Straßennamen im Oxford-Quartier: Nanny-Katz-Weg
Letzte Hoffnung Palästina

MÜNSTER-GIEVENBECK -

Ihre Auswanderung war längst vorbereitet, aber die Nazis ermordeten sie im KZ. Nun soll eine Straße nach ihr benannt werden.

Donnerstag, 13.06.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 13.06.2019, 18:52 Uhr
Der Verkehr rauscht am Eingang zum künftigen Oxford-Quartier vorbei. Eine der neuen Straßen dieses Stadtviertels soll nach Nanny Katz benannt werden, Sie wurde im KZ Treblinka ermordet.
Der Verkehr rauscht am Eingang zum künftigen Oxford-Quartier vorbei. Eine der neuen Straßen dieses Stadtviertels soll nach Nanny Katz benannt werden, Sie wurde im KZ Treblinka ermordet. Foto: Matthias Ahlke

Zwölf Wege sind im neuen Oxford-Quartier zu benennen. Nach politischem Beschluss sollen Frauennamen verwendet werden. Doch wer steckt hinter den Namen? Wir verwenden in loser Reihenfolge die Erläuterungen des öffentlichen Verwaltungsvorschlags als Textgrundlage. Heute: Nanny-Katz-Weg

Nanny Katz (geborene Löwenstein) kam am 2. Mai 1870 in Ibbenbüren zur Welt. Sie war die dritte Ehefrau des 18 Jahre älteren Metzgers Eli Katz (1852-1935), den sie 1906 geheiratet hatte und der drei Kinder mit in die Ehe brachte.

Nach der Hochzeit wohnte Nanny Katz in Münster. Bis 1925 betrieb ihr Mann eine koschere Metzgerei („Ochsen-, Kalb- und Hammelmetzgerei“), deren Hauptkundschaft sich aus der christlichen Bevölkerung rekrutierte.

Zwangsverkauf

Aus der Ehe gingen 1907 und 1910 zwei Kinder hervor. Eli Katz starb 1935, nachdem er lange Jahre gelähmt und bettlägerig gewesen war. Nanny Katz wohnte mehr als 30 Jahre lang im eigenen Haus in der Bernhardstraße 12. Nach dem Zwangsverkauf am 27. April 1939, dessen Erlös auf ein Sperrkonto kam, wurde sie am 15. August 1939 in das „Judenhaus“ Hermannstraße 44 eingewiesen. Dort bewohnte sie für zehn Reichsmark Miete einen Dachgeschossraum.

Per „Sicherungsanordnung“ wurde ihr Konto im November 1939 zur Sicherstellung der „Reichsfluchtsteuer“ gepfändet, und ihr stand monatlich lediglich ein festgesetzter Betrag zur Verfügung, der im Laufe der Zeit immer weiter heruntergesetzt wurde.

„Edelmetallabgabe“

1939 wurden Nanny Katz im Rahmen der „Edelmetallabgabe“ Besteck und Schmuck entzogen. Am 3. Februar 1942 musste sie in das letzte münsterische „Judenhaus“ Am Kanonengraben 4 ziehen. Sie teilte sich dort einen Raum mit drei weiteren Frauen.

Nanny Katz hatte ihre Auswanderung bereits vor-bereitet, aber der Versuch ihrer beiden in Palästina lebenden Kinder, für sie eine Einreisegenehmigung in dieses Land zu bekommen, blieb angesichts der restriktiven Zuwanderungspolitik der britischen Mandatsmacht vergeblich.

Deportation

In wöchentlichen Briefen berichtete Nanny Katz ihrem Sohn Walter in Palästina über die Ereignisse in Münster, über ihre Auswanderungsvorbereitungen und schilderte den Verkauf ihrer Möbel, die sie bei ihrem Umzug in die „Judenhäuser“ nicht hatte mitnehmen kön-nen. Eine Woche vor ihrer Deportation musste sie für 1000 Reichsmark einen „Heimeinkaufsvertrag“ abschließen, der sie im Glauben ließ, sich in ein Altersheim eingekauft zu haben.

Nanny Katz wurde am 31. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort zwei Monate später, am 29. September 1942, ins KZ Treblinka gebracht, wo sie ermordet wurde.

Der Nanny-Katz-Weg soll im Oxford-Quartier zwischen Gumprichstraße und Simonsplatz parallel zur Gievenbecker Reihe verlaufen.

Zum Thema

Quelle: Das Buch „Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945“, verfasst von den Autorinnen Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6686063?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F
Maskierte Männer flüchten ohne Beute aus Sparkasse
Banküberfall in Rinkerode: Maskierte Männer flüchten ohne Beute aus Sparkasse
Nachrichten-Ticker