „Die Radfahrer müssen lernen, dass sie hier zur Marktzeit einfach nicht durchfahren dürfen“, sagt er. „Hier gibt es auch viele ältere Menschen, die durch die Radfahrer – die zum Teil mit beträchtlichem Tempo über die Straße rasen – gefährdet werden.“

In der Vergangenheit hätten einige Mitglieder der Kaufleute vor Ort versucht, die Radfahrer für dieses Durchfahrtsverbot zu sensibilisieren. „Doch all das hat nichts genutzt“, klagt Imort. „Wir sind teilweise sogar wüst beschimpft und angepöbelt worden.“ Aus diesem Grund hätten die Gewerbetreibenden auch die Polizei um Unterstützung gebeten. „Nicht aus reiner Willkür, sondern aus Gründen der Sicherheit.“ Die Kontrollen durch einen Beamten vor Ort sollen Überzeugungsarbeit leisten.

In diesem Moment bemerkt Polizeihauptkommissar Michael Bäumer eine junge Mutter, die vom Lukas-Zentrum aus kommend in Richtung Arnheimweg fährt und einen Zusammenstoß mit einem Fußgänger knapp vermeiden kann. So richtig erklären kann sie es nicht, warum sie trotz des Verbots radelt. Sie zückt ihre EC-Karte und zahlt die 15 fälligen Euro elektronisch. „Wer keine Karte dabei hat, kann die Strafe per Zahlschein begleichen“, so Bäumer. Die junge Mutter weiß um ihren Fehler: „Aber 15 Euro sind 15 Euro“, sagt sie zerknirscht.

Erneut schnellt die Hand des Polizeibeamten heraus. Diesmal erwischt es einen jungen Mann, der die Verbotsschilder sowie die Absperrung ignoriert. Auch er zahlt, allerdings hält er es für eine „Abzocke“, wie er sagt: „Natürlich bin ich genervt, ich bin langsamer gefahren, als mancher Fußgänger läuft.“ Auch das Argument zieht nicht bei Michael Bäumer: „Wer die Linie am Sparkassen-Parkplatz überfährt und noch im Sattel sitzt, der zahlt.“ Die Strecke zwischen Absperrung und durchgezogener Linie ist Toleranzzone.

Apropos Toleranz: Wie geht Bäumer mit den Menschen um, die sich noch nicht richtig mit den hiesigen Verkehrsregeln auskennen – wie etwa in Gievenbeck lebende Flüchtlinge? Da drückt der Beamte auch schon mal ein Auge zu und klärt die Betreffenden auf. „Außerdem haben diese Menschen ja kaum Geld, wir können die Personalien zudem nicht kontrollieren.“ Und wieder schnellt seine Hand heraus. „Bis zu 30 Mal in zwei Stunden“, wie der Polizeibeamte aus Erfahrung weiß.

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