Oxford-Kaserne
Die Johanniter ziehen aus

Münster-Gievenbeck -

Die Johanniter, die federführend für die Betreuung in der Erstaufnahme-Einrichtung (EAE) verantwortlich zeichneten, verlassen die Räume in den ehemaligen britischen Truppenunterkünften. Über die vergangenen zwei Jahre sprach unser Redakteur Kay Böckling mit Udo Schröder-Hörster, Regionalvorstand der Johanniter, und Daniel Nießen, Fachbereichsleiter Flüchtlingshilfe.

Mittwoch, 27.12.2017, 17:54 Uhr

Die Johanniter  verlassen die Oxford-Kaserne. Damit endet auch die Zeit der Erstaufnahme-Einrichtung. Zunächst nutzte das Land die ehemaligen Truppenquartiere der Briten als Notunterkünfte. Die Arbeit dort nahm man vor zwei Jahren auf. Nun drehen Regionalvorstand Udo Schröder-Hörster und der Fachbereichsleiter Flüchtlingshilfe, Daniel Nießen, den Schlüssel um (kl. Foto).
Die Johanniter  verlassen die Oxford-Kaserne. Damit endet auch die Zeit der Erstaufnahme-Einrichtung. Zunächst nutzte das Land die ehemaligen Truppenquartiere der Briten als Notunterkünfte. Die Arbeit dort nahm man vor zwei Jahren auf. Nun drehen Regionalvorstand Udo Schröder-Hörster und der Fachbereichsleiter Flüchtlingshilfe, Daniel Nießen, den Schlüssel um (kl. Foto). Foto: kbö

Damals ging alles ganz fix: Gerade mal ein paar Stunden nach der offiziellen Vorstellung war die Notunterkunft des Landes für Flüchtlinge belegt. Sechs Busse brachten rund 300 Asylsuchende in die ehemalige Oxford-Kaserne. Das war vor etwas über zwei Jahren. Jetzt räumen die Johanniter, die federführend für die Betreuung in der Erstaufnahme-Einrichtung (EAE) verantwortlich zeichneten, die Räume in den ehemaligen Truppenunterkünften. Über die vergangenen zwei Jahre sprach unser Redakteur Kay Böckling mit Udo Schröder-Hörster, Regionalvorstand der Johanniter, und Daniel Nießen, Fachbereichsleiter Flüchtlingshilfe.

Herr Schröder-Hörster, umschreiben Sie doch einmal knapp die Entwicklung in den zwei Jahren.

Schröder-Hörster: Ab Oktober 2015 wurde die Oxford-Kaserne als letzter der drei Standorte für Notunterkünfte (nach Dortmund und Bielefeld, Anm. der Redaktion) umgebaut. Die Arbeit begann im Dezember 2015. Anfang des vergangenen Jahres sind wir zusammen mit der York-Kaserne Erstaufnahme-Einrichtung geworden. Jetzt wird diese Einrichtung aufgrund der sinkenden Flüchtlingszahlen wieder geschlossen. Anfang Dezember sind die letzten Bewohner ausgezogen. Die Nutzung läuft am 31. Dezember offiziell aus.

Wie viele Mitarbeiter waren in dieser Zeit in der Einrichtung beschäftigt?

Schröder-Hörster: Zunächst einmal muss man sagen, dass die Johanniter hier im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisatoren tätig gewesen sind. Die Johanniter haben zu Spitzenzeiten 62 Mitarbeiter gehabt. Derzeit sind es noch 33, die zum 31. Dezember ausscheiden. Hinzu kommen die Kollegen vom Roten Kreuz, die die Kinderbetreuung übernommen haben. Die Küche und der Sicherheitsdienst wurden von externen Firmen übernommen. Somit kann man sagen, dass hier zu Spitzenzeiten rund 120 Vollzeitstellen besetzt waren.

Was passiert jetzt mit Ihren Mitarbeitern?

Schröder-Hörster: Sie haben zum größten Teil ihre Kündigung bekommen und stehen dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung.

Es war also von Beginn an klar, dass es sich bei den Arbeitsverträgen um befristete Kontrakte handelte?

Schröder-Hörster: Das ist richtig, es handelte sich um zweckbefristete Arbeitsverträge. Das wurde auch von Anfang an so kommuniziert. Es war ja seitens des Landes auch klar, dass es vorübergehende Einrichtungen sein sollten.

Wie viele Flüchtlinge haben die Einrichtung besucht?

Nießen: Wir hatten ja verschiedene Arbeitsbereiche hier. In der Notunterkunft und der folgenden EAE sind rund 3000 Menschen aufgenommen, betreut, erstversorgt oder eingekleidet worden. Zudem hatten wir auf dem Gelände auch ein spezielles Haus für alleinreisende oder traumatisierte Frauen. In dem Haus wurden 68 Bewohnerinnen aufgenommen. Zudem hatten wir in der Zeit der EAE 43 Geburten. Dabei gab es ein besonderes Highlight.

Das da wäre?

Schröder-Hörster: Eine Familie benannte ihr Kind als Dank nach einer Betreuerin hier im Haus: Ola.

Zurück zu den Menschen, die hier unterkamen. Was war mit den Jugendlichen?

Schröder-Hörster: Es gab eine Wohngruppe für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge. Das war zwar keine Landesaufgabe, aber eine Unterstützung für das städtische Jugendamt. Dort wurden 47 Jugendliche aufgenommen.

Hier gab es auch eine medizinische Erstversorgung. Wie viele Menschen haben Sie dort versorgt?

Schröder-Hörster: Das waren rund 2000.

Wie wurde die Einrichtung im direkten Umfeld angenommen?

Schröder-Hörster: Sehr gut: Wir hatten neben den Hauptamtlichen auch 124 ehrenamtlich engagierte Bürger, die hier tätig waren. Das waren Menschen aus Gievenbeck, den Vereinen oder Studenten.

Wie halfen die?

Schröder-Hörster: Es gab viele Angebote: Sprachkurse, gemeinsames Backen oder Kochen, Sport oder Ausflüge. Und es gab die Aktion „Grüne Beete“. Dort haben die Bewohner gemeinsam mit den Ehrenamtlichen und den Sozialarbeitern Hochbeete angelegt und insgesamt das Gelände in Schuss gehalten.

Gab es bedingt durch religiöse und damit verbunden ethnische Unterschiede auch Konflikte unter den Bewohnern?

Nießen: Hier lief es harmonisch ab. Wir waren zunächst eine Familieneinrichtung, später dann aber auch eine Einrichtung für alleinreisende Männer und Frauen. Wir hatten keine nennenswerten Auseinandersetzungen. Das hing aber vielleicht auch mit dem großen Freizeit-Angebot zusammen. Zudem sind die Menschen intensiv begleitet worden.

Wie fällt ihr persönliches Fazit der vergangenen zwei Jahre als Regionalvorstand der Johanniter aus?

Schröder-Hörster: Ganz viel Dankbarkeit gegenüber allen Mitarbeitern, die hier in allen Bereichen einen ganz fantastischen Job gemacht haben – viele deutlich über das normale Maß hinaus. Für uns als Regionalverband war es ein gutes Gefühl, an dieser – sagen wir mal „Front-Sozialarbeit“ – dabei gewesen zu sein.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5383832?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F
22-Jähriger räumt Brandstiftung ein
Beim Brand eines Schuppens an der Enscheder Straße entstand in der Nacht zum Sonntag hoher Sachschaden. Das Feuer wurde nach Angaben der Polizei gelegt.
Nachrichten-Ticker