Fest für behinderte Kinder
Mit Handicap zu St. Martin

Münster-Gievenbeck -

Ein richtiges Erlebnis für ihre Sprösslinge organisierten Eltern in Eigenregie. Wären sie nicht selbst aktiv geworden, hätten ihre Kinder kein St.-Martins-Fest feiern können. Es sind Jungen und Mädchen, die verschiedene Beeinträchtigungen haben. Viele sitzen im Rollstuhl.

Dienstag, 12.11.2019, 18:06 Uhr aktualisiert: 14.11.2019, 12:30 Uhr
Die zehnjährige Josie ritt Pferd Tommy und mimte den St. Martin, der neunjährige Lasse den Bettler.
Die zehnjährige Josie ritt Pferd Tommy und mimte den St. Martin, der neunjährige Lasse den Bettler. Foto: sn

Tommy war ruhig und gutmütig. Schon beim ersten Anblick war er der absolute Liebling der Kinder, das Pony auf dem Pferdehof Krützkemper stand im Mittelpunkt eines ganz besonderen St.-Martins-Festes. Eine Gruppe von Eltern behinderter Jungen und Mädchen hatte dazu eingeladen.

Ein richtiges Erlebnis für ihre Sprösslinge organisierten sie in Eigenregie. Wären sie nicht selbst aktiv geworden, hätten ihre Kinder kein St.-Martins-Fest feiern können. Es sind Jungen und Mädchen, die verschiedene Beeinträchtigungen haben. Viele sitzen im Rollstuhl.

St. Martin war ein Heiliger, der im vierten Jahrhundert gelebt haben soll und seinen roten Mantel mit einem Bettler geteilt hat. Er steht für Nächstenliebe und Mildtätigkeit. Soll gerade sein Fest von Kindern mit Behinderungen nicht besucht werden können?

Für viele seien sonst St.-Martins-Feste zu anstrengend, erklärte Mitorganisatorin Temba Große Brinkhaus. Da sei erstmal der lange Umzug, der zu bewältigen wäre, und beim St.-Martins-Spiel säßen die Kinder im Rollstuhl oft hinter den stehenden Erwachsenen und könnten nichts sehen. „Es ist zu wild und zu voll“, so Große Brinkhaus. Außerdem gibt es alltägliche Probleme: So gebe es keine Wickelmöglichkeiten, darauf seien einige Kinder angewiesen.

Zeit zu handeln, denn die Jungen und Mädchen wollten einmal den leibhaftigen St. Martin sehen. Gut, dass Eltern von behinderten Kindern inzwischen einen Stammtisch gegründet haben. Das hat vieles leichter gemacht.

Temba Große Brinkhaus traf Thomas Kiel, den Vater eines anderen betroffenen Kindes, zufällig im Allwetterzoo. Die Kinder spielen gemeinsam im Heinrich-Piepmeyer-Haus, wo es eine inklusive Kita gibt. „Die Eltern kennen sich aber oftmals nicht untereinander“, so Temba Große Brinkhaus. Das änderte der Stammtisch, den die beiden unter großer Resonanz gründeten.

Jeden ersten Dienstag im Monat, an wechselnden Orten, kommt die Gruppe zusammen und tauscht sich über viele Themen aus, von der Pflegestufe bis hin zur „Rolli“-Erreichbarkeit von Spielplätzen. Auch das St.-Martins-Fest planten die Eltern dort. Im vergangenen Jahr hat es schon eines im Heinrich-Piepmeyer-Haus gegeben, dieses Mal gab es von dort aus personellen Gründen eine Absage. Das fanden viele schade. Doch die Eltern gaben nicht auf. Den Hof Krützkemper in Gievenbeck kannten sie vom therapeutischen Reiten.

Nun wurde dort der Traum Wirklichkeit. Betroffene Jungen und Mädchen, Geschwisterkinder, Eltern und Freunde, für sie alle war es ein großes Erlebnis. Die zehnjährige Josie ritt Pferd Tommy und mimte den St.-Martin, der neunjährige Lasse den Bettler.

Klar, der Mantel wurde geteilt, und anschließend holte Andre Große Brinkhaus die Gitarre heraus, und alle sangen gemeinsam am Lagerfeuer St.-Martins-Lieder. Die Kinder hielten stolz ihre leuchtenden Laternen in die Höhe.

Zuvor hatte es im Sonnenuntergang eine kleine Rundfahrt über den Hof gegeben. Diejenigen, die mit dem Rollstuhl gut umgehen konnten, fuhren mit ihrem Gefährt, die anderen konnten in der Kutsche mitfahren. Am Ende gab es noch Brötchen, die von einer Bäckerei gespendet worden waren, und die die Kinder untereinander teilten.

Jetzt will die Elterngruppe den Tag Revue passieren lassen, und überlegen, ob es nicht noch weitere Veranstaltungen im Jahr gibt, die sie für die Kinder organisieren könnten.

Wer Interesse hat, beim Stammtisch von Eltern behinderter Kinder mitzumachen, kann sich bei Temba Große Brinkhaus melden: ✆ 0163 / 1479117.

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