Gievenbecker absolvierte „Selbstfahreinschätzung“
Herr Schütt geht in die Bremsen

Münster-Gievenbeck -

Fahre ich noch sicher Auto? Das fragen sich im Stillen viele ältere Menschen. Es gibt einen Weg, um das gefahrlos herauszufinden.

Donnerstag, 15.08.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 15.08.2019, 18:30 Uhr
Seit über 60 Jahren fährt Walter Schütt Auto. Der 81-Jährige ließ jetzt überprüfen, ob er am Lenkrad noch sicher ist. Dafür absolvierte er eine „Selbstfahreinschätzung“ durch geschulte Trainer, die von der Verkehrswacht Münster kostenlos angeboten wird.
Seit über 60 Jahren fährt Walter Schütt Auto. Der 81-Jährige ließ jetzt überprüfen, ob er am Lenkrad noch sicher ist. Dafür absolvierte er eine „Selbstfahreinschätzung“ durch geschulte Trainer, die von der Verkehrswacht Münster kostenlos angeboten wird. Foto: jans

Walter Schütt wollte es genau wissen. Der 81-jährige Gievenbecker fährt seit über 60 Jahren Auto. Hatte er sich in den Jahrzehnten hinter dem Lenkrad vielleicht Verhaltensweisen angewöhnt, die gefährlich sind? Und wie findet man sowas gefahrlos heraus? Auf den verkehrlichen Ernstfall wollte Schütt jedenfalls nicht warten.

Der aus Düsseldorf stammende, ehemalige Industriekaufmann nahm daher ein Angebot der Verkehrswacht Münster an. Die bietet älteren Menschen nämlich eine „Selbstfahreinschätzung“ an. Drei ausgebildete Fahrsicherheitstrainer sind bei der Verkehrswacht dafür zuständig.

Einer dieser freundlichen Herren schaute daher bei Schütt in Gievenbeck vorbei. Man unterhielt sich ein wenig. Anschließend bestiegen beide Schütts Wagen. „Dann fahren Sie mal los“, sagte der Mann von der Verkehrswacht.

Angst um den Führerschein

„Die, die sich bei uns melden, nehmen das Angebot gerne an“, betont in diesem Zusammenhang Christoph Becker , Geschäftsführer der Verkehrswacht Münster. Seit Anfang 2017 bietet die Verkehrswacht diese Möglichkeit zur Selbsteinschätzung am Lenkrad. Damit, so Becker, half man der Polizei aus einer Klemme. Die Ordnungshüter böten, wenn sie gefragt würden, natürlich auch entsprechende Hinweise zur Einschätzung der eigenen Fahrleistung an. Allerdings frage dort aus Angst um den Führerschein niemand nach. Bei der Verkehrswacht ist das anders: 300 Menschen ließen sich seit Beginn des Programms von den Fahrsicherheitstrainern beraten, so Becker.

Schütts „Probefahrt“ führte ihn und seinen Gast bis nach Amelsbüren. Als es die Verkehrssituation zuließ, rief der Trainer plötzlich: „Achtung, ein Kind!“ Und Schütt ging voll in die Bremsen. Das reichte aber nicht. Erst der Trainer klärte ihn darüber auf, wie man ABS richtig benutzt und den Wagen sicher zum Stehen bringt. Schütt hatte das Anti-Blockiersystem für die Räder seines Wagens vorher noch nie benutzen müssen und musste erst lernen, wie es wirkt.

Notbremsung

Diese Notbremsung klappe häufig nicht, weiß Volker Pellmann, Senioren-Fachberater und Sicherheitstrainer bei der Verkehrswacht Münster. Aber wenn seine Klienten es nach kurzer Einweisung beherrschten, sei das für diese „ein tolles Erlebnis“. Pellmann verweist auch darauf, dass Senioren beim Autokauf auf „segensreiche Automatik“ achten sollten, zum Beispiel auf eine Parkautomatik oder den „Totwinkel-Assistenten“.

Aber was ist, wenn der Trainer Bedenken hat, ob sein Schützling wirklich noch fahrtüchtig ist? Dann werde über den Nahverkehr und dessen Kosten aufgeklärt, betont Pellmann. Es gebe auch mal den Rat, das Auto zumindest im Winter stehen zu lassen. Oder den Führerschein abzugeben und mit dem Seniorenausweis in Münster kostenlose Transportangebote zu nutzen. Den Führerschein einfach einziehen können und wollen die Verkehrswacht-Mitarbeiter nämlich nicht. Sie sind „kein Kontrollinstrument“, so Pellmann. Sie beraten nur. Kontakt zu den Verkehrswacht-Beratern kann man unter der Rufnummer  0 25 01/ 26 85 35 4 oder per E-Mail unter geschaeftsstelle@verkehrswacht-ms.de knüpfen. Das Angebot ist kostenlos, die Verkehrswacht freut sich aber über Spenden.

Test-Tour

Und wie ging es weiter mit Walter Schütts Test-Tour? Nach dem Bremstraining fuhr er mit seinem Sicherheitsberater zurück nach Gievenbeck. Und dort sagte der Mann von der Verkehrswacht: „Ich will Ihnen keinen Honig ums Maul schmieren, aber Sie fahren ausgezeichnet!“ Und da wusste Walter Schütt es dann wirklich ganz genau.

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