Jürgen Velsinger persönlich
Schulleiter mit Blick aufs Globale

Münster-gievenbeck -

„Ich bin völlig neu in dieser Ecke“, sagt Jürgen Velsinger. Der Direktor des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums schaut sich lächelnd in seinem Büro um, meint aber auch die weitere Umgebung. Ein Porträt:

Dienstag, 28.08.2018, 18:38 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 28.08.2018, 18:38 Uhr
Der Freiherr vom Stein schaut in seinem Gymnasium noch ein wenig kritisch von der Wand. Der neue „Stein“-Schulleiter Jürgen Velsinger hingegen hat in Zukunft viel vor.
Der Freiherr vom Stein schaut in seinem Gymnasium noch ein wenig kritisch von der Wand. Der neue „Stein“-Schulleiter Jürgen Velsinger hingegen hat in Zukunft viel vor. Foto: jans

Der Nachfolger der langjährigen Stein-Rektorin Karin Park-Luikenga und des kommissarischen Schulleiters Jürgen Sarpe muss mit „seinem“ neuen Stadtteil zunächst vertraut werden, auch wenn er mit Ehefrau Doris im fast benachbarten Kreuzviertel lebt. Ein Stadtteilrundgang („Münster vior Ort“) half vor einigen Wochen dabei, Velsinger Gievenbeck näher zu bringen. Aber der Schulleiter weiß, dass es noch viel erkunden gibt.

In den nächsten Tagen wird der 60-Jährige gebürtige Isselburger zunächst seine 93 Kollegen am Stein-Gymnasium und dann nach und nach die über 900 Schülerinnen und Schüler seiner Schule kennenlernen. „Die erste Woche wird ziemlich heftig“, weiß Velsinger.

Ist er nervös? Der Rektor schüttelt den Kopf. „Ich war nervös“, sagt er, wenn er an die Schulkonferenz im Juni denkt, die ein Votum zu seiner Bewerbung als Direktor abgeben musste. Jetzt ist er sich der Unterstützung von Kollegen und Verwaltungsmitarbeitern sicher: „Das trägt!“

Der Pädagoge kann sich auch auf seine langjährige Erfahrung stützen. Er machte Abitur in Bocholt und studierte nach dem Zivildienst in Münster Anglistik und Evangelische Theologie auf Lehramt. 1981/82 verbrachte er ein Auslands-Semester in Edinburgh. Sein Examen legte er Ende 1985 ab.

Dann hätte Velsingers Weg eigentlich an die Schule führen können. Aber es kam anders. „Die Berufsperspektiven waren nicht sonderlich rosig“, erinnert sich der neue Schulleiter.

Von 1986 bis 1990 arbeitete er daher zunächst in der Erwachsenenbildung des Kirchenkreises Steinfurt. Von 1990 bis 1992 war er dann Referendar am Laurentianum in Warendorf. Ab 1993 arbeitete er im Städtischen Gymnasium in Ahlen. Von dort wechselt er im Schuljahr 2007/8 zum Gymnasium Wolbeck.

Ab 2009 verbrachte Velsinger drei Jahre als „Außendienstlehrkraft“ an der deutschen Schule in Barcelona. Dann kehrte er nach Wolbeck zurück und wurde dort stellvertretender Schulleiter. Für die Schulleiterstelle in Gievenbeck bewarb er sich im Frühjahr 2018.

Viele Erfahrungen, die Velsinger insbesondere in seinen Tätigkeiten außerhalb des „normalen“ schulischen Kanons machte, möchte er nun in seinen neuen Wirkungskreis am Stein-Gymnasium tragen. Er will den Schülern die „globalen Verflechtungen“ näher bringen. Es müsse dabei deutlich werden, dass Sprache dazu diene, Bildung und Können zu präsentieren, betont er. Es gelte daher, möglichst früh Auslands-Erfahrungen zu machen.

Mit dieser Ansicht dürfte Velsinger am Stein-Gymnasium richtig aufgehoben sein. Die Gievenbecker Schule unterhält unter anderem internationale Beziehungen nach Spanien, Italien, Frankreich, England, Südamerika und in die Niederlande. Velsinger möchte diese Auslandsbeziehungen intensivieren. „Ich fände es gut, wenn wir Kontakte hätten, die unseren Schülern Auslands-Praktika ermöglichen“, betont er.

Im Bereich internationale Beziehungen hat er zudem noch eine andere Idee. Er könnte sich die Teilnahme seiner Schule an „Model-United-Nations“-Konferenzen vorstellen. Dabei machen sich Schüler und Schülerinnen mit weltpolitischen Positionen verschiedener Länder vertraut und vertreten diese in einem Plenum. Für ihr Heimatland dürfen sie dabei nicht sprechen. Themen sind beispielsweise Abrüstung, Umweltschutz oder Wissenschaftstransfer. Verhandelt wird auf Englisch.

„Wir müssen hier damit anfangen“, betont Velsinger: „Das ist noch nicht da.“ Entsprechend fächerübergreifende Kooperationen werden an der Schule nötig sein, aber, so der Schulleiter weiter: „Theoretisch könnten wir im März 2019 an einer solchen Konferenz teilnehmen.“

Bis dahin hat der neue Mann am „Stein“ aber auch noch einiges mehr zu tun. Es stehen diverse Antrittsbesuche an. Unter anderem will er sich bei der Bezirksvertretung Münster-West, bei den übrigen Gievenbecker Schulen sowie bei den Kirchengemeinden vorstellen und insgesamt verstärkt auf die örtlichen Einrichtungen zugehen. Er möchte seine Schule im Stadtteil „stärker präsentieren“.

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