Interview mit Stein-Direktor Jürgen Velsinger
„Bin schon etwas sattelfester“

Münster-Gievenbeck -

Die 100-Tage-Frist ist verstrichen, so lange ist Jürgen Velsinger in seinem Amt. Im Interview spricht er über seinen Start und was ihn künftig bewegt.

Donnerstag, 20.12.2018, 17:18 Uhr aktualisiert: 21.12.2018, 18:00 Uhr
Jürgen Velsinger ist seit (über) 100 Tagen im Amt – und hat sich bestens eingelebt am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium.
Jürgen Velsinger ist seit (über) 100 Tagen im Amt – und hat sich bestens eingelebt am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Foto: Kay Böckling

Die 100-Tage-Frist ist verstrichen, so lange ist Jürgen Velsinger in seinem Amt. Der Pädagoge trat kurz vor den Sommerferien die Nachfolge von Karin Park-Luikenga als Rektor des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums an. Nach der Sommerpause ging es dann zur Sache. Mit dem neuen Schulleiter sprach unser Redakteur Kay Böckling .

Herr Velsinger, die 100-Tage-Frist ist in Ihrem Fall eher ein symbolischer Zeitrahmen, eigentlich sind Sie ja ein paar Tage länger im Amt. Haben Sie sich schon eingelebt?

Velsinger: Ich habe mich sehr gut eingelebt. Schule ist an bestimmten Punkten immer gleich. Allerdings hat jede Schule – und das ist das Gute – ihre eigenen Spezifika. Die galt es zunächst kennenzulernen. Es gab sehr viel Informationsbedarf. Ich habe von den verschiedenen Gruppen, die hier in der Schule unterwegs sind, sehr viel Unterstützung erfahren. Das habe ich als sehr positiv empfunden. Daher fühle ich mich schon etwas sattelfester, als das zu Beginn der Fall war.

In einem unserer ersten Gespräche sagten Sie: „Die erste Woche nach den Ferien wird der Hammer.“ Bewahrheitete sich diese Prognose?

Velsinger: Die erste Woche war natürlich stürmisch. Wir hatten zum Schulbeginn leider den Tod eines langgedienten Kollegen zu beklagen, der uns im Bereich der Verwaltung enorm unterstützte. Dieses bestürzende Ereignis hat uns auch intern sehr mitgenommen. Und dann waren die klassischen Ereignisse, die einfach laufen mussten. Der erste Schultag der Klasse fünf beispielsweise. Insgesamt ist viel Organisatorisches zu beachten. Aber auch da bin ich gut durchgeleitet worden.

Sie waren zuvor in Wolbeck tätig. Welche Unterschiede gibt es zum Stein?

Velsinger: In Wolbeck gibt es ein Schulzentrum, was ganz andere Notwendigkeiten mit sich bringt, wie beispielsweise die Absprache der einzelnen Schulformen. Das Schulzentrum in Wolbeck hat rund 2000 Schüler. Aber ähnlich wie in Gievenbeck gibt es auch in Wolbeck einen Stadtteilbezug.

Gibt es etwas, das Sie sich vorgenommen aber bislang noch nicht umgesetzt haben?

Velsinger: Meine Kontakte zur Bezirksvertretung – also zum Kommunalpolitik – zu aktivieren. Das steht noch auf meiner To-do-Liste. Dort stehen auch die noch ausstehenden Kontakte zu den Grundschulen.

Ergreift man den Beruf des Lehrers, möchte man Wissen vermitteln. Als Direktor haben aber die administrativen Aufgaben Vorrang. Wie passt das bei Ihnen zusammen?

Velsinger: Ich habe mich an dem Punkt des Lehrens nicht zurückgelehnt. Ich habe zum Beispiel zwei Einführungs-Kurse in Englisch übernommen – mit Klausurverpflichtungen und allem Drum und Dran. Grundsätzlich ist es so: Ich möchte auf den Unterricht nicht verzichten. So werde ich im zweiten Halbjahr ein Projekt starten, was die Schule bislang noch nicht kannte.

Das wäre?

Velsinger: Es trägt den Titel „Model United Nations“. Dahinter steckt die Idee, dass die Schüler in die Rolle von Diplomaten der Vereinten Nationen schlüpfen. Entwickelt wurde das Modell unter anderem in Holland. Hunderte von Schülern kommen dort zu Konferenzen zusammen und diskutieren. Die Sprache: Englisch. Bereits im Juni des nächsten Jahres sollen unsere Schüler eine solche Konferenz in Alkmaar besuchen.

Ein Blick in die Zukunft: In Ihrer Nachbarschaft entsteht das Oxford-Quartier. Inwieweit sind Sie im Planungsprozess involviert und was erwarten Sie von der Entwicklung des Areals?

Velsinger: Zunächst sind wir sehr froh, dass uns die Stadt in eine Machbarkeits-Studie integriert hat. Dabei geht es unter anderem darum, dass sich der Schulträger auf höhere Anforderungen im Bereich „Weiterführende Schule / Gymnasium“ einrichtet und uns bei Bedarf eventuell einen guten Ausbau ermöglicht. Der andere Punkt ist der, dass wir bei den anstehenden Projekttagen das Quartier einbeziehen – unter anderem zum Thema „Wasser“. Mit Hilfe des Immobilienmanagements und anderer Experten werden wir dort beispielsweise Gewässerproben entnehmen. Zudem soll es Projekte im Bereich Erdkunde – Stadtgeografie – geben.

Sie sprachen die Kooperation mit anderen Schulen an. Eine solche pflegen Sie auch mit der Friedensreich-Hundertwasser-Schule in Roxel. Nun kommt der Vorschlag auf den Tisch, diese in eine Gesamtschule umzuwandeln. Was sagen Sie dazu?

Velsinger: Das ist schwer zu beantworten. Auffällig ist die aktuell hohe Zahl der Absagen an den Gesamtschulen. Das ist ein Problem, dem sich letztlich auch der Schulträger zu stellen hat. Das diesbezüglich Lösungen gefunden werden sollen und müssen, halte ich für notwendig. Wenn man bedenkt, dass die Stadt Münster weiter wächst, wird der Druck diesbezüglich natürlich riesig. Das alles sind komplexe politische Entscheidungen, die zuerst einmal mit Feingefühl diskutiert werden müssen, und da werden wir in der Position der Zuschauer sein. Wie immer das auch ausgehen wird muss man sagen: Wir sind dazu verpflichtet, hier gemeinsam etwas für die Schüler hinzubekommen. Ganz unabhängig von den Schulformen sind wir dazu aufgerufen uns zu fragen: Wo ist das Beste für das Kind zu finden?

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