Musical „Oliver! im Festsaal der Waldorfschule
Theaterspiel statt Matheunterricht

Münster-Gievenbeck -

28 Waldorfschüler haben für vier Wochen ihren Klassenraum mit dem schuleigenen Festsaal samt großer Bühne getauscht und proben für ein besonderes Wochenende: Vier Mal führen sie von Freitag bis Sonntag das Musical „Oliver!“ auf, angelehnt an den Roman „Oliver Twist“ von Charles Dickens.

Mittwoch, 14.03.2018, 18:03 Uhr

Noch bis Freitag haben die Akteure Zeit, am Feinschliff für das Musical „Oliver!“ zu feilen. Vier Aufführungen wird es im Festsaal geben.
Noch bis Freitag haben die Akteure Zeit, am Feinschliff für das Musical „Oliver!“ zu feilen. Vier Aufführungen wird es im Festsaal geben. Foto: kbö

Seinen kritischen Augen entgeht nichts. Jede noch so unscheinbar anmutende Kleinigkeit registriert Niklas Kutzora sofort. Sogar die falsche Position des geöffneten Bühnenvorhangs fällt dem Klassenlehrer des achten Jahrgangs der Waldorfschule ins Auge. Die 28 Jugendlichen haben für vier Wochen ihren Klassenraum mit dem schuleigenen Festsaal samt großer Bühne getauscht und proben für ein besonderes Wochenende: Vier Mal führen sie von Freitag bis Sonntag das Musical „Oliver!“ auf, angelehnt an den Roman „Oliver Twist“ von Charles Dickens.

Die Schüler sind in die gesamte Produktion rund um die Aufführung einbezogen: „Alle machen mit“, sagt Niklas Kutzora. „Derer Aufgaben gibt es viele, sowohl auf der Bühne wie auch davor und dahinter. Bühnenaufbau, Gestaltung des Programmhefts, Werbung, Plakate – es gibt viel zu tun.“

Besonders erfreut sind Kutzora und seine Kollegin Elke Schönfeld-Terhaar, die für den musikalischen Part der Aufführungen hauptverantwortlich zeichnet, über die Zusammenarbeit mit dem Freien Musical Ensemble (FME) Münster. „Das FME nutzt diesen Saal ja für seine Auftritte. Diese Kooperation zeigen wir jetzt auch zusammen auf der Bühne“, so der Pädagoge.

Will heißen: „Das Orchester wird vom Ensemble gestellt“, berichtet Elke Schönfeld-Terhaar. Bereits vor vier Jahren habe es eine ähnliche Zusammenarbeit gegeben.

Solche Theaterprojekte sind nach Aussage Kutzoras in den achten Klassen obligatorisch: „Das gehört fest ins pädagogische Konzept.“ Die Proben erstrecken sich über vier Wochen – und das ganztägig. „Wir haben von morgens bis teilweise sogar sieben Uhr abends geprobt“, sagt Kutzora. Sonstiger Unterricht finde nicht statt, wie Elke Schönfeld-Terhaar ergänzt: „Es ist eine Epoche, in der es nur das Theaterspiel gibt.“

In der achten Klasse gebe es ein eigenes Fach unter dem Titel „Theaterspiel“. Das Besondere: „Dieses Fach bieten wir eben nicht einmal in der Woche an, sondern haben es konzentriert in eine Epoche gepackt. Und dieses Fach wird am Ende des Schuljahrs auch bewertet.“

Damit ein Stück wie „Oliver!“, das in den 1850er-Jahren in London spielt, auch optisch wirkt, ist eine entsprechende Kostümierung nötig. „Wie beim Bühnenbau hatten wir auch bei den Kostümen Hilfe zahlreicher Eltern“, berichtet Kutzora. Allerdings war es immer die Maßgabe, die Schüler mit anzuleiten: „Es ging nicht darum, den Job für die Schüler zu erledigen.“ Zudem habe die Waldorfschule das Glück, Kontakte zum Stadttheater zu haben und könne sich in dessen Kostüm-Fundus bedienen.

Ein derart aufwendiges Theaterprojekt bedarf natürlich auch eines gewissen Vorlaufs. So lasen die Schüler den Roman zuvor komplett im Deutschunterricht. Auch im Geschichts-Unterricht wurde die Zeit der Industrialisierung umrissen. Kutzora: „Das war das Fundament, das wir für das Theaterprojekt gelegt haben.

Schauten sich die Schüler den Film zuvor an? „Nein“, sagt der Pädagoge. „Wir wollten im Vorfeld nicht Bilder bei den Schülern verfestigen.“ Die Jugendlichen sollten selbst die Möglichkeit haben, zu ihrer Rolle zu finden und keinen Schauspielern nacheifern.

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Vier Aufführungen stehen nun an, „Oliver!“ ist in zwei Besetzungen zu sehen. Die erste Aufführung findet am Freitag (16. März) um 9 Uhr für die gesamte Waldorfschule sowie Gäste anderer Schulen statt. Die Abendvorstellung beginnt um 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen: Samstag (17. März) um 19.30 Uhr sowie Sonntag (18. März) um 16.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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