Ausstellung der Waldorfschule
Von wegen den Namen tanzen

Münster-Gievenbeck -

Eine elementare Säule der Waldorf-Pädagogik bildet die Kunst. Und so wundert es kaum, dass anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen eben dieser Pädagogik die münsterische Waldorfschule eine Kunstausstellung auf die Beine stellte.

Mittwoch, 25.09.2019, 18:00 Uhr
Über die Waldorf-Pädagogik informiert noch bis Freitag eine Ausstellung im Foyer der münsterischen Bücherei am Alten Steinweg.
Über die Waldorf-Pädagogik informiert noch bis Freitag eine Ausstellung im Foyer der münsterischen Bücherei am Alten Steinweg. Foto: Kay Böckling

Diese war dieser Tage in der Stadtbücherei zu sehen und soll ein zentraler Bestandteil der Jubiläumsfeierlichkeiten an diesem Wochenende in der Schule am Rudolf-Steiner-Weg sein.

Zu sehen sind laut Susan Kegel (Förderbereich Sprachtherapie) Exponate sowohl aus dem künstlerischen Unterricht als auch aus anderen Fächern. „Dort kann man sehen, was für künstlerische Produkte entstehen.“ So erhalte der Besucher beispielsweise auch einen Eindruck davon, wie künstlerisch die Hefte der Schüler gestaltet seien.

In der Präsentation sind unter anderem verschiedene Ergebnisse aus dem Handarbeits-Unterricht zu sehen. „Es ist ja eine Besonderheit, dass bei uns von der ersten Klasse an gestrickt, gehäkelt, gestickt oder genäht wird“, meint Susan Kegel. Zudem entstünden Flötenhüllen, später im Handarbeitsunterricht auch Stofftiere.

Aber auch Exponate aus dem Werk-Unterricht waren und sind Bestandteil der Ausstellung. Beispiel: ein Paddel. „Vor der obligatorischen Kanufahrt der Siebtklässler fertigen die Schüler immer ihr eigenes Paddel“, berichtet Lehrer Reinhard Schulte .

Das Besondere an der Waldorfschule: Während an Regelschulen Werken oder Handarbeit allgemein unter dem Gesamtbegriff „Kunst“ firmieren, werden betreffende Arbeiten als eigene Fächer ausgewiesen. „Das ist ein besonderes Merkmal der Waldorfschule“, berichtet Susan Kegel.

Interessant sind auch die Einblicke in die sogenannten Epochen-Hefte. Dort stellen die Kinder künstlerisch den Unterrichtsstoff dar, den sie gerade durchnehmen. Wieder ein Beispiel: „Wenn wir das Römische Reich behandeln, dann malen die Kinder tatsächlich Romulus und Remus in ihr Heft“, so Kegel.

Mit einem Vorurteil möchte Reinhard Schulte aber aufräumen: „Nicht dass man hier den falschen Eindruck gewinnt, dass bei uns nur gemalt oder gestrickt wird – ungeachtet von dem unsäglichen Namen-Tanzen: Das hört man nur von Leuten, die die Waldorfschule von innen noch nie gesehen haben.“. Nein: „Bei uns wird auch Mathematik, so wie es an den Regelschulen üblich ist, mit binomischen Formeln und Gleichungslehre oder Physik unterrichtet.“

Und wie kann dieser Unterricht Einzug finden in eine künstlerische Ausstellung? „Nehmen wir das Fach Physik“, sagt Christian Kriegeskotte von der Schulleitung: „Ein physikalisches Experiment erfolgt ja nach einem Aufbau. Also muss ich ja auch den betreffenden Aufbau zeichnen. Ich könnte da künstlerische Zeichnungen zeigen, die wirklich beeindrucken.“ Die künstlerische Darstellung spiegele eine entsprechende Schulung über Jahre wider.

Die Ausstellung in der Stadtbücherei wurde komplettiert durch eine Präsentation im Foyer, in der Informationsmaterial sowohl zu den Schulen in Münster und Everswinkel wie auch zur Waldorf-Pädagogik insgesamt einzusehen war. Dieser Info-Stand ist noch bis einschließlich Freitag zu besuchen.

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