Interview: André Sühling wird neuer leitender Pfarrer
„Ich möchte Räume öffnen“

Münster-West -

André Sühling, aktuell noch leitender Pfarrer der Pfarrei St. Franziskus, wird neuer Leiter der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser. Über sich, seine Größe jenseits der zwei Meter und vor allem seine Zukunft als neuer leitender Pfarrer spricht er im Interview

Freitag, 18.10.2019, 18:10 Uhr
An einer seiner neuen Wirkungsstätten: André Sühling ist als leitender Pfarrer der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser auch in der Kirche St. Michael tätig.
An einer seiner neuen Wirkungsstätten: André Sühling ist als leitender Pfarrer der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser auch in der Kirche St. Michael tätig. Foto: Kay Böckling

Wenn man festhält, dass Dr. Hans-Werner Dierkes schon eine imposante Erscheinung war, ist das mit Sicherheit nicht untertrieben. Sein Nachfolger aber überragt ihn um Einiges. Als André Sühling, aktuell noch leitender Pfarrer der Pfarrei St. Franziskus, ein Café in Gievenbecks Zentrum betritt, muss sich der sympathische 46-Jährige sogar bücken. Über sich, seine Größe jenseits der zwei Meter und vor allem seine Zukunft als neuer leitender Pfarrer der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser spricht er mit unserem Redakteur Kay Böckling .

Herr Sühling, um diese Frage kommt man nicht herum, wenn man Ihnen das erste Mal begegnet: Wir groß sind Sie?

Sühling: (lacht) In meinem Pass steht zwei Meter und acht. Ich habe es noch nicht wieder nachgemessen.

Sie wären prädestiniert für den Handballsport, oder Basketball . . .

Sühling: Diese Leidenschaft für Sport, die müsste ich mir wieder neu erobern. Ich habe in meiner Jugendzeit viel Volleyball gespielt – schulisch bedingt auch Basketball. Leistungsmäßig war das aber eher niedriges Niveau auf Breitensportbasis kann man sagen.

Dann kommen wir zum eigentlichen Thema: Im kommenden Jahr treten Sie die Nachfolge von Dr. Dierkes an. Was hat Sie dazu bewogen?

Sühling: In den Gremien-Gesprächen zur Besetzung der Stelle kam eine ähnliche Frage: „Sie sprechen noch so begeistert von St. Franziskus“, hieß es da. Und: „Wieso wollen Sie eigentlich da weg?“

Und?

Sühling: Nüchtern gesprochen: Ich bin nicht initiativ geworden. Die Personalkonferenz respektive der Bischof selbst haben angefragt und sind konkret mit dem Wechsel-Vorschlag an mich herangetreten. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich nach etwas Überlegen dann auch mit Freude „Ja“ gesagt habe. Ich empfinde es als ein schönes Signal, als Vertrauen. Es ist ja von der Pfarrei-Größe her ein etwas anderes Gebilde als ich es bisher in Münsters Norden hatte. Das ist schon mit Respekt meinerseits verbunden. Denn es bedeutet, dass ich auch als Lernender hierher komme. Aber eben auch mit Freude, mich hier einzubringen.

Den aktuellen Spaß an der Arbeit kann man ja durchaus auch mit in die neue Aufgabe transportieren . . .

Sühling: Richtig, Priester sein ist meine Lebensentscheidung.

Sie sprachen gerade die unterschiedlichen Größe der Pfarreien an. Wie groß ist da der Unterschied?

Sühling: St. Franziskus besteht aus den ehemaligen Gemeinden Thomas Morus und St. Norbert. Liebfrauen besteht aus vier ehemals eigenständigen Pfarreien. Das sind ganz andere Größenordnungen. In Zahlen bedeutet das: 7300 Katholiken in St. Franziskus und 21 400 in Liebfrauen-Überwasser. Das sind natürlich ganz andere Dimensionen. Man sollte sich aber nicht zu sehr auf diese Zahlen fixieren.

Dennoch ein mutiger Schritt . . .

Sühling: Natürlich, schon allein die Größe der Teams ist sehr unterschiedlich.

Ihrem Vorgänger fehlte nach eigener Aussage ein wenig die Arbeit in der Seelsorge. Vergleichen wir das ganze vielleicht mal mit einem Lehrer: Pädagogen wollen mit Kindern arbeiten, Pfarrer doch hauptsächlich in der Seelsorge. Der leitende Pfarrer aber hat doch mehr administrative Aufgaben. Passt das bei Ihnen?

Sühling: Klar: Die Aufgabe als leitender Pfarrer bedeutet eine gewisse Verantwortlichkeit, die über das Seelsorgerische hinaus geht. Man ist Dienstgeber für eine gewisse Anzahl von Mitarbeitern, für unterschiedliche Einrichtungen einer Pfarrei. Aber ich bin schließlich nicht der Einzige, der das alles stemmen muss. Es gibt beispielsweise eine Verwaltungsreferentin, die hier eine Top-Arbeit leistet. Es gibt einen gut aufgestellten Kirchenvorstand. Also: Es gibt viele, die im Team mit hineinwirken. Somit bleibt hoffentlich auch Raum für die Seelsorge und Begleitung.

Für Irritationen sorgte unsere Berichterstattung bezüglich ihres künftigen Wohnorts, als wir über Ihren neuen Wirkungskreis schrieben. Stand denn von Beginn an nicht fest, dass Sie die Pfarrwohnung in Gievenbeck beziehen?

Sühling: Eigentlich doch. Die Planungen laufen augenblicklich auch dorthin. Die einzige Pfarrerwohnung, die momentan belegbar ist, befindet sich in Gievenbeck. Aber das Thema war eigentlich keine große Frage.

Wichtig ist das Stichwort „Netzwerkarbeit“. Wollen sie diese entwickeln, weiterentwickeln oder forcieren?

Sühling: Das Stichwort liegt da auf „weiterentwickeln“. Zunächst einmal muss ich sehen, was an Zusammenspiel in der Pfarrei vorhanden ist. Zudem gehört für mich die Ökumene vor Ort klar zur Netzwerkarbeit. Über alles muss ich mir aber erst einen Überblick verschaffen.

Jeder hat so sein ganz persönliches „Räppelchen“. Haben Sie auch so eins, was Sie nach Liebfrauen-Überwasser mitnehmen?

Sühling: Da nehme ich gerne noch einmal den Begriff des Netzwerkens auf. Man muss achtsam sein in Bezug auf Initiativen vor Ort. Wie kann man Eckpunkte benennen und vielleicht auch noch einmal stärken, damit sich etwas weiterentwickeln kann. Das ist eine Art und Weise, wie ich versucht habe, mit den bisherigen Gremien und Teams zu arbeiten. Ich möchte als eine Art „Ermöglicher“ unterwegs sein. Ich möchte Räume öffnen – auch ganz konkret.

Das bedeutet?

Sühling: In Coerde haben wir bewusst unsere Kirche für eine freikirchliche Gemeinde geöffnet, damit sie sonntagsnachmittags regelmäßig ihren Gottesdienst feiern kann. Ich möchte gerne mit dem Fokus unterwegs sein und mich fragen: „Was ist hier vor Ort lebendig oder wo kann man versuchen, sich noch einmal neu zu verständigen.“

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