Lesung in Flüchtlingsunterkunft
Erfahrungen eines Juden in Neukölln

Münster-Gievenbeck -

Anlässlich der Wochen gegen den Rassismus – seit über 20 Jahren finden sie regelmäßig um den 21.März statt – wurde in der Flüchtlingsunterkunft Von-Esmarch-Straße eine Ausstellung der Illustratorin und interkulturellen Psychologin Soufeina Hamed gezeigt. Zudem fand mit guter Resonanz eine Lesung in den Verwaltungsräumen statt.

Freitag, 15.03.2019, 18:54 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 18:12 Uhr
Autor und Publizist Armin Langer las aus seinem Buch „Ein Jude in Neukölln“ in der Flüchtlingseinrichtung Von-Esmarch-Straße
Autor und Publizist Armin Langer las aus seinem Buch „Ein Jude in Neukölln“ in der Flüchtlingseinrichtung Von-Esmarch-Straße Foto: ann

Das Buch „Ein Jude in Neukölln“ von Armin Langer habe, wie die Leiterin der Einrichtung, Dihia Wegmann , bei der Begrüßung erklärte, „Wissenslücken“ bei ihr geschlossen, und sie sei dankbar, dass das Sozialamt eine Einladung des in Berlin lebenden Autoren und Publizisten ermöglichst habe.

Armin Langer ist in Ungarn aufgewachsen, zum Judentum übergetreten und hat Philosophie, Soziologie und jüdische Theologie studiert. Dass das Verhältnis von Juden und Muslimen auf Feindschaft reduziert und nur im Spannungsfeld Juden-Palästinenser oder Juden-Muslime gesehen werde, stört ihn sehr.

Als ein interreligiöser Aktivist gründete er 2013 die Salaam-Shalom-Initiative im stellenweise arabisch geprägten Neukölln. „Ich weigere mich, Araber als Feinde zu sehen“, sagte er und berichtete von einer Begegnung mit Kippa und Davidstern während eines palästinensischen Straßenfestes. „Es gab viele, die mich vorher gewarnt haben, aber niemand wurde verprügelt.“

Seiner Meinung nach werde von den Medien der Eindruck vermittelt, der Antisemitismus würde mit den arabischen Flüchtlingen nach Deutschland transportiert, obwohl er – seiner Empfindung nach – hier eigentlich immer latent und in der letzten Zeit zunehmend zu spüren sei. Diese Entwicklung beunruhige ihn.

Er lebe in Berlin in einer migrantisch geprägten Parallelgesellschaft, habe schon viele Hassmails erhalten und sei bedroht worden. Humor sei ein Weg damit umzugehen.

Und man müsse mit den Menschen sprechen. „Nicht sprechen ist keine Lösung“, sagt er. „Ich kann nicht alles sofort verändern, aber ich kann einen kleinen Beitrag leisten.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6473825?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F
Traktoren-Korso bremst am Dienstag den Verkehr aus
Bereits im April 2019 demonstrierten Landwirte aus dem Münsterland mit ihren Traktoren in Münster. 
Nachrichten-Ticker