Pfarrer Kazimierz Giersz in Nienberge
Zurück in seiner zweiten Heimat

Münster-Nienberge -

Ein guter alter Bekannter ist zurück: Wenn Pfarrer Kazimierz Giersz nach Nienberge kommt, dann hat er viele Geschichten mitgebracht.

Montag, 15.07.2019, 18:02 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 18:20 Uhr
Pfarrer Kazimierz Giersz (vorne sitzend, Mitte) wurde von den Nienbergern beim Gemeindekaffee am Montagmorgen begrüßt.
Pfarrer Kazimierz Giersz (vorne sitzend, Mitte) wurde von den Nienbergern beim Gemeindekaffee am Montagmorgen begrüßt. Foto: sn

Wenn Pfarrer Kazimierz Giersz nach Nienberge kommt, dann hat er viele Geschichten mitgebracht. Am Montag, nach der Morgenmesse, ging es für ihn zum Gemeindekaffee in das St.-Sebastian-Pfarrzentrum. Fast automatisch entstand ein „großer Bahnhof“. Jeder wollte ein paar persönliche Worte mit dem polnischen Geistlichen wechseln.

„Ganz viele freuen sich, dass er wieder da ist“, meinte der Diakon Reinhard Kemper . Zusammen mit seinem Neffen und seiner Nichte ist Giersz angereist, eine Woche bleibt er im Stadtteil, den er inzwischen nicht nur sehr gut kennt, sondern ihn auch ins Herz geschlossen hat: „Ich fühle mich hier wohl“, meinte er: „Die Herzlichkeit der Nienberger schätze ich.“

Kazimierz Giersz hat viel erlebt in seinem Leben. Gibt man ein Stichwort, dann ist er wieder wie mittendrin im damaligen Geschehen. Wann hat er den Entschluss gefasst, Priester zu werden? „Es war eine Woche nach der Erstkommunion“, sagte er: „In der Osterzeit“. Polen war von der Wehrmacht besetzt, Geistliche mussten um Leib und Leben fürchten.

Der zwölfjährige Kazimierz wollte die Beichte ablegen, bemerkte aber die Überforderung des Priesters, der für vier Pfarreien gleichzeitig zuständig war. „Wenn ich Pfarrer wäre, könnte ich ihm helfen“, meinte der Junge damals zu sich. Auch dieser Priester, dem er seinen Entschluss verdankte, ist später von den Nationalsozialisten ermordet worden. „Es war eine schlimme Zeit“, sagt Giersz.

Zeitsprung: 1957. Kazimierz Giersz machte seinen Entschluss wahr: „Ich wurde zum Priester geweiht.“ 62 Jahre ist das jetzt her, doch dieses Datum vergisst der polnische Pfarrer nicht. Es folgten fast unzählige Stationen für sein geistliches Wirken innerhalb von Polen. „Einen guten Priester wollen sie überall haben“, sagt der 88-Jährige schmunzelnd.

Ein Vierteljahrhundert später: General Jaruzelski ruft in Polen das Kriegsrecht aus. Familie Laackman aus Nienberge wollte helfen, schrieb dem Geistlichen einen Brief und schickte auch Pakete mit Lebensmitteln. Der Kontakt intensivierte sich, erste Besuche von Giersz folgten, nicht ohne bürokratische Schikanen, die er zu überwinden wusste. Dann die Wende, das sozialistische Regime zerbrach. Giersz sagt aber heute: „Etwas ist hängengeblieben.“ Der Kommunismus habe Spuren hinterlassen.

Sie sollten ihm zuhören. Die Nienberger indes taten genau das. Von 1996 bis 2005 lebte Giersz im Stadtteil, immer wieder sagt er: „Das ist meine zweite Heimat.“

Eine Woche dauert sein Besuch in der St.-Sebastian-Gemeinde dieses Mal. Am Samstag, den 20. Juli, zelebriert er den Gottesdienst um 18. 30 Uhr mit. Es werden in der Messe auch polnische Melodien erklingen, die Organist Bernhard Puschmann spielt. Kommt Pfarrer Giersz nächste Jahr wieder nach Nienberge? „Der liebe Gott ist dafür“, meint Diakon Kemper.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6781666?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F136%2F
Karnevalsumzüge am Sonntag: Was fällt aus, wer trotzt dem Wetter?
Sturmwarnung: Karnevalsumzüge am Sonntag: Was fällt aus, wer trotzt dem Wetter?
Nachrichten-Ticker