Mitten in Gievenbeck steht ein Relikt der Kabel-Kommunikation
Zeitreise in der Telefonzelle

MÜNSTER-GIEVENBECK -

Noch begegnen wir ihnen täglich. Aber ihre Zahl nimmt ständig ab. Sterben die Telefonzellen aus?

Mittwoch, 22.08.2018, 18:36 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 22.08.2018, 05:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 22.08.2018, 18:36 Uhr
Der Hörer in Telekom-Magenta, der Apparat in solider Metall-Optik, zudem ein wenig Müll, welke Blätter und abblätternde Farbe, bei der das alte Post-Gelb durchschimmert: So präsentiert sie die Telefonzelle in Gievenbeck. Sie stinkt, aber sie funktioniert.
Der Hörer in Telekom-Magenta, der Apparat in solider Metall-Optik, zudem ein wenig Müll, welke Blätter und abblätternde Farbe, bei der das alte Post-Gelb durchschimmert: So präsentiert sie die Telefonzelle in Gievenbeck. Sie stinkt, aber sie funktioniert. Foto: jans

Die Zeitreise beginnt mit einem raschen Seitenblick aus dem Autofenster. Tatsächlich: Dort an der Ecke Arnheimweg/Von-Esmarch-Straße steht noch so ein Relikt aus längst vergangenen Festnetz-Tagen: eine Telefonzelle. Mal sehen, wie sie sich über die Jahre so gehalten hat.

Erster Eindruck: Eigentlich fällt sie gar nicht weiter auf. Sie passt sich in den Alltag ein. Das elegante Telekom-Grau der Außenhaut ist ein wenig verblasst und mit Graffiti sowie Aufklebern bedeckt, die die Konturen des Häuschens auflösen und so die Tarnung erleichtern. Das Dächlein in der Firmenfarbe Magenta hat ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen. Immerhin erlaubt die Farbwahl eine annähernde Datierung: In den 1990er-Jahren des vorigen Jahrhunderts lösten solche Telekom-Häuschen allmählich ihre knallgelben Post-Vorgänger ab.

In denen hielten seit Jahrzehnten Menschen Kontakt miteinander, für die Handys noch Science-Fiction waren. Hier rasselte das Geld meist viel zu schnell durch, wenn es denn überhaupt fiel. Oft genug hatten die Münzfernsprecher nämlich so ihre Macken. Dann konnte man seine Liebste oder seinen Liebsten eben nicht erreichen und mit einem dringenden Anruf beim Arzt oder Arbeitgeber wurde es auch schwierig.

Ausdünstungen

Und jetzt? In der Gievenbecker Zelle steigt dem Telefonierwilligen zunächst ein Querschnitt menschlicher Ausdünstungen in die Nase. Irgendwie roch es ja in den Zellen nie gut, aber hier stinkt es richtig. Wer immer von hier aus anrufen möchte, wird wohl schon aus Selbstschutz jenen Spruch berücksichtigen, der einst als Maxime öffentlichen Telefonierens galt: „Fasse dich kurz!“

Das Münz- und Kartentelefon in der Zelle macht indes einen besseren Eindruck. Nach Abheben des Hörers tutet das Freizeichen. Hier kann man also immer noch ganz altmodisch per Draht telefonieren. Aber wo geht das eigentlich in Münster noch? Und wie viele solcher öffentlicher Fernsprecher gibt es?

20 000 Zellen

George-Stephen McKinney von der Pressestelle der Deutschen Telekom nennt auf diese Fragen hin nur eine einzige Zahl: 20 000. So viele öffentliche Telefone seien bundesweit noch in Betrieb. Und vor Ort? „Wir halten diese Zahlen für externe Kommunikation nicht vor“, so McKinney. Aus Kostengründen würden „Standortzahlen nur für den Fall erstellt, dass ein operativer/ geschäftlicher Anlass vorliegt.“ Neugier reicht nicht.

Ein kurzer Blick ins Netz ergibt aber zumindest noch einen Vergleichswert. Wikipedia listet nämlich auf, dass es im Jahr 2000 noch knapp 160 000 Telekom-Telefonzellen in Deutschland gab. Heute gebe es hier hingegen 126 Millionen SIM-Karten für mobile Kommunikation, ergänzt McKinney. Da wird die gute alte Telefonzelle fast zum Solitär. „Eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Telefonstellen wird allerdings nach wie vor von der Telekom sichergestellt“, so Firmensprecher McKinney weiter.

Telefonhörer-Symbole

Wer trotzdem wissen will, wo die nächste Telefonzelle steht, findet diese im Internet auf www.openstreetmap.de. In den dortigen Karten bezeichnen kleine Telefonhörer-Symbole öffentliche Fernsprecher. Dort kann dann jeder mal zu seiner persönlichen Zeitreise vorbeischauen.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5990887?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F
Zunge „verschluckt“ – Mitspieler reagiert geistesgegenwärtig
Wenn einem Kicker die Zunge in den Rachen rutscht, droht schnell Ersticken. Marcel Bösel (kl. Bild re.) hat seinem Mitspieler Marcel Ameis (li.) durch geistesgegenwärtiges Handeln wahrscheinlich das Leben gerettet.
Nachrichten-Ticker