Philippistraße 13
Mieter sind stocksauer auf LEG

Münster-Gievenbeck -

Die Situation ist verworren und kompliziert: Während die eine Seite von „zum Teil unzumutbaren Wohn- und Mietverhältnissen“ spricht, ist sich die Vermieterin selbst keiner Schuld bewusst. Konkret geht es um ein Mehrfamilienhaus mit über 50 Wohnungen auf 13 Etagen. Adresse: Philippi­straße 13. Dort hängt der Haussegen mehr als schief. Die Immobilie gehört der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG).

Donnerstag, 14.02.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 18:06 Uhr
Philippistraße 13: Dort gehen die Mieter auf die Barrikaden.
Philippistraße 13: Dort gehen die Mieter auf die Barrikaden. Foto: Kay Böckling

Ortstermin mit dem Bezirksbürgermeister. In ihrer Not wenden sich die Mieter an Stephan Brinktrine. Sie hoffen, dass wenigstens die Politik etwas erreicht.

Eins wird am Ende dabei herauskommen: Auch der Kommunalpolitiker wird nicht das Ei des Kolumbus entdecken. Aber will versuchen, ein vermittelndes Gespräch auf die Beine zu stellen: „Vielleicht erhöht das Gespräch das Verständnis füreinander.“ Denn: „Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte“, sagt er, nachdem ihm neben den Vorwürfen aus der Mieterschaft auch die Stellungnahme der LEG vorliegt.

„Wir sind mit der Wohnsituation äußerst unzufrieden“, eröffnet einer der Mieter, die zum Großteil namentlich nicht genannt werden wollen, das Gespräch mit Brinktrine. Reparaturen, die in die Zuständigkeit der LEG fielen, – klein wie groß – würden gar nicht oder erst nach Androhung juristischer Schritte erledigt.

Kommunikation sei schlicht unmöglich. Ein Beispiel: „Ich habe das Verwaltungsgebäude an der Hammer Straße aufgesucht. Da hat man mich nicht reingelassen. Und als ich über das Handy angerufen habe, legten die einfach auf.“ Die auf dem Schwarzen Brett im Hausflur zu lesende Nummer der Hotline habe er ebenfalls angerufen: „Da ruft man in Neubrandenburg an.“ Wenn man dort den Schaden melde – auch als Notfall – passiere nichts.

Das bestätigt eine andere Mieterin: „Ich hatte drei Monate lang kein Warmwasser.“ Vor zwei Jahren sei das gewesen: „Von Mitte April bis Anfang August.“ Sie habe den Beschwerdeverlauf genau protokolliert: „Ich habe morgens, mittags und in der Nacht angerufen.“ Ihre Nachbarin habe über Monate in einer kalten Wohnung gesessen.

Wieder übernimmt der Hauptbeschwerdeführer: „Ein Problem haben wir seit November: Wir schalten den Herd an, und nach ein paar Minuten fliegt die Hauptsicherung raus. Der Herd ist in Ordnung. Dann habe ich das gemeldet – nichts.“ Seit Monaten sei zudem der Feuermelder defekt: „Ein absolutes Sicherheitsrisiko.“

Dann schaltet sich eine ältere Dame ein, die nach eigenem Bekunden seit Jahrzehnten dort lebt: „Anders als früher gibt es hier gar keinen Hausmeister – seit die LEG Eigentümer dieser Häuser ist.“ Dennoch tauchten Kosten für einen Hausmeister-Service auf: „Ich habe Abrechnungen, da muss ich 54 Euro für einen Hauswart bezahlen. Für einen Hausmeister, der nie hier ist.“ Für ein wenig Ordnung sorge der ehemalige Hausmeister, der bis vor zehn Jahren auch in diesem Haus tätig war und noch dort lebe.

Und wie geht´s nun weiter? Brinktrine kennt auch die andere Seite und die Argumente der LEG (siehe weiterer Artikel auf dieser Seite). Er will nun ein vermittelndes Gespräch arrangieren.

Überrascht ob der schweren Vorwürfe ist man bei der LEG. Es sei „schwer, das alles nachzuvollziehen, vor allem, wenn wir keine Namen kennen“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Somit könne man häufig nur pauschal antworten.

In einer Stellungnahme heißt es unter anderem, dass „wir als LEG natürlich in erster Linie zufriedene Mieter haben möchten und selbstverständlich ihre Anliegen sehr ernst nehmen“. Zunächst bezieht man in den Zentrale in Düsseldorf Stellung zu dem Hausmeister-Vorwurf: „Unser zuständiger Hauswart ist täglich häufig mehrere Stunden in der Wohnanlage unterwegs, insbesondere im Haus 13. Gerade als der langjährige, gute Mitarbeiter, der er ist, nimmt er seine Aufgaben sehr genau und verantwortungsbewusst wahr.“

Und was ist mit den ausstehenden Reparaturarbeiten und den juristischen Drohungen? „Dieser Aussage widersprechen wir entschieden. Vermeintliche Reparaturarbeiten, die im Hause Philippistraße 13 über Mietervereine oder Rechtsanwälte angemahnt werden mussten, sind uns nicht bekannt.“ Zum monatelangen Ausfall des Warmwassers heißt es: „Hierzu haben wir in unserem Reparaturportal, dass sämtliche Meldungen an uns erfasst, keine entsprechende Schadensmeldung vorfinden können, die über einen so langen Zeitraum angeblich nicht bearbeitet worden ist.“

Bezüglich des Feuermelders lasse man – wie gesetzlich vorgeschrieben – „unsere Bestände turnusmäßig von Fachleuten begehen“. Am 21. Dezember habe die letzte Begehung mit dem externen Brandschutzexperten stattgefunden. „Dort ist nichts zu diesem Thema vom Fachmann im Protokoll vermerkt worden.“

Den direkten Besuch im münsterischen Verwaltungsgebäude empfiehlt die LEG indes nicht. Es gebe verschiedene Kanäle, das jeweilige Anliegen zu melden: Kontakt zum zentralen Kundenservice sei per Telefon oder E-Mail möglich. „Für Notfälle und andere Schadensmeldungen steht zusätzlich der Reparatur-Service der Firma B&O bereit, der für unsere Mieter in Notfällen rund um die Uhr erreichbar ist. Oft werden die Schäden hier noch am Meldetag selber behoben.“

Bliebe noch zu klären, warum ein Anruf in Neubrandenburg landet: „Es handelt sich um die Vorwahl von Bad Aibling, dem Standort von unserem Kooperationspartner für Reparaturmeldungen, der Firma B&O. Da unsere Mieter den Reparaturservice rund um die Uhr – 24 Stunden und sieben Tage die Woche – kontaktieren können, werden Anrufe ab 18 Uhr an die Mitarbeiter von B&O am Standort Neubrandenburg/Berlin weitergeleitet, da dort die Spätschicht arbeitet.“

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