„Die Kluge“ in der Waldorfschule
Eine ganz besondere Produktion

Münster-Gievenbeck -

Wie ein Besessener springt der König über die Bühne. Gierig und provokant mit dem Tode drohend umkreist er „die Kluge“, eine Bauerstochter, die sich durch Geschick und Verstand auszeichnet.

Montag, 18.09.2017, 18:09 Uhr

Eine Szene aus dem Theaterstück der Waldorfschule: Gierig betrachtet der verrückte König im gelben Hemd, hier gespielt von Theodor Korschildgen, die Titelfigur „Die Kluge“, gespielt von Thekla Schulze Raestrup.
Eine Szene aus dem Theaterstück der Waldorfschule: Gierig betrachtet der verrückte König im gelben Hemd, hier gespielt von Theodor Korschildgen, die Titelfigur „Die Kluge“, gespielt von Thekla Schulze Raestrup. Foto: Franziska Eickholt

Wie ein Besessener springt der König über die Bühne. Gierig und provokant mit dem Tode drohend umkreist er „die Kluge“, eine Bauerstochter, die sich durch Geschick und Verstand auszeichnet.  Dass sich trotz der Psychosen des verrückten Königs schlussendlich doch noch alles zum Guten wendet, ist einerseits natürlich der Geschichte zu verdanken, die in Carl Orffs Kinder-Oper „Die Kluge“ erzählt wird, andererseits aber der herausragenden schauspielerischen Leistung der 90 Waldorfschüler.

In einem klassenübergreifenden Projekt hatten die Schüler fast ein Jahr lang geprobt, um Orffs Oper, die an das Grimm-Märchen „Die kluge Bauerntochter“ angelehnt ist, auf die Bühne zu bringen. Besonders die älteren Schüler in den Hauptrollen bewiesen, das sie viel Talent mitbringen. Gleich bei allen vier Aufführungen verkörperte Thekla Schulze Raestrup, Abiturientin der Waldorfschule, die Hauptfigur „Die Kluge“ und überzeugte sowohl mit Schauspiel als auch mit Gesang.

Die schwierige Hauptrolle des verrückten Königs teilten sich Robert Hombach (zwölfte Klasse) und Theodor Korschildgen (13. Klasse), die den cholerischen und komplexen Charakter mit Hingabe und Authentizität darstellten.

Etwas Besonderes ist die Produktion jedoch nicht nur durch gute Leistung auf der Bühne, sondern vor allem durch die Aktualität der Geschichte. Denn „Die Kluge“ wurde 1943 an der Frankfurter Oper aufgeführt – und trotz deutlichen Kritik zum NS-Regime unter Adolf Hitler nicht verboten. „Es gibt dafür keine andere Erklärung, als dass die Nazis die kritischen Textpassagen nicht bemerkt haben“, erzählt Musiklehrer Günter Moseler, der bei der Inszenierung an der Waldorfschule gemeinsam mit Kollegin Elke Schönfeld-Terhaar Regie führte. „In der heutigen Zeit gibt es erneut einige ähnlich autoritäre Regierungen. Das Thema verliert also nie an Aktualität.“

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