Erinnerungen an die Oxford-Kaserne
Eine TV-Serie und zwei Frettchen

MÜNSTER-GIEVENBECK -

Die Zeit der englischen Soldaten ist längst vorbei. Aber manchmal wird die Erinnerung wach gehalten - auch im Netz.

Samstag, 24.08.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 26.08.2019, 18:02 Uhr
Schon am Tor der ehemaligen „Oxford Barracks“ erinnert ein Schild an die ehemaligen Nutzer.
Schon am Tor der ehemaligen „Oxford Barracks“ erinnert ein Schild an die ehemaligen Nutzer. Foto: jans

Das Schild hängt noch: Am Stahltor, das den Haupteingang zur Oxford-Kaserne versperrt, prangt ein roter Hinweis, dass Autofahrer beim Einfahren die Scheinwerfer ausschalten sollen. „Switch headlights off“ wird dort englischen Soldaten befohlen, die es hier seit sechs Jahren nicht mehr gibt. Für deutsche Besucher haben die Briten die Anweisung noch mit einem höflichen „bitte“ versehen.

Die Hinweistafel ist augenfälliges Relikt der britischen Vergangenheit des 1934 bis 1936 als deutsche Flak-Kaserne errichteten Komplexes, aber sie ist längst nicht der einzige Hinweis auf alte Zeiten.

Links vor dem Haupteingang des denkmalgeschützten Komplexes erinnern die Reste eines Reichsadlers an die Erbauer der Kaserne. Bei einem kleinen Spaziergang an deren Mauern entlang fallen immer wieder Schilder aus der „Engländerzeit“ auf. Einst war hier eine komplette Brigade mit mehr als 5000 Soldaten stationiert, zuletzt waren es noch 700. Die erste britische Einheit zog schon 1945 ein.

Stumme Zeugen

Kein Wunder also, dass auch von außen noch einige stumme Zeugen aus dieser Zeit zu erkennen sind. Auf einen „Under Ground Hydrant“ (Hydrant im Boden) weist beispielsweise ein weiteres Schild neben dem Haupteingang hin. Ein anderes, stets präsentes Relikt der Vergangenheit: Noch immer liegt Stacheldraht auf den Kasernenmauern. Eigentlich erstaunlich, denn inzwischen ist dahinter mit dem neuen Oxford-Quartier längst eine zivile Nutzung geplant. Ob der Draht auch denkmalgeschützt ist?

An anderer Stelle sind aber noch viele weitere Erinnerungen an die Briten in der Oxford-Kaserne lebendig: im Internet. Auf der Videoplattform Youtube gibt es viele Folgen der englischen Fernsehserie „Soldier ... Soldier“ (Soldat ... Soldat), die das Leben in der britischen Armee thematisierte. Dafür wurde weltweit gedreht, auch in Gievenbeck. In der vermutlich 1993 ausgestrahlten Folge „Proud Man“ (Stolzer Mann) ist der Eingangsbereich der Oxford-Kaserne deutlich zu erkennen. Diesmal ist das Tor offen und ein Bus der Firma Weilke fährt im Film amerikanische Gäste in die Kaserne. Auch deutsche Statisten wurden damals für die Serien angeworben.

Regimentsmaskottchen

Ebenfalls im Netz verewigt sind zwei Frettchen, die eine ganz besondere Beziehung zur Oxford-Kaserne hatten. Sie hießen „Imphal“ und „Quebec“ und waren die Regimentsmaskottchen einer ab 2008 in der Kaserne stationierten Einheit. Die Tierchen hatten ihren Käfig vor einem der Kasernengebäude und machten auch bei Paraden mit. Sie durften dabei zwischen den Stiefeln der Soldaten herumlaufen, wenn man den Zeilen im Netz glauben darf. Außerdem hatten die Maskottchen eigene kleine Uniformjacken und Regimentsmützen, in die sie zu Paraden vermutlich eingekleidet wurden. „Sie sind der Stolz des Bataillons“, sagt Provo Corporal Norman Shay im Internet über die Tierchen.

Während die Frettchen – oder ihre Nachfolger – längst mit ihrer Einheit weiter gezogen sind, gibt es auf Veteranen-Seiten im Netz noch lebhafte Erinnerungen an die Zeit britischer Soldaten in der Oxford-Kaserne. Manches ist wohl verklärt, aber trotzdem lesenswert. Wer „Oxford Barracks“ in eine Suchmaschine eingibt und Englisch spricht, dürfte fündig werden.

Tag des offenen Denkmals

All jene, die sich vor Ort ein aktuelles Bild über den Zustand des Kasernengeländes machen möchten, sind zum Tag des offenen Denkmals am 8. September (Sonntag) dazu eingeladen. Denkmalschützerin Mechthild Mennebröcker führt um 14 und um 15.30 Uhr über die Anlage. Ob sie wohl weiß, wo genau der Frettchenkäfig einst stand?

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