Straßenname im Oxford-Quartier
"Gumprichstraße" erinnert an die Auslöschung einer Familie

Münster-Gievenbeck -

Eine Familie wird systematisch zerstört. Jetzt erinnert ein Straßenname an sie – und damit auch an das, was diesen Menschen angetan wurde.

Mittwoch, 13.03.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 13.03.2019, 15:13 Uhr
Vom ehemaligen Haupteingang der Oxford-Kaserne (im Bild) soll die Gumprichstraße künftig als zentrale Achse des Quartiers durch das Gelände führen und den „Grünen Trichter“ mit abgrenzen.
Vom ehemaligen Haupteingang der Oxford-Kaserne (im Bild) soll die Gumprichstraße künftig als zentrale Achse des Quartiers durch das Gelände führen und den „Grünen Trichter“ mit abgrenzen. Foto: Oliver Werner

Zwölf Wege sind im neuen Oxford-Quartier zu benennen. Auf Anregung der SPD in der Bezirksvertretung Münster-West sollen die Straßen im neu zu entwickelnden Stadtviertel nach meist weiblichen Opfern von Krieg und Gewalt genannt werden. Die Vorschläge für die Namen haben die Autorinnen des Buches „Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945“, Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer, gemacht.

Doch wer steckt hinter den zwölf Namen? Wir verwenden in loser Reihenfolge die Erläuterungen des öffentlichen Verwaltungsvorschlags als Textgrundlage.

Gumprichstraße:

Diese zentrale Verbindung im neuen Oxford-Quartier führt vom alten Kaserneneingang an der Roxeler Straße durch das ganze Areal und formt das künftige Erholungsgebiet am „Grünen Trichter“, indem sie schließlich zur Gievenbecker Reihe abbiegt.

Die Straße trägt den Namen der Familie Gumprich. „Das jüdische Ehepaar Albert und Irma Gumprich wurde mit seinen vier Kindern 1943 bis 1945 im KZ Auschwitz beziehungsweise Buchenwald ermordet“, heißt es auf dem Zusatz, der laut Vorschlag der Verwaltung einmal am Straßenschild angebracht werden könnte.

Pferdehandlung

Der 1892 in Borghorst geborene Albert Gumprich kam 1920 nach Münster. dort übernahm er die Pferde- und Viehhandlung seines späteren Schwiegervaters Levy Nathan an der Wolbecker Straße. Mit seiner Ehefrau Irma, die er 1922 geheiratet hatte, wohnte Gumprich bis nach dem Novemberpogrom 1938 an der Kanalstraße.

Durch die Juden-Diskriminierung seit Beginn der Naziherrschaft liefen Gumprichs Geschäfte immer schlechter. Die Grundlage seiner Existenz verlor er, als 1938 sein Wandergewerbeschein eingezogen wurde. Es folgte die Sperrung von Gumprichs Vermögen. Nach der Pogromnacht wurde Gumprich möglicherweise zeitweilig inhaftiert. Schließlich gab er Brasilien als Auswanderungsziel an. Die Familie musste umziehen und fand Unterkunft im „Judenhaus“ an der Hermannstraße 44.

Nach Verkauf ihrer vier Grundstücke und dem Abzug der „Judenvermögensabgabe“ blieb den Gumprichs kaum noch Geld zum Überleben. Albert Gumprich arbeitete beim Tiefbau. Auch Ehefrau Irma musste ihr Erbteil, Ackerland in Gievenbeck, verkaufen, nachdem sie erklärt hatte, auswandern zu wollen.

Handwerker

Der 1923 geborene Sohn Rudolf zog 1940 nach Köln, wurde Handwerker und lernte Schweißen. 1941 kam er nach Münster zurück. Die 1925 geborene Gumprich- Tochter Ruth-Marianne war wie ihr Bruder Mitglied im „Bund Deutsch-Jüdischer Jugend“. Wie Rudolf und Ruth-Marianne besuchte auch die 1928 geborene Tochter Sonja-Emma Gumprich die jüdische Schule in Münster. Am 3. März 1940 kamen im Franziskus-Hospital die Zwillinge Uri und Dan Gumprich zur Welt. Dan starb sieben Wochen später.

Am 27. Januar 1942 wurde die Familie Gumprich ins Ghetto nach Riga deportiert. Albert Gumprich starb dort am 10. Juni 1942. Trotz Schreibverbots konnte Irma Gumprich diese Nachricht noch an ihre Schwester übermitteln. Nach Auflösung des Ghettos in Riga wurden Irma Gumprich sowie die Kinder Ruth-Marianne, Sonja-Emma und Uri im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

KZ Buchenwald

Rudi Gumprich wurde beim Heranrücken der russischen Armee 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig gebracht und dann ins KZ Buchenwald geschickt. Er starb dort am 8. März 1945, vier Wochen vor der Befreiung des Konzentrationslagers.

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